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Video von Alexej Nawalny Theater, Casino und Eishockey-Halle: Putins vermeintliches „Versailles“

Diese Drohnenaufnahme von Nawalnys Team zeigt den neuen Prunkpalast, der Putin als Rückzugsort dienen soll. Quelle: Youtube/Alexei Nawalny/Screenshot

Oppositionspolitiker Alexej Nawalny veröffentlichte ein Video über das angebliche Sommerschloss des russischen Präsidenten am Schwarzen Meer. Ein enger Putin-Freund will jetzt der Besitzer sein.

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Etliche Gerüchte ranken sich um die Urlaubsresidenzen und Datschen des russischen Präsidenten Wladimir Putin, bis zu zwanzig soll er haben. Besonders undurchsichtig ist die Lage bei einem Grundstück in der Nähe von Sotschi. Dort steht die Villa Gelendschik, eine Residenz am Kap Idokopas mit Blick aufs Schwarze Meer.

Nach Recherchen der Nachrichtenagentur Reuters wurde die Anlage mit Steuergeldern gebaut, die eigentlich für die Modernisierung von Krankenhäusern gedacht waren – aber über Umwege auf ausländischen Konten von Putins Petersburger Freunden gelandet sein sollen. Die Villa soll knapp eine Milliarde Euro gekostet haben, zwei Theater und ein Spielcasino beherbergen.

Der russische Oppositionspolitiker Alexej Nawalny hat nach seiner Rückkehr nach Moskau und seiner Festnahme ein Video veröffentlicht, das Innenaufnahmen des barocken Palastes zeigt. Darin sind vergoldete Wandelemente und Möbel sowie eine Brunnenanlage im Innenhof zu sehen, genauso wie ein großer Kinosaal mit roten Plüschsofas. Nawalnys Team hat zudem von einem Schlauchboot aus eine Drohne über dem Palast kreisen lassen. Das Video hat in Russland für viel Aufsehen gesorgt: Inzwischen gehen Zehntausende Meschen für Nawalnys Freilassung und gegen Präsident Putin auf die Straße, schreien „Putin ist ein Dieb!“. Grund für die Aussage: Nawalnys Video.


Für das Video war der Kremlkritiker auch nach Dresden gereist und zeigt den dortigen Plattenbau, in dem Putin als KGB-Offizier gewohnt hat. Mit dem Kontrast zu der Supervilla am Schwarzen Meer will Nawalny zeigen, wie sich der russische Präsident bereichert haben soll.

Die WirtschaftsWoche hatte schon im vergangenen Sommer Satellitenaufnahmen des Anwesens analysiert. Eine Aufnahme aus dem Jahr 2019 zeigte, dass dort weiter gebaut wird. Auf der Allee, die zur Villa führt, wurde eine Art Barockgarten angelegt. Nördlich des eigentlichen Anwesens, wo 2014 noch Hubschrauberlandeplätze zu sehen sind, war ebenso eine Baustelle. Laut Nawalny wurde hier inzwischen eine unterirdische Eishockey-Halle errichtet. Außerdem gibt es nahe dem Barockgarten nun eine Orangerie. Das 18.000-Quadratmeter-Schloss bezeichnet Nawalny im Video als „ein neues Versailles oder ein neuer Winterpalast“.

Ein Unternehmer, der am Bauprojekt beteiligt war, hatte die Geschichte bereits 2010 öffentlich gemacht. Putins Pressesprecher Dmitri Peskow bestritt daraufhin, dass der Präsident etwas mit der Villa zu tun hat. 2011 berichteten russische Medien, dass ein Geschäftsmann das Anwesen für 250 Millionen Euro gekauft habe. Auch nach Nawalnys Video bestreitet ein Kreml-Sprecher, dass dies ein Anwesen von Putin sei.



Aber steckt wirklich der russische Präsident als eigentlicher Nutzer der Villa dahinter? Es gibt einige Indizien, die dies weiter befeuern. So bekam der italienische Architekt Lanfranco Cirillo, der die Villa geplant hat, von Wladimir Putin höchstpersönlich die russische Staatsbürgerschaft verliehen.

Außerdem wird die 68-Hektar-Anlage vom Föderalen Schutzdienst FSO bewacht, der auch den Kreml und Putins offizielle Residenzen sichert. Das fiel auf, als Umweltaktivisten versuchten, sich Zutritt zu verschaffen. Unter anderem kritisieren die Umweltschützer den neuen Yachthafen, der auf der Satellitenaufnahme am Fuße der Villa zu sehen ist. Er sei ohne jede Genehmigung ins Meer gebaut worden.

Am Wochenende verkündete Arkadi Rotenberg, ein Milliardär und Putin-Vertrauter, dass er das Objekt vor Jahren gekauft habe, um daraus ein Hotel zu machen. Putin und er kennen sich schon seit Kindertagen vom Judo. Rotenberg machte sein Vermögen unter anderem mit Wodka, der Vorbereitung von Olympia und dem Bau der Nord-Stream-Pipeline. Seit 2014 steht er auf der Sanktionsliste der EU. Von daher liegt der Verdacht nahe, dass Rotenberg seinem Freund Putin, auf den der öffentliche Druck nach dem Video und den Demonstrationen immer größer wird, vor allem aus der Patsche helfen soll. Der frühere Außenminister Schwedens, Carl Bildt, nannte Rotenberg daraufhin bei Twitter „Putins Korruptions-Kumpanen“ und meldete auf ironische Art Zweifel an der Darstellung an.

Mehr zum Thema: Trump, Putin, Erdoğan – die Paläste, die sich die drei Präsidenten mehr oder weniger privat zugelegt haben und immer noch bauen, können durchaus mit denen von Königen mithalten, wie exklusive Satellitenbilder zeigen.

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