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Vor der Wahl in Russland Putin stellt neues Atomwaffen-Arsenal vor

Russlands Präsident Wladimir Putin Quelle: AP

Im Dauerstreit mit den USA legt Putin vor: Russland hat angeblich neuartige Atomwaffen entwickelt. Medienwirksam präsentiert Putin sie bei seiner Jahresrede zwei Wochen vor der Präsidentenwahl.

Der russische Präsident Wladimir Putin hat bei seiner Rede an die Nation eine Serie neuer, angeblich nicht abfangbarer Nuklearwaffen vorgestellt. Er nannte die schwere Interkontinentalrakete „Sarmat“, die Hyperschallrakete „Kinschal“ (Dolch), einen atombetriebenen Marschflugkörper und einen neuartigen Torpedo.

Das sei eine Reaktion auf die US-Raketenabwehr, sagte er bei dem Auftritt in Moskau gut zwei Wochen vor der russischen Präsidentenwahl. „Es geht um neue strategische Raketensysteme Russlands, die wir entwickelt haben als Reaktion auf den einseitigen Ausstieg der USA aus dem Vertrag über Raketenabwehr und die De-facto-Stationierung solcher Systeme auf dem Gebiet der USA und außerhalb der US-Grenzen“, sagte Putin.

Keine dieser neuen russischen Waffen könne mit bislang verfügbaren Mitteln abgefangen werden. Einige seien bereits in Dienst. Der Besitz von Hyperschallwaffen bringe deutliche Vorteile im bewaffneten Kampf. Für heutige Raketenabwehrsysteme könnten sie bald unverwundbar sein, weil sie einfach schneller seien, sagte Putin.

Putin stellt neues Atomwaffen-Arsenal vor

Der deutsche Raketenexperte Robert Schmucker hält die Atomwaffenpläne des russischen Präsidenten Wladimir Putin indes für völlig unglaubwürdig. Russland werde auf Dauer keine atomgetriebenen Marschflugkörper entwickeln können, sagte der Professor für Raumfahrttechnik an der TU München der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag. „Das Ding wird zu schwer. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die einen kleinen fliegenden Kernreaktor machen können.“

Die Forschung habe die Frage bereits vor Jahrzehnten untersucht, sagte Schmucker. Der Vorteil atomgetriebener Marschflugkörper wäre die lange Betriebszeit. Die Idee dahinter: Ein Reaktor an der Rakete produziert so viel Energie, dass der Marschflugkörper mit sehr hoher Geschwindigkeit sehr lange feindliches Radar unterfliegen und jedes Ziel auf der Welt erreichen kann. Eine Abwehr wäre deshalb schwierig. „Die könnten tagelang fliegen“, sagte Schmucker. Aber in den 1960er Jahren sei auch die Idee nukleargetriebener Autos aufgekommen.

Schmucker hält Putins Pläne für politische Kraftmeierei. Auch die Ankündigung einer Hyperschallwaffe sei ein Hirngespinst, sagte er. Immer wieder gebe es Berichte, wonach Russland und China auf dem Gebiet große Fortschritte machten. Diese seien aber nicht glaubwürdig. „Hyperschall ist die Lücke“, sagt Schmucker. „Das ist eines der Fleckchen, wo wir noch keine Waffen haben.“ Die enormen Geschwindigkeiten führen zu einer extremen Belastung des Materials. Außerdem wären Tests unglaublich teuer. Hyperschallgeschwindigkeit bezeichnet die mindestens fünffache Schallgeschwindigkeit.

Neben der Serie nicht abfangbarer Nuklearwaffen kündigte Kremlchef Putin in seiner Rede an die Nation zudem hohe Mehrausgaben für Soziales und Politik an. Derzeit seien 20 Millionen Menschen im Land arm. Die Zahl solle in der nächsten Wahlperiode von sechs Jahren halbiert werden. Messlatte der Politik müsse das Wohlergehen der Bürger sein. „Da müssen wir in den nächsten Jahren einen Durchbruch erzielen“, sagte Putin. Auch für Familien und Kinderbetreuung, für Wohnraumbau, für Stadt- und Regionalentwicklung und Straßenbau solle mehr ausgegeben werden.

Bis Mitte des nächsten Jahrzehnts wolle Russland unter die fünf größten Volkswirtschaften aufrücken. Dafür müsse das Pro-Kopf-Einkommen um die Hälfte steigen.

Am 18. März will sich Putin das Mandat für eine vierte Amtszeit als Präsident holen. „Um voranzukommen, müssen wir den Raum der Freiheit in allen Bereichen ausweiten“, sagte er. Die demokratischen Institutionen, die Zivilgesellschaft und unter anderem die Gerichte müssten gestärkt werden. Dies steht allerdings im Gegensatz zu vielen Schritten der vergangenen Jahre, die Freiheiten und demokratische Grundrechte in Russland eingeschränkt haben.

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