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Währungen Yuan ist bereit zum Wachwechsel

Der chinesische Yuan ist gegenüber dem Dollar unterbewertet und könnte sich zur Welt-Leitwährung aufschwingen.

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Weltwährung Yuan

Der Dollar ist nicht nur die Währung der USA, sondern der ganzen Welt: drei von vier US-Dollar sind außerhalb der USA im Umlauf. Öl, Kupfer und fast alle übrigen Rohstoffe werden in Dollar gehandelt. Die Tresorräume der Banken und Staaten weltweit sind mit Dollar gefüllt: 60 Prozent der globalen Devisenreserven lauten auf Dollar; 27 Prozent der weltweiten Fremdwährungsbestände sind Euro, nur vier Prozent sind japanische Yen.

China wittert seine Chance

Doch seit der Dollar immer weiter abwertet und der Euro zu implodieren droht, wittert China eine Chance, seine eigene Währung als globale Handels- und Investitionswährung sowie als Wertanlage zu etablieren. Noch unterliegt der Yuan (auch Renmimbi) strengen Tausch-Regularien und ist nicht frei in andere Währungen konvertierbar. Das ist ein großes Hindernis auf dem Weg zur globalen Reservewährung, aber kein unumstößliches.

Schon seit mehreren Jahren sind die Chinesen darum bemüht, den Umlauf des Yuan außerhalb Chinas zu erhöhen und ihre Handelspartner von den Vorteilen des Yuan als Abrechnungswährung zu überzeugen. Auch arbeiten die Chinesen am Aufbau eines Marktes für Yuan-denominierte Schuldpapiere.

Erste Anleihen auf Yuan-Basis

Im vergangenen Jahr debütierten die internationalen Konzerne McDonald’s, Caterpillar und Unilever mit auf Yuan lautenden Emissionen am Anleihemarkt in Hongkong. Und das war nur der Anfang. Wenn alles nach Plan läuft, könnte der Yuan bereits 2015, spätestens aber bis 2020, zu einer der drei global akzeptierten Reservewährungen werden. Bis 2020 soll sich Shanghai als globales Finanzzentrum etablieren, das mit New York und London voll konkurrenzfähig ist.

Yuan: Von der Nebenrolle zum Hauptdarsteller

Dollar Yuan Quelle: REUTERS

Eine allerdings gewaltige Herausforderung: Solange Peking seine Kapitalverkehrskontrollen nicht lockert, kann der Yuan keine glaubwürdige Währung auf dem Weltmarkt werden. Eine zu rasche Aufwertung der Währung würde die Wettbewerbsfähigkeit der chinesischen Exportindustrie gefährden. Langfristig liegt eine Internationalisierung des Yuan aber im Einklang mit den chinesischen Entwicklungsplänen.

Lösung für Chinas Inflation

Eine Liberalisierung und Aufwertung des Yuan würde der chinesischen Regierung helfen, eines ihrer drängendsten Probleme zu lösen: die Inflation. „Die vergangenen drei Jahre haben die Chinesen überzeugt, dass ein nur auf westlichen Konsum basiertes Wachstumsmodell nicht nachhaltig ist“, sagt Stephen Roach, Volkswirt von Morgan Stanley. „Daraus ergibt sich aber zwingend, dass der Yuan langsam aufwerten muss.“ Seit 2005, seit China den Yuan in einem festgelegten Rahmen schwanken lässt, hat er gegenüber dem Dollar um 30 Prozent zugelegt. Laut mehrheitlicher Expertenmeinung ist er aber noch immer zu 30 Prozent unterbewertet.

China ist mit 1,34 Milliarden Einwohnern das bevölkerungsreichste Land der Erde; es erzeugt das zweitgrößte Handelsvolumen. Die chinesischen Devisenreserven erreichten im Sommer 3,2 Billionen Dollar. Bis 2015 könnte ein Drittel aller US-Anleihen in chinesischer Hand sein. Schätzungen zufolge wird das chinesische Bruttoinlandsprodukt das amerikanische bis 2028 überholen. Trotzdem spielt die chinesische Währung auf der internationalen Bühne eine Nebenrolle.

Chinas Regierung wird selbstbewusster

Doch das wird sich ändern. China zeigt sich zunehmend besorgt über die Verschuldung der USA, ganz zu schweigen von den absurden Debatten um Ausgabenkürzungen und die Anhebung der Schuldenobergrenze. Der Dollar konnte seinen Status als globale Reservewährung in den vergangenen Jahren „weniger dank seiner Qualität als wegen seiner Liquidität retten“, meint Axel Merk vom Devisenfonds Merk Funds.

Anleger, Banken und Regierungen zeigen eine höhere Bereitschaft, in Währungen und Anleihen zu investieren, die liquide sind. Außerdem können Staaten mit international stark gehandelter Währung Geld drucken und sich so eine Vielzahl von Investitionen mit Schuldpapieren finanzieren. Und wer den Außenhandel in der eigenen Währung abwickeln kann, umgeht nicht nur die mit Währungsschwankungen verbundenen Risiken, sondern schafft auch eine stärkere Verhandlungsposition für die eigenen Unternehmen.

Gute Beziehungen zu China empfohlen

Im Gegensatz zu Japan, der Schweiz und Großbritannien ist China ein großes wirtschaftliches und finanzielles Gegengewicht zu Euro-Land und den USA. Die Handelstätigkeit Chinas konzentriert sich zunehmend auf die anderen Schwellenländer, aber die Geschäfte werden weder in Yuan noch in den Währungen der Länder abgewickelt, sondern in Dollar. Das ändert sich aber schon. Kleinere Länder haben allen Grund, sich mit dem dominanten Handelspartner gut zu stellen und einen Teil ihrer Reserven in Yuan anzulegen.

Dollar-Krise stärkt Yuan

Hongkong wird derzeit als Yuan-Handelszentrum ausgetetstet. Laut Hongkonger Währungsbehörde stiegen die Yuan-Einlagen im Jahresabstand bis Juni 2011 von 100 Milliarden auf nahezu 600 Milliarden Yuan (umgerechnet rund 70 Milliarden Euro). Quelle: dpa

Neuerdings gestattet Peking ausländischen Zentralbanken, Yuan-Reserven zu halten. Den Anfang machte die malaysische Zentralbank. China hat auch mit Singapur und Korea, Argentinien, Weißrussland und Island Währungs-Swaps geschlossen, um den Außenhandel und die Investitionen anzukurbeln. Im vergangenen Sommer lockerte das chinesische Handelsministerium die Bestimmungen für ausländische Direktinvestitionen in die chinesische Landeswährung. Ein weiterer Liberalisierungsschritt stärkte das Import- und Exportgeschäft; Importe nach China können nun von allen chinesischen Unternehmen in Yuan bezahlt werden. Zugelassene chinesische Exporteure – über 67 000 nach jüngsten Erhebungen – dürfen Exporte aus China in Yuan fakturieren.

Yuan-Labor Hongkong

In einem kontrollierten Feldversuch wird derzeit Hongkong als Yuan-Handelszentrum außerhalb des chinesischen Festlands etabliert. Laut Angabe der Hongkonger Währungsbehörde stiegen die Yuan-Einlagen im Jahresabstand bis Juni 2011 von 100 Milliarden auf nahezu 600 Milliarden Yuan (umgerechnet rund 70 Milliarden Euro). Auch als Markt für Offshore-Yuan-Anleihen wird Hongkong von Peking kräftig forciert. Die in Hongkong begebenen Papiere tragen den Spitznamen Dim-Sum-Anleihen – nach den südchinesischen Essenshäppchen.

Die erste derartige Anleihe wurde 2007 von der China Development Bank begeben. Inzwischen haben McDonald’s, Caterpillar, Unilever, Volkswagen, UBS sowie die Weltbank ebenfalls Yuan-Anleihen in Hongkong emittiert. Der Markt ist klein, wächst aber rapide. Er ist allein in den letzten zehn Monaten von 55,8 Milliarden auf 135 Milliarden Yuan beziehungsweise von 18 auf 84 Emittenten angewachsen. Anbieter wie Guggenheim, PowerShares und Van Eck haben die Chancen rasch erkannt und die entsprechenden börsengehandelten Fonds (ETFs) aufgelegt.

Je mehr Dollar-Probleme, desto besser für den Yuan

Was könnte die Liberalisierung der chinesischen Währung beschleunigen? „Weitere Episoden wie das Fiasko um die Anhebung der Schuldenobergrenze in den USA würden das Vertrauen der Welt in den amerikanischen Staatshaushalt erschüttern und Finanzmarktakteure nach Alternativen suchen lassen“, sagt Barry Eichengreen, Professor für Wirtschafts- und Politikwissenschaften an der University of California, Berkeley.

Auf lange Sicht ist die Richtung klar: Der Anteil des Dollar an den globalen Devisenreserven ist seit 2008 jährlich um rund einen Prozentpunkt gefallen. Der anhaltende Wertverfall wird die bereits reduzierte Kaufkraft des Dollar weiter schwächen. Importe – von deutschen Autos über französischen Käse bis zu koreanischen Computern – werden für US-Konsumenten somit immer teurer.

Harte Zeiten für die USA

Dazu sagt Eichengreen: „Bisher konnte die US-Regierung das Defizit günstig finanzieren, weil wir Unmengen an Staatsanleihen verkaufen konnten. Aber sobald das Ausland diese nicht mehr kauft, wird es vorbei sein mit dem billigen Geld.“ Die USA, meint er, könnten dann gezwungen sein, mehr zu sparen, um ihr Wachstum selbst zu finanzieren: „Wir können uns nicht mehr darauf verlassen, dass uns Ausländer Geld zu niedrigen Zinsen leihen.“

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