WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen
Benachrichtigung aktivieren
Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Themen der WirtschaftsWoche informieren? Sie erhalten 1 bis 3 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft
Erlauben Sie www.wiwo.de, Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert
Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Themen der WirtschaftsWoche auf dem Laufenden. Sie erhalten 1 bis 3 Meldungen pro Tag.
Wiwo Web Push

Vietnam Das Zentrum der Zukunft

In Vietnam trifft sich die deutsche Wirtschaft und diskutiert über den Boom in Asien. Die Nachbarländer hoffen auf deutsche Investitionen.

Das sind die Märkte von morgen
Prag Quelle: AP
Budapest Quelle: dpa
Algier Quelle: dpa Picture-Alliance
Rabat Quelle: dpa Picture-Alliance
Mexiko-Stadt Quelle: dpa Picture-Alliance
Ankara Quelle: Ankara Views Peretz Partensky CC2.0 Generic License
Seoul Quelle: Patriot Missile at the English Language Wikipedia CC Share-Alike 3.0 Unported

Saigon, das heutige Ho Chi Minh City, muss einmal eine beschauliche Stadt gewesen sein. Neben dem im französischen Kolonial-Stil erbauten Bahnhof steht eine Kathedrale, um die sich kleine Cafés reihen. Davor verkaufen Straßenhändler frisches Obst. Von der kolonialen Gemütlichkeit ist heute nicht mehr viel übrig. Durch die Straßen brausen unzählige Motorräder. Bohrmaschinen rattern an, Bauarbeiter schreien gegen den Lärm an. Nur wenige Gehminuten vom alten Stadtzentrum entfernt steht der Bilexo-Tower am Ufer des Saigon River. Von dort blickt man auf die andere Seite des Flusses auf Brachland, von Kränen, Werbetafeln und Behausungen für Arbeiter eingerahmt. Auf der Halbinsel soll das neue Finanzzentrum von Ho Chi Minh City entstehen.

Im ehemaligen Saigon leben heute über sieben Millionen Menschen. Der Boom der Stadt ist ein Grund, weshalb die 14. asiatisch-pazifische Konferenz der deutschen Wirtschaft Ho-Chi-Minh-City als Austragungsort gewählt hat. Das Treffen von rund 700 Führungskräften der deutschen Wirtschaft und Politik findet alle zwei Jahre in Asien statt. Mit dabei ist auch Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel.

Doch Kuala Lumpur, Manila oder Singapur wären nicht weniger passend gewesen. Während Europa Krisenstimmung prägt, ist die Business-Community hier bester Laune. Asien boomt - Vietnams Wirtschaft legt im vergangenen Jahr um sechs Prozent zu. In den Nachbarstaaten mit Ausnahme des politisch gelähmten Thailand sieht es nicht anders aus. Die gesamte Region wächst im hohen einstelligen Prozentbereich. Zwar wird in China für die nächsten Jahre ein leichte Abschwächung von aktuell sieben auf sechs oder fünf Prozent erwartet. Vielen kleineren Volkswirtschaften südlich von China aber steht der Boom erst noch bevor.
"Asien wird das neue Wirtschaftszentrum der Welt werden", sagt Hubert Lienhard, Vorsitzender des Asien-Pazifik-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft, und Geschäftsführer des schwäbischen Anlagenbauers Voith. Die einzelnen Staaten unterscheiden sich teils erheblich in ihrer Struktur und in ihren Anforderungen für die deutsche Wirtschaft.

Vietnam

Die übergeordneten Trends aber sind identisch: Überall in der Region ziehen Leute vom Land in die Städte. Die Urbanisierung ist der große Wachstumstreiber der Region. China mit seinen über 100 Millionenstädten erwartet bis 2030 nochmals den Zuzug von 300 Millionen Bauern. Dieselben Prozesse finden in den südostasiatischen Ländern statt. Wer in der Stadt lebt, ist mobiler, hat mehr Zugang zu Ressourcen, Arbeit und Wissen. Die Produktivität steigt. Das generiert Wachstum und erfordert gleichzeitig Investitionen in die Infrastruktur. Besonders Verkehr ist ein Problem: In Ho-Chi-Minh-City befördern öffentliche Verkehrsmittel nur fünf Prozent der Menschen. Eine U-Bahn ist im Bau, die 2018 in Betrieb genommen werden soll.

Das Lohnniveau ist noch immer niedrig. In Vietnam kostet Arbeit etwas mehr über die Hälfte als in China. Trotzdem ist der neue Wohlstand spürbar: Eine neue Mittelschicht entsteht, die sich ersten kleinen Luxus leisten können. Die UN rechnet 2030 mit drei Milliarden Menschen, die in dieses Cluster fallen. Der Bedarf nach Konsumgütern steigt. Was das bedeuten kann, zeigt China am deutlichsten: Die deutschen Autohersteller vermelden zur Zeit im Monatstakt einen neuen Absatzrekord.

Wichtigste Handelspartner sind Japan und Südkorea

Ein anderer Megatrend ist der Gesundheitsmarkt: Mit steigenden Wohlstand sinkt die Geburtenrate, gleichzeitig werden die Menschen älter. Während Japans Gesellschaft bereits seit Jahren an der Überalterung leidet, steht China das demografische Problem erst noch bevor, das hier noch durch die 1980 eingeführte Ein-Kind-Politik verschärft wird. Die Gesellschaft wird älter und reicher: Zivilisationskrankheiten wie Diabetes nehmen zu. 2011 lagen die Gesamtausgaben in dem Sektor bei 357 Milliarden Dollar, 2020 sollen es eine Billion sein.

"Wir können es uns nicht leisten, diese Chancen in Asien zu verpassen", sagt Voith-Chef Hubert Lienhard. "Die deutsche Wirtschaft muss sich an die politische und ökonomische Machtverschiebung in Richtung Asien anpassen." Bisher nämlich haben deutsche Unternehmen die Region eher vernachlässigt. Auf den Straßen Ho Chi Minhs sieht man vor allem Autos der Marken Toyota und Kia fahren - deutsche Autos haben Seltenheitswert. Im Zentrum der Stadt reihen sich japanische Sushi-Restaurants and koreanische Grills.
Zwar liefert Siemens Gasturbinen für das Kraftwerk Nhon Tranch 2, und Automobilzulieferer Bosch, einer der größten deutschen Investoren in Vietnam, möchte seinen Umsatz von fünf Milliarden im nächsten Jahr um 20 Prozent steigern. Doch die wichtigsten Handelspartner Vietnams sind Japan und Südkorea. Deutschland ist nicht einmal unter den Top Ten der ausländischen Direktinvestoren vertreten. In den Nachbarländern wie Philippinen, Kambodscha und Thailand ist die Situation ähnlich. Noch schreckt viele Unternehmen die Diversität der Märkte ab. "Man muss sich gut überlegen, in welchem Land man was produzieren will", sagt Peter Tyroller, Geschäftsführer der Bosch GmbH. Der Automobilzulieferer fertigt in Vietnam Getriebe für hauptsächliche japanische Autobauer. Der gigantische Markt China ist für viele verlockender.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Dieses Element gibt es nicht mehr.

Doch die Region integriert sich zunehmend ökonomisch. Es laufen Verhandlungen über mehrere Freihandelsabkommen. Die zwei bedeutendsten sind die Transpazifische Partnerschaft (TPP), bestehend aus den USA und elf weiteren Staaten, und eine Regionale Wirtschaftspartnerschaft (RCEP) mit China und 15 Ländern der Region. So entstehen gigantische Wirtschaftsräume, in denen 60 Prozent der Weltbevölkerung leben. Sorge bereitet viele der kleinen südostasiatischen Staaten der stetig wachsende Einfluss China. Die Volksrepublik ist mit Japan, Vietnam und den Philippinen in Grenzstreitigkeiten verwickelt und tritt zunehmend aggressiver auf. Erst am Sonntag wurde bekannt, dass China auf den umstrittenen Spratly-Inseln eine Flugzeuglandebahn baut. Mit seinen 90 Millionen Einwohnern ist Vietnam nicht viel größer als eine chinesische Provinz.

Diesen Artikel teilen:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%