Vincent Chen im Interview "Zypern steht hoch im Kurs"

Wie ein privates Unternehmen reichen Chinesen dabei hilft, ihr Land zu verlassen.

Vincent Chen Quelle: Presse

WirtschaftsWoche: Herr Chen, in welche Länder wollen die meisten Ihrer Kunden auswandern?

Chen: Wir haben uns auf Kanada spezialisiert. In letzter Zeit ist das aber schwieriger geworden. Mittlerweile müssen Auswanderer mindestens 800.000 kanadische Dollar investieren und das Geld fünf Jahre zinsfrei der Regierung leihen, um emigrieren zu dürfen. Dafür aber ist Europa, besonders südeuropäische Länder, stark im Kommen. Vor allem Zypern steht gerade hoch im Kurs bei den Chinesen. Kunden aus Nordchina schätzen das milde Klima dort. Auch Portugal zieht gerade viele Kunden an.

Und wer sind Ihre Kunden?

In der Regel sind es Geschäftsleute um die 40 mit Kindern. In letzter Zeit werden die Kunden allerdings jünger. In China sind in den vergangenen Jahren auch viele junge Leute zu Geld gekommen. Im Schnitt organisieren wir für mehrere Hundert Familien im Jahr die Ausreise.

Ist das ein hart umkämpfter Markt?

Ja. Allein in Shanghai gibt es mehr als 50 entsprechende Agenturen. Die Regierung hat allerdings die Anforderungen für diese Geschäfte erhöht. Auch Werbung ist verboten.

Peking verschwindet unter Smogglocke
Millionen von Pekingern der Mittelschicht erfüllen sich den Traum vom eigenen Auto. Doch jetzt folgt das böse Erwachen: Die dichte Smogwolke über Peking hat in den Krankenhäusern der chinesischen Hauptstadt zu einem Anstieg von Atemwegserkrankungen geführt. Flaggenzeremonien und Sportstunden an Schulen wurden am Montag wegen der anhaltend hohen Feinstaubwerte nach innen verlegt Quelle: dpa
Nachdem die Werte am Wochenende mit 700 Mikrogramm pro Kubikmeter die Messskala gesprengt hatten, sanken sie am Montag wieder auf 245 Mikrogramm. Auch dieser Wert lag aber noch deutlich über den 25 Mikrogramm pro Kubikmeter, ab der laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine Gesundheitsgefährdung besteht. Quelle: dpa
Die Behörden verordneten eine Senkung der Emissionen in Fabriken, Baustellen wurden mit Wasser besprüht, um zu verhindern, dass Staub von dort den schädlichen Dunst, der seit Ende vergangener Woche über Peking hängt, noch weiter verschlimmert. Quelle: dpa
Angesichts des gesundheitsgefährdenden Smogs wächst in China die Wut auf die Behörden. Im Internet kritisierten viele Nutzer am Montag den ungebremsten Wachstumskurs der Regierung, bei dem auf Umweltaspekte zu wenig Rücksicht genommen werde. Quelle: dpa
Am Dienstag soll sich die Lage nach Angaben der Wetterbeobachtungsstelle von Peking wieder verbessern. Wissenschaftler machten die extreme Windstille für den dichten Smog verantwortlich, durch den die Sonne schon kaum mehr durchdringt. Quelle: dpa
Selbst die staatliche Zeitung „China Daily“, die als Sprachrohr der Kommunistischen Partei gilt, schrieb auf Seite eins: "Ein besseres China zu schaffen beginnt damit, dass man gesund atmen kann.“ Es müsse vermieden werden, dass es wegen des Urbanisierungsprozesses "der Umwelt immer schlechter und schlechter geht". Quelle: dpa
Laut der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua erreichte die Luftverschmutzung in Peking und anderen Städten am Wochenende Werte fast 40 Mal über dem von der Weltgesundheitsorganisation definierten Idealwert. Quelle: dpa

Warum wollen die Menschen raus aus China?

Es gibt eine ganze Reihe von Gründen. Viele möchten ihr Vermögen besser diversifizieren. Eltern geht es aber vielfach auch um die Ausbildung ihrer Kinder: Das Schulsystem in China ist sehr hart. Besonders vor den Abschlussprüfungen müssen Jugendliche 14 Stunden am Tag lernen. Gleichzeitig hat das Bildungssystem keinen besonders guten Ruf. Viele Eltern wollen deswegen ihre Kinder lieber auf ausländische Schulen schicken. Ein weiterer Grund ist die Lebensqualität in China: Ständig gibt es Skandale wegen verunreinigter Lebensmittel. Die Luftqualität ist extrem schlecht, besonders kleine Kinder leiden unter Atemwegserkrankungen.

Bleiben die Auswanderer dauerhaft im Ausland, oder kehren sie irgendwann wieder in ihre Heimat zurück?

Oft bringt ein Geschäftsmann seine Frau und die Kinder ins Ausland. Er selbst pendelt dann zwischen der neuen Heimat und China, um seine Geschäfte weiterzuführen.

In Arbeit
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Chinesen dürfen im Jahr nicht mehr als umgerechnet 40.000 Euro ausführen. Wie können die Leute überhaupt sechsstellige Summen ins Ausland schaffen?

Oft legen einfach mehrere Familienmitglieder zusammen. Wenn Onkel, Tanten und Cousins zusammenlegen, dann reicht das oft. Andere haben Geschäftspartner im Ausland, die finanziell aushelfen.

Warum ist das Thema Auswanderung für viele Chinesen so sensibel?

Ich glaube, es hat etwas mit einer nationalistischen Grundstimmung zu tun. Als zum Beispiel bekannt wurde, dass die Milliardärin Zhang Lan einen Pass von den Cayman Islands gekauft hatte, gab es viele negative Schlagzeilen. Davor haben viele Chinesen Angst.

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