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Veröffentlichung der JFK-Akten Wie viel wird Donald Trump preisgeben?

1963 wurde US-Präsident John F. Kennedy erschossen. 54 Jahre später werden nun bisher geheime Akten zu dem Fall geöffnet. Wie viele und mit welchen Informationen, hängt jedoch vom amtierenden Präsidenten Trump ab.

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Der US-Kongress hatte 1992 beschlossen, dass das Nationalarchiv alle mit der Ermordung Kennedys im Zusammenhang stehenden Information sichern und diese innerhalb von 25 Jahren veröffentlichen muss. Quelle: AP

Washington Das US-Nationalarchiv wird am (heutigen) Donnerstag bisher geheim gehaltene Akten zur Ermordung des US-Präsidenten John F. Kennedy freigeben – ob nur teilweise oder bis zum letzten Blatt Papier liegt jedoch an der Entscheidung von US-Präsident Donald Trump. Während Forscher und Historiker, die sich mit der Ermordung Kennedys am 22. November 1963 in Dallas befassen, eine komplette Veröffentlichung der 3150 Akten fordern, raten US-Geheimdienste eher dazu, einige Informationen zurückzuhalten.

Trump hatte sich bisher darüber bedeckt gehalten, wie viele Akten veröffentlicht werden. Die Freigabe der Akten sei „aufregend“, schrieb Trump am Mittwoch auf Twitter. In der Woche zuvor deutete er jedoch an, dass er noch weitere Informationen vor der Entscheidung, ob alle Akten zugänglich gemacht werden sollen, einholen werde. Wissenschaftler sagen, der US-Auslandsgeheimdienst CIA dränge Trump dazu, einige der Dokumente weiterhin geheim zu halten. Die CIA hatte dies bisher auch nicht dementiert.

Akten zu dem Fall, die in den 90er-Jahren angelegt wurden, könnten Namen von noch lebenden Personen enthalten und seien deshalb von Interesse für eine Geheimhaltung, erklärte ein Historiker der Universität von Virginia, Larry Sabato. Welche Details auch immer veröffentlicht werden, für viele werden sie eine wichtige und immer noch bestehende Frage nicht beantworten: War Lee Harvey Oswald der alleinige Todesschütze?

Der präsidentielle Ausschuss zur Untersuchung der Ermordung Kennedys, bekannt geworden als die Warren Commission, erklärte 1964, Oswald sei ein Alleintäter gewesen. Auch eine weitere Untersuchung des US-Kongresses brachte 1979 keine Beweise für die Theorie, dass die CIA an dem Attentat auf Kennedy beteiligt war.

So belebte beispielsweise Politikberater und enger Trump-Unterstützer Roger Stone die weitgehend abgelehnte Theorie, Lyndon Johnson, der nach Kennedy als Präsident folgte, sei in die Ermordung involviert gewesen. Er sei nicht sicher, ob Schlüsseldokumente der Akten jemals das Tageslicht sehen würden, sagte Stone.

440 Dokumente des Falls, die im Juli freigegeben worden, seien aus Gründen der nationalen Sicherheit derart geschwärzt worden, dass sie eigentlich unbrauchbar gewesen seien. Er habe sich bei Trump selbst dafür eingesetzt, dass alle Dokumente veröffentlicht werden, denke aber, dass die CIA den Präsidenten zu Geheimhaltung einiger Akten überreden möchte.

Der US-Kongress hatte 1992 beschlossen, dass das Nationalarchiv alle mit der Ermordung Kennedys im Zusammenhang stehenden Information sichern und diese innerhalb von 25 Jahren veröffentlichen muss – Ausnahmen könne nur der Präsident machen. Und Trump ist kein unbeschriebenes Blatt, wenn es darum geht, Verschwörungstheorien für sich zu nutzen, um Wähler zu gewinnen, die der Regierung generell misstrauen: Während des Wahlkampfes hatte Trump wiederholt einen Artikel einer Boulevard-Zeitung zitiert, die behauptete, der Vater seines damaligen Gegenkandidaten Ted Cruz sei vor dem Attentat mit dem Todesschützen Oswald fotografiert worden. Dies wurde nie bestätigt. Trump sagte später, er habe nur zitiert, was er gelesen habe.

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