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Wähler-Analyse Clinton-Wahlkreise bisher die größten Profiteure von Trumps Job-Boom

Eine Erhebung zeigt: US-Demokraten profitieren mehr als Republikaner. Gerade in Großstädten mit Großunternehmen kommt der Wirtschaftsaufschwung an.

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US-Wirtschaft: Clinton-Hochburgen profitieren mehr vom Job-Boom Quelle: dpa

Monaca Die USA sind voller Regionen wie Beaver County. Orte, um die die anziehende Wirtschaft einen Bogen zu machen scheint. Vielfach sind es Gegenden, die dafür sorgten, dass es der Republikaner Donald Trump ins Weiße Haus schaffte. Von dem Aufschwung, den der US-Präsident sich nun auf die Fahnen schreibt, profitieren sie unterm Strich aber weniger als die Hochburgen der Demokraten.

Rund 2,6 Millionen neuer Jobs können die Vereinigten Staaten in diesem Jahr erwarten. Von den Arbeitsplätzen, die in den zwölf Monaten bis Ende Mai geschaffen wurden, entfielen nach AP-Analysen jeden Monat durchschnittlich fast 60 Prozent auf Kreise, die bei den Präsidentschaftswahlen 2016 Trumps demokratische Rivalin Hillary Clinton unterstützten.

Eine auffallend hohe Zahl an Trump-Gegenden muss hingegen eine schwindende Zahl an Arbeitsplätzen hinnehmen. Im zurückliegenden Jahr waren den Daten zufolge 35,4 Prozent von ihnen betroffen, bei den Clinton-Regionen waren es 19,2 Prozent. Während Unternehmenshochburgen wie Houston, San Francisco oder Seattle abstauben, geht der Wohlstand in kleinen Städten im Binnenland zurück - im Gegensatz zu dem erklärten Ziel Trumps, Jobs für die Mittel- und Arbeiterklasse fernab der städtischen Zentren zu schaffen.

In Beaver County nordwestlich von Pittsburgh im Staat Pennsylvania ist die Zahl der Arbeitsplätze zuletzt weiter gesunken, aber selbst wenn es, wie jetzt im Sommer, neue Beschäftigungsmöglichkeiten gäbe, fehlen die Bewerber dafür. Die Bevölkerung in den einstigen Stahlstädten der Region wird weniger, junge Menschen suchen anderswo nach Arbeit. Auch Steuersenkungen Trumps können dem nicht viel entgegenhalten.

Die größten Zugewinne an Arbeitsplätzen vermeldeten im vergangenen Jahr Regionen, in denen dynamische Städte wie Houston, Dallas, Los Angeles, Las Vegas oder Seattle liegen. Allesamt sind Gegenden, in denen die Demokraten besser abschnitten. In Texas, wo Trump klar die Wahl für sich entschied, zeigt sich eine Teilung: Hier haben die Jobs vor allem in Kreisen zugenommen, die Clinton gewann.

Der Unterstützung Trumps scheint das ausbleibende Job-Wunder auf dem Land in seiner Wählerschaft bislang keinen Abbruch zu tun. Umgekehrt bringt ihm die gute Lage in demokratischen Regionen aber auch dort kaum neue Sympathien ein. Andere Themen sind den Wählern derzeit offenbar wichtiger.

Als Meinungsforscher des Pew-Zentrums im Juni die Wähler fragten, was der Nation besonders am Herzen liege, kamen vor allem die Antworten Einwanderung, Rassenfrage, politischer Stillstand. Auch Trump selbst beschäftigt die Menschen mehr als die Wirtschaft. Fast zwei Drittel der Befragten gaben an, die Zwischenwahlen im November als Möglichkeit zu sehen, ihre Unterstützung oder Ablehnung des Präsidenten deutlich zu machen. Der Anteil derer, die der Wirtschaft höchste Priorität einräumten, fiel auf den niedrigsten Stand seit mehr als acht Jahren.

Immer wieder verweisen Anhänger Trumps auch darauf, dass ihnen das Recht auf Schusswaffen wichtig ist. Er und seine Parteikollegen hielten an ihrem klaren Nein gegen Waffenkontrolle fest, betont etwa Chip Kohser in Beaver County. Der 41-Jährige ist dort Parteichef der Republikaner. „Unser Motivationsfaktor Nr. 1“, erklärt er mit Blick auf die Regelung des Waffenrechts in der Verfassung, „ist die Frage um den Zweiten Zusatzartikel.“

Was die Jobs in Beaver County anbelangt, schieben Unternehmer die Verantwortung auch der überalterten Bevölkerung zu. Wenn es ein größeres Angebot an Arbeitern gäbe, könnten auch mehr Arbeitsplätze geschaffen werden, heißt es. Denn die Region bietet Chancen dank Erdgas und dessen Verarbeitung.

Der republikanische Abgeordnete Keith Rothfus sieht dabei das Anwerben von ausländischen Arbeitern als Ausweg aus der Sackgasse. „Wir müssen mehr machen, um Migranten anzulocken“, sagt er. Zugleich tritt er aber für strenge Grenzsicherung ein und stellte sich kürzlich auch hinter einen Gesetzesentwurf, der vermutlich die legale Zuwanderung eingeschränkt hätte.

Insgesamt glaubt der Parlamentarier, dass auch in Beaver County die Wirtschaft ein entscheidender Faktor für das Wählervotum im November ist. Dabei setzt er auf die Trump'schen Steuersenkungen und weniger Reglementierungen als Rückenwind für seinen Wahlkampf. Unterdessen aber wartet Beaver County weiter auf neue Jobs.

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