Vertragsschluss Nur China profitiert vom Gasabkommen

Zehn Jahre hat es gedauert bis sich China und Russland auf einen Vertrag über Gaslieferungen einigen konnten. Das heißt aber noch lange nicht, dass jetzt alles ganz schnell geht: Es fehlt die Infrastruktur.

In Zukunft werden China und Russland enger kooperieren. Quelle: dpa

Es war ein zähes Ringen zwischen China und Russland: Jahrelang haben sie versucht, sich auf einen Vertrag über Gaslieferungen zu einigen. Der größte Streitpunkt war der Preis, denn China war nicht bereit, die Preise zu akzeptieren, die Gazprom in Europa kassiert. Sie hatten Rabatte gefordert. Beim Besuch des russischen Präsidenten Wladimir Putin in Shanghai war es nun soweit - die beiden staatliche Gaskonzerne waren sich einig.

Es wird vermutet, dass der Wert der Verträge bei 400 Milliarden Dollar liegt. Russland wird China ab 2018 jährlich 38 Milliarden Kubikmeter Erdgas zur Verfügung stellen und das für die kommenden 30 Jahre. Das sind gigantische Zahlen, die in Europa aber auch Angst schüren, denn bislang war China im Gassektor von den EU-Märkten abhängig. Nun orientiert sich die Volksrepublik an ihren russischen Nachbarn, die neue Kooperationspartner dringend nötig haben, könnten in Europa doch - aufgrund der Ukraine-Krise - weitere Absatzmärkte wegfallen oder zumindest reduziert werden. Ein weiterer Vorteil: Russland wäre gleichzeitig auch weniger abhängig von europäischen Staaten. Aber auch China steht unter Druck: Das Land muss in den kommenden Jahren zwingend weniger Kohle verbrauchen, weil bereits heute in einigen Städten die Smogbelastung so hoch ist, dass mit massiven Beeinträchtigungen der Gesundheit zu rechnen ist. Die Vereinigten Staaten von Amerika zeigten sich unterdessen gelassen: US-Außenminister John Kerry erklärte, die Vereinbarungen hätten nichts zu tun mit den diplomatischen Spannungen wegen der Ukraine-Krise. Die chinesische Regierung habe bereits seit zehn Jahren an dieser Vereinbarung gearbeitet - und es sei "keine plötzliche Reaktion auf etwas, was gerade passiert," so Kerry. Und Russland habe sich einen neuen Absatzmarkt für sein Erdgas gesichert. Es ist allerdings nicht von der Hand zu weisen, dass der Ukraine-Konflikt die Verhandlungen zumindest begünstigt hat.

Doch bis Russland Erdgas nach China liefert, wird es noch dauern. Der Grund: Es es fehlt schlichtweg die Infrastruktur. Derzeit gibt es im östlichen Sibirien erst eine Pipeline, die bereits an die chinesische Grenze stößt und ausgebaut werden könnte. Aber wer übernimmt die Kosten? Russia Today berichtet, dass Gazprom verlangt, dass der chinesische Ölkonzern China National Petroleum Corporation (CNPC) die Kosten trägt der einen Kredit aufnimmt. Schon 2009 hatte es ein Pipelineprojekt gegeben, das allerdings abgebrochen wurde. Mit einer neuen Pipeline könnte aber längerfristig auch noch mehr Erdgas an China geliefert werden. "Russland liefert an Europa pro Jahr knapp 130 Milliarden Kubikmeter Gas, plus 40 Milliarden an die Türkei", sagte Steffen Bukold, Chef des Hamburger Forschungs- und Beratungsbüros EnergyComment gegenüber "Spiegel Online". Der Vertrag mit China sieht bislang weit weniger vor.

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