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Volksrepublik China Chinas Ringen um mehr Konsum

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Ein Arbeiter bei Honda Lock. Quelle: REUTERS

Auch die jüngsten Konjunkturdaten dürften die kommunistischen Machthaber nicht von ihrem Kurs abbringen. Die Analysten der Deutschen Bank in Hongkong gehen davon aus, der Zuwachs der Industrieproduktion werde im dritten Quartal nur noch bei 13 Prozent nach 19,6 Prozent im ersten Quartal liegen. Ursache der Verlangsamung, die prompt zu einem Einbruch des chinesischen Aktienmarktes führte, ist die Anfang des Jahres eingeleitete Verknappung der Kreditvergabe. Aus der Bahn geworfen wird Chinas Wirtschaft dadurch allerdings nicht. Die Deutsche-Bank-Analysten rechnen für das dritte Quartal mit einem Wirtschaftswachstum von 8,8 Prozent. Das entspricht in etwa dem von Premierminister Wen Jiabao ausgegebenen Ziel.

Peking ist es offenbar ernst mit seinem Vorhaben, die Wirtschaft auf eine solidere Grundlage zu stellen. So macht sich die Regierung auch daran, in den ländlichen Regionen tragfähige Sozialversicherungen aufzubauen. Jüngstes Zeichen für Chinas Kurs der Erneuerung ist auch die Ankündigung der Zentralbank, den Wechselkurs des chinesischen Yuan zu flexibilisieren. Experten entwerfen bereits Szenarien, wohin Pekings neue Politik führen könnte. Eine Studie der Beratungsgesellschaft McKinsey geht davon aus, dass China den Konsum pro Kopf bis 2025 um 50 Prozent steigern könnte. Dann würde der Anteil des privaten Verbrauchs am Bruttoinlandsprodukt im selben Zeitraum auf 50 Prozent klettern – wie zu Beginn der Achtzigerjahre.

Preise werden steigen

Chinas Umsteuern könnte für die westlichen Länder auch unangenehme Folgen haben. Andy Xie, früherer Asien-Chefökonom bei Morgan Stanley, etwa glaubt, dass die Preise für Produkte made in China in den kommenden Jahren steigen werden. Da die Fabriken ihre Produktivität nicht in dem Maße steigern können, wie die Löhne klettern, sei eine Verteuerung der Produkte unausweichlich. Mittelfristig könnte dies Chinas gewaltige Überschüsse im Handel mit Europa und den USA allmählich verringern.

Gleichzeitig werden Unternehmen und Staat verstärkt in F+E investieren. Nur so kann China Industrien mit höherer Wertschöpfung schaffen. Deutsche-Bank-Ökonom Ma ist optimistisch, dass China der Sprung gelingen könnte. „Mittelfristig sind die Aussichten für Branchen wie Schiffbau, Telekommunikation, Medizintechnik und Baumaschinen sowie den Bereich neue Energien positiv“, sagt Ma. Die Folge: Der Westen wird sich auf wachsende Konkurrenz aus China bei höherwertigen Produkten einstellen müssen. Bei Windkraftanlagen, Pkws und Hochgeschwindigkeitszügen erzielen die Chinesen bereits Erfolge im Ausland.

Doch die jüngsten Streiks haben auch Folgen für das soziale Gefüge. Immer mehr Arbeiter denken über die Rolle der Gewerkschaften nach. „Es kann doch nicht sein, dass der Geschäftsführer bei Honda Lock gleichzeitig Repräsentant der Gewerkschaft ist“, klagt der Arbeiter Liu. Doch unabhängige Gewerkschaften gibt es nicht, sie unterstehen allesamt der Kommunistischen Partei. Liu schlägt darum vor, jede Abteilung eines Unternehmens solle aus ihren Reihen einen Vertreter wählen.

Unterstützung bekommt Liu von Fachleuten wie Chang Kai, Experte für Arbeitsbeziehungen an der Renmin-Universität in Peking. Bei den jüngsten Streiks hätten die Gewerkschaften eine unrühmliche Rolle gespielt, meint Chang, und viel Vertrauen bei den Arbeitnehmern verspielt.

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