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Vor dem EU-Afrika-Gipfel Warum Bildung für Afrika so wichtig ist

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Kann Südkorea ein Vorbild sein?

Als Vorbild nennen Klingholz und Kollegen Südkorea, das nach dem Bürgerkrieg 1953 ärmer als manche afrikanischen Länder war. „Die südkoreanische Regierung investierte gezielt in Bildung und Familienplanungsprogramme und erreichte auf diesem Wege, dass die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau binnen 30 Jahren von 6,3 auf 1,6 sank. Ausländische Investoren schufen zudem Tausende von Arbeitsplätzen in der Massenfertigung und sorgten so dafür, dass die vielen, halbwegs gut gebildeten Erwerbsfähigen bezahlte Arbeit fanden. Mit steigendem Wohlstand investierten Eltern und Staat wiederum mehr in die Bildung der kleiner werdenden Nachwuchsjahrgänge. Diese konnten dann Schritt für Schritt in produktivere Industriebereiche mit höherer Wertschöpfung aufsteigen.“  Selbst Länder wie Bangladesch, Vietnam oder Kambodscha, die allesamt schlechtere Startbedingungen hatten als viele afrikanische Staaten heute, haben so einen Ausweg aus dem Kreislauf von hohem Bevölkerungswachstum, Armut und Perspektivlosigkeit gefunden.

Die Sahel-Staaten zeigten sich allerdings, so Klingholz, zunehmend überfordert, aus eigener Kraft der wachsenden Zahl ihrer Kinder einen Schulplatz zu garantieren „geschweige denn für ein Mindestmaß an Qualität zu sorgen“. Das Berlin-Institut vermutet ein „Effizienzproblem im Bildungssektor, denn die staatlichen Ausgaben für Bildung sind in den meisten Sahelländern vergleichsweise hoch“.

Bis auf Mauretanien und Tschad erfüllen sie die Empfehlungen der Vereinten Nationen, vier bis sechs Prozent des BIP in Bildung zu investieren. Daher empfiehlt Klingholz nicht nur eine Steigerung des Anteils der Ausgaben für Bildungszwecke an den Gesamtausgaben Deutschlands und anderer Industriestaaten für Entwicklung. Von den insgesamt 8,3 Milliarden US-Dollar an Entwicklungshilfe für die Sahelregion kamen nur sechs Prozent Bildungszwecken zugute.

Ausgaben für Bildung nahmen im Budget der deutschen Entwicklungszusammenarbeit 2015 mit etwa zwölf Prozent den drittgrößten Posten ein. Weit hinter den Ausgaben für die Versorgung von Flüchtlingen in Deutschland und Investitionen im Bereich Finanzdienstleistungen und Geschäftsunterstützung. Etwa die Hälfte der Bildungsausgaben entfiel auf die Förderung ausländischer Studierender, die meist an deutschen Universitäten eingeschrieben sind.

Es sei zu betonen, so die Studie, „dass Migration keine Lösung für strukturelle Entwicklungshemmnisse darstellt – schon gar nicht irreguläre Migration ohne Bleibeperspektive. Nur eine bessere Bildung der jungen Bevölkerung birgt Chancen für die Entsendestaaten, die Empfängerländer sowie die Migranten selbst.“ Denn nur wenn Menschen aus Afrika auf Grund ihrer Fähigkeiten und auf legalem Wege einen Arbeitsplatz im Ausland fänden, könnten sie durch Rücküberweisungen und Wissenstransfer zum Fortschritt ihrer Heimatländer beitragen.

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