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Vorfall in Syrien Israel und USA machen Iran nach Kampfjet-Abschuss Vorwürfe

Der Konflikt zwischen Israel und Iran spitzt sich nach dem Abschuss eines israelischen Kampfjets über Syrien zu.

UN-Generalsekretär Antonio Guterres rief alle Parteien zu einer „sofortigen und bedingungslosen Deeskalation der Gewalt“ auf. Quelle: dpa

Tel Aviv/Jerusalem/WashingtonNach dem Abschuss eines israelischen Kampfflugzeugs durch die syrische Luftabwehr will Israels Sicherheitskabinett am Sonntag tagen. Die Minister wollten über das weitere Vorgehen nach der jüngsten Eskalation beraten, berichtete das israelische Fernsehen.

In der Nacht zum Sonntag blieb die Lage ruhig, es kam vorerst zu keinen neuen Angriffen. Im Norden Israels sollten die Kinder regulär zur Schule gehen.

Am Samstag hatte die syrische Luftabwehr in der Nähe der Grenze zu Israel ein israelisches Kampfflugzeug abgeschossen. Israels Luftwaffe flog in mehreren Wellen Angriffe in Syrien und bombardierte nach eigener Darstellung „iranische Ziele“ und die Luftabwehr. Beschossen wurde syrischen Angaben zufolge unter anderem der strategisch wichtige Militärflughafen T4 im Zentrum des Bürgerkriegslandes. Er gilt als Stützpunkt der Armee und ihrer Verbündeten, die eng mit dem schiitischen Iran verbunden sind.

Mit dem jüngsten Angriff auf iranische Stellungen in Syrien hat Israel dem Iran nach Ansicht von Geheimdienstminister Israel Katz die klare Botschaft gesendet, dass der jüdische Staat keine iranische Militärpräsenz vor seiner Haustür dulden werde. Die Iraner bräuchten Zeit, um zu „verdauen, zu verstehen und zu fragen, wie Israel diese Stellungen zu treffen wusste“, sagte Katz am Sonntag.

Israel hatte nach eigenen Angaben mit der Welle von Luftangriffen in Syrien auf das Eindringen einer iranischen Drohne in sein Gebiet reagiert, die abgeschossen worden sei. Israel veröffentlichte ein entsprechendes Video, der Iran dementiert jedoch, eine solche Drohne eingesetzt zu haben.

Nach dem Abschuss des israelischen Kampfflugzeugs betonte Washington Israels Recht zur Selbstverteidigung. Die Vereinigten Staaten seien zutiefst besorgt über „die heutige Eskalation der Gewalt über die israelische Grenze“, sagte die Sprecherin des US-Außenministeriums Heather Nauert am Samstag. Die US-Regierung unterstütze „Israels souveränes Recht auf Selbstverteidigung“.

Die „kalkulierte Eskalation der Bedrohung“ durch den Iran und das Bestreben des Landes, seine Macht zu zeigen, gefährde alle Menschen der Region – „vom Jemen bis zum Libanon“, so Nauert. Die USA würden weiterhin gegen die Gesamtheit der böswilligen Aktivitäten des Irans in der Region vorgehen. Washington fordere den Iran auf, Verhaltensweisen einzustellen, die Frieden und Stabilität in der Region bedrohten.


Erster Vorfall dieser Art seit fast 36 Jahren

UN-Generalsekretär Antonio Guterres rief alle Parteien zu einer „sofortigen und bedingungslosen Deeskalation der Gewalt“ auf. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu warnte vor einer neuen Eskalation. Sein Land strebe nach Frieden, werde sich aber gegen jeden Angriff und jeden Versuch verteidigen, seine Souveränität zu verletzen.

Der Abschuss des Kampfflugzeugs durch die syrische Luftabwehr ist der erste Vorfall dieser Art seit fast 36 Jahren. Zuletzt sei am 6. Juni 1982 am ersten Tag des Libanonkriegs ein israelischer Kampfjet des Typs Skyhawk über dem Süden des Libanons abgeschossen worden, berichteten israelische Medien am Sonntag.

Bei dem Vorfall 1982 wurde der israelische Pilot von der Palästinenserorganisation PLO gefangen genommen, die damals ihr Hauptquartier in Beirut hatte. Er wurde später im Rahmen eines Gefangenenaustauschs freigelassen, die PLO musste aus Beirut abziehen und ließ sich anschließend in Tunis nieder.

1986 stürzte ein israelisches Kampfflugzeug wegen eines technischen Fehlers während eines Angriffs im Libanon ab. Die beiden Piloten retteten sich mit Schleudersitz. Einer wurde von der israelischen Luftwaffe geborgen, der Navigator Ron Arad wurde gefangen genommen, sein genaues Schicksal ist bis heute ungeklärt.

Ein israelischer Kampfhubschrauber wurde 2006 während des zweiten Libanonkriegs von Kämpfern der Hisbollah-Miliz abgeschossen, fünf Besatzungsmitglieder kamen dabei ums Leben.

Den härtesten Schlag musste Israels Luftwaffe jedoch während des Jom-Kippur-Kriegs 1973 hinnehmen. Sie habe damals 102 von insgesamt 383 Kampfflugzeugen verloren, berichtete die Nachrichtenseite „ynet“. 53 israelische Piloten seien damals getötet worden und 44 in Gefangenschaft geraten.

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