WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Währungsfonds IWF-Tagung im Schatten der Eurokrise

Dass sie Tacheles redet, dafür ist Christine Lagarde bekannt. Die Chefin des Internationalen Währungsfonds beklagt die schleppende Bankenreform in Europa, fordert neue Stresstests für die Finanzinstitute und warnt bereits vor einer neuen Krise. Auf der Frühjahrstagung des IWF muss Lagarde allerdings selbst mit Kritik rechnen.

Dass sie Tacheles redet, dafür ist Christine Lagarde bekannt. Auf der Frühjahrstagung des IWF muss Lagarde allerdings selbst mit Kritik rechnen. Quelle: dpa

Inflationsgefahr? Christine Lagarde winkt ab. Charmant lächelnd verweist die Direktorin des Internationalen Währungsfonds auf die jüngste Studie ihrer Experten mit dem schönen Titel: "Der Hund, der nicht bellt"

Um das viele billige Geld, welches die Notenbanken weltweit in den Markt pumpten, darum bestünde derzeit kein Grund zur Sorge - im Gegenteil. Sie sorge sich eher um ein mögliches Ende der lockeren Geldpolitik. Eine zu früh beendete Niedrigzinspolitik könne eine neue Rezession einläuten, vor allem in den Schwellenländern, in die viel Kapital geflossen sein.

Wenn das Geld nichts mehr wert ist
Staatskrisen und politischer WilleDer Tausch einer Währung kann viele Gründe haben. In Deutschland waren es politische, wie beim der Einführung des Euro. Aber auch Inflation wie bei der Einführung der Rentenmark mit drohendem Staatsbankrott könne Gründe für einen Währungswechsel sein. Auch nach Kriegen werden die Geldsorten gewechselt, in Deutschland etwa im Jahre 1948.  Foto: Peter Hintze, ehemaliger CDU-Bundesgeschaeftsfü hrer, stellt ein Plakat zur Euroeinführung vor. Quelle: AP
Staatliche WechselstubeDie Auswirkungen sind enorm und Währungswechsel kommen sehr häufig vor. So erlebte etwa ein Deutscher, der im Jahr 1921 in Leipzig geboren wurde, sechs Währungen. Im Durchschnitt wechselte bei ihm die Währung alle 15 Jahre. Handelsblatt Online zeigt auf den nächsten Seiten die wichtigsten Währungsreformen in Deutschland. Quelle: dpa
1871 bis 1873Nach der Gründung des deutschen Reichs aus zahlreichen souveränen Einzelstaaten sollte auch eine einheitliche Währung her. Im Laufe der Jahre tauschten die Deutschen ihre Taler, Gulden und Kreuzer in Mark. Als letztes Land führte Bayern die Mark ein. Quelle: WirtschaftsWoche
1923 bis 1925 Die Hyperinflation in der Weimarer Republik besiegelte das Schicksal der Mark. Wegen des Weltkrieges hatte die Währung bereits mehr als die Hälfte an Kaufkraft verloren. In den Folgejahren verlor die Währung- auch wegen Kriegskosten und Reparationsleistungen drastisch an Wert. Quelle: Handelsblatt Online
ReichsmarkIn der Folge wurde die Mark auf die Renten- und später Reichsmark umgestellt. Der Wechselkurs betrug eine Billion Mark zu einer Reichsmark. Auch wenn die Reichsmark als Goldkernwährung keinen Goldstandard hatte, bewirkte sie eine Entspannung bei der Inflation. Der Währungskurs pendelte sich zum US-Dollar auf den Stand vor 1914 ein. Nach der Machtübernahe der Nazis und im folgenden Krieg stieg das Geldvolumen wieder stark an. Quelle: Handelsblatt Online
1948 (BRD)Nach den Verheerungen des Zweiten Weltkrieges wurde in den alten Bundesländern die Deutsche Mark eingeführt. Die Reichsmark hatte keinen Wert mehr, die Deutschen schlugen sich mit Tauschgeschäften durch oder rechneten mit Zigaretten ab. Quelle: Handelsblatt Online
D-MarkDie Deutschen konnten ihre neue D-Mark an den Ausgabestellen für Lebensmittelmarken abholen: 40 DM sofort und weitere 20 DM zwei Monate später. Nach der Einführung folgte ein enormer Wirtschaftsaufschwung. Bild: Am 20. Juni 1948, dem Stichtag der Wahrungsreform in den westlichen Besatzungszonen, drängen sich die Bürger in einer Hamburger Umtauschstelle, um sich die neue Währung auszahlen zu lassen. Quelle: AP

Nein, Lagarde hat ganz andere Sorgen als das Inflationsgespenst, das vor allem uns Deutsche umtreibt (und etwa in Brasilien mit einer Inflationsrate von sechs Prozent längst real ist). Fünf Jahre nach der Finanzkrise, die ausgehend von den USA ihren Lauf um die Welt nahm, malt die Direktorin des Internationalen Währungsfonds zur Frühjahrstagung des Internationalen Währungsfonds in Washington, die in dieser Woche in Washington beginnt, wahrlich kein rosiges Welt von der Welt-Konjunktur.

Für 2013 erwartet der IWF nicht mehr Wachstum als im vergangen Jahr. Im Januar hatte der IWF ein globales Wachstum von 3,5 Prozent für 2013 prognostiziert, nach 3,2 Prozent im Vorjahr. Sicher, so die IWF-Direktorin, die wirtschaftlichen Bedingungen hätten sich seit dem Ausbruch der Krise verbessert. Doch da seien neue wie alte Risiken. Die Unterschiede in den Weltregionen seien so groß, Und in zu vielen Ländern hätte sich die Verbesserung auf den Finanzmärkten nicht in der Real-Wirtschaft niedergeschlagen. Hart geht IWF-Chefin Largarde vor allem mit Amerika und Europa ins Gericht.

Die USA kritisiert sie, wegen des immer noch viel zu hohen Defizits. Die harten mittelfristigen Budgetkürzungen in Milliardenhöhe quer verteilt über alle Positionen im US-Haushalt - auch dort, wo es nicht sein muss, so Lagarde - hält sie für abgrundtief falsch und gefährlich. Für Amerika müsse ein langfristiger Haushaltsplan her, mit Kürzungen bei den Sozialleistungen und neuen Einnahmen. Ringe sich Amerika dazu nicht durch, dann drohe die Erholung allzu schnell zunichte gemacht zu werden.

Zu großzügige Geldpakete an reiche Euroländer

Seit Juni 2011 steht die 57-jährige Französin an der Spitze des Internationalen Währungsfonds, nachdem ihr Vorgänger und Landsmann Dominique Strauss-Kahn wegen eines Vergewaltigungsvorwurfs zurückgetreten war. Die Finanzpolitikerin hat sich seitdem als äußerst charmante, aber sehr streitbare Kritikerin etabliert. Mit ihr an der Spitze mutierte der Internationale Währungsfonds, eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen mit 188 Mitgliedstaaten, zum allgegenwärtigen, engagierten Euroretter - gemeinsam mit der Europäischen Zentralbank  (EZB) und der Europäischen Kommission - und immer schön im Gleichklang mit der Geldpolitik der Notenbanken.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%