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Venezuela Im sozialistischen Paradies werden die Lebensmittel knapp

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Rund 40 Prozent der Güter der Grundversorgung fehlen

„Bis Ende November wird der gesamte Einzelhandel Venezuelas biometrisch kontrolliert werden“, freute sich Andrés Eloy Méndez, Oberaufseher des Ministeriums für gerechte Preise bei der Vorstellung der Initiative. Diese ist Teil eines umfassenden „Plans für die Heimat“, der eine lückenlose Kontrolle über den Handel und den Verkauf des Landes vorsieht: Dazu können die Beamten der Behörde für gerechte Preise, etwa auch Schlangen vor Supermärkten auflösen oder kurzzeitig den Geschäftsführer absetzen und die Führung der Geschäfte übernehmen, wenn die Konsumenten zu langsam bedient werden. „Das alles sind Maßnahmen, um den Mangel zu verwalten“, schimpft Jorge Reis vom Dachverband der venezolanischen Industrie- und Handelskammern Fedecameras. „Die Regierung führt Lebensmittelkarten zur Rationierung ein.“

Noch bis März veröffentlichte die Zentralbank monatliche Erhebungen darüber, wie viele Güter des täglichen Bedarfs fehlen. Diese Veröffentlichungen hat die Bank inzwischen eingestellt. Damals waren es ein Viertel aller Güter, die im Alltag fehlten. Heute schätzen unabhängige Institute wie Datanalisis, dass rund 40 Prozent aller Güter der Grundversorgung in Venezuela fehlen.

So teuer ist das Leben in Venezuela
Möhren Quelle: REUTERS
Coca-Cola Quelle: REUTERS
BigMac Quelle: REUTERS
Dampfkochtopf Quelle: REUTERS
Mixer Quelle: REUTERS
Besen Quelle: REUTERS
Glühbirne Quelle: REUTERS

Der Grund ist: Das Ölland Venezuela importiert traditionell fast alles, was seine Bevölkerung braucht. Doch mit den sinkenden Ölpreisen und einer schrumpfenden Produktion verfügt die Regierung über immer weniger Devisen, um Importe zu bezahlen. Das venezolanische Wirtschaftsforschungsinstitut Ecoanalitica schätzt, dass der Staat bei in- und ausländischen Gläubigern derzeit mit rund 21 Milliarden Dollar in der Kreide steht. Rund zwölf Milliarden Dollar schuldet Venezuela ausländischen Fluggesellschaften, Autobauern, Lebensmittel- und Pharmakonzernen. Die Regierung verfügt jedoch nur noch über rund 20 Milliarden Dollar Devisenreserven.

Den sinkenden Dollarbeständen stehen wachsende Zahlungsverpflichtungen gegenüber: Im nächsten drei Jahre werden jeweils zehn Milliarden Dollar Anleihezinsen und -tilgungen jährlich fällig.

Welchen Staaten der niedrige Ölpreis besonders schadet
Erdölförderung Quelle: dpa
Ölförderung in Saudi-Arabien Quelle: REUTERS
Ölförderung in Russland Quelle: REUTERS
Oman Ölpreis Quelle: Richard Bartz - eigenes Werk. Lizenziert unter Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 über Wikimedia Commons
Öl-Leitung im Niger-Delta Quelle: dpa
Ölförderpumpe in Bahrain Quelle: AP
Venezuela Ölförderung Quelle: REUTERS

Das Land sei schon längst im Zahlungsverzug, befand kürzlich der ehemalige Planungsminister Venezuelas und jetzige Harvard-Professor Ricardo Hausmann: Warum solle Venezuela seine Dollar-Schulden bedienen, wenn diese sich größtenteils in den Händen reicher - oftmals venezolanischer – Anleger befänden? Stattdessen solle die notleidende venezolanische Bevölkerung vor allem mit Nahrung und einfachsten Dingen des täglichen Bedarfs bedient werden.

Die landesweit angekündigten Scanner zur Erkennung des Daumenabdrucks dürften deshalb auch eher ein Propaganda-Trick der Regierung sein. Bisher hat die Behörde gerade mal 36 Scanner aufgestellt in einem Pilotprojekt. Die umgerechnet 150 Dollar für die Geräte wird den Supermärkten von ihren Einkünften abgezogen. Doch wie soll eine Regierung am Rand der Staatspleite diese teuren Apparate flächendeckend kaufen, aufstellen und betreiben?

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