Währungskrieg Abwertungswettlauf verliert seinen Schrecken

Nach Chinas wiederholter Yuan-Abwertung fürchten Experten einen Währungskrieg. Weltbank-Wissenschaftler haben jedoch berechnet, dass schwächere Währungen nicht mehr so stark auf Exporte wirken wie vor 20 Jahren.

Währungen Quelle: dpa

Wir leben in einer Ära des billigen Geldes, in der Notenbanken weltweit unverdrossen Geld in den Markt pumpen. Längst sind Schwellenländer wie Brasilien oder Indien den USA, der Euro-Zone oder Japan gefolgt und haben ihre heimischen Währungen durch Senkung der Leitzinsen verbilligt. Doch als China dreimal innerhalb nur einer Woche den Renminbi abwertete, ging mit einem Mal wieder die Angst vor einem Währungskrieg um.

Die Befürchtung: Wenn eine der größten Exportnationen der Erde den Wechselkurs zum Dollar drückt, senkt es die Preise für heimische Exportgüter und bringt andere Länder unter Zugzwang. Gleichzeitig verteuern sich Importe, was den Konsum bremst. Dann drohe ein Abwertungswettlauf zum Schutz der jeweiligen Exportindustrien. Die Gefahr immer weiter fallender Weltmarktpreise könnte in Deflation münden und jegliches Wachstum zunichte machen. Das Szenario ist durchaus realistisch, allerdings auch nicht das einzig Mögliche.

Nun hat eine Weltbank-Studie festgestellt, dass ein Währungskrieg die Weltwirtschaft heute weit weniger hart treffen würde als noch vor 20 Jahren. Zwar stimmt es grundsätzlich, dass eine abgewertete Landeswährung die Nachfrage nach heimischen Exportgütern belebt, aber eben weit weniger als viele Beobachter bislang glauben. Insgesamt sei der Effekt auf die Wirtschaft nur noch halb so groß wie in den 90er Jahren.

Den Grund dafür sehen die Forscher vor allem in den globalisierten Produktionsprozessen und Lieferketten. Weil immer mehr Produkte nicht mehr nur einem Land produziert werden, sondern Komponenten aus verschiedenen Währungsräumen enthalten, seien die Folgen für die Handelspreise deutlich abgeschwächt. Auch wenn eine schwache Währung den Endverbraucherpreis senken müsste, stiegen parallel die Kosten für die importierten Bestandteile. Zudem verblieben die Gewinne nicht mehr so häufig im Land der Produktion.

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Die britische Financial Times hat dafür ein populäres Beispiel gefunden: Das iPhone von Apple wird zwar in Taiwan montiert, das Display komme jedoch aus Japan, der Hauptprozessor aus Südkorea, andere Bestandteile kämen wiederum aus anderen Ländern Südostasiens, den USA oder Europa. Diese Teile müssten im Fallbeispiel nach einer Abwertung des Taiwan-Dollar teurer importiert werden. Der Effekt auf den Exportpreis des iPhone hängt somit gleich von mehreren Wechselkursen ab und davon, in welchem Währungsraum der Großteil der Wertschöpfung stattfindet. Und letztlich profitieren von den erzielten Gewinnen auch nicht in erster Linie Taiwan oder die chinesischen Fabrikarbeiter, weil sie größtenteils zurück in den Dollar- oder Euro-Raum fließen, wo Apple seine Gewinne aus steuerlichen Gründen bei seiner Irland-Tochter verbucht.

Die Wirtschaftswissenschaftler der Weltbank betonen deshalb, dass die volkswirtschaftlichen Auswirkungen eines Währungskrieges heutzutage viel komplexer und nur schwer berechenbar seien. Lediglich einfache Export- oder Importprodukte ohne teure Komponenten aus anderen Währungsräumen – beispielsweise Agrargüter oder Rohstoffe – wären weiterhin unmittelbar von Änderungen des Wechselkurses betroffen. Dort sei der Effekt einer Abwertung der heimischen Währung nach wie vor groß. Aber mit zunehmenden globalen Lieferketten schwinde er deutlich.

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So war laut Financial Times zum Beispiel in Japan zu beobachten, dass trotz fallenden Yen-Wechselkurses gegenüber dem US-Dollar um 17 Prozent im vergangenen Jahr die japanischen Exportzahlen im zweiten Quartal so stark gefallen sind wie seit fünf Jahren nicht.

All das trifft auf China in besonderem Maße zu. Zum einen hat in China die Produktion komplexer Produkte wie etwa Elektronikartikel in den vergangenen Jahrzehnten erheblich ausgeweitet. Zum anderen wurde China zur Werkbank der globalisierten Wirtschaft. Aber es gebe einen Grund, warum Chinas Exportwirtschaft von einer Abwertung stärker profitiert als zuvor: Die Importintensität – also der Anteil importierter Vorprodukte der exportierten Waren – hat im vergangenen Jahrzehnt deutlich abgenommen, heimische Zulieferer erlebten einen Aufschwung. Ökonomen sehen darin einen möglichen Grund, für das nachlassende Wachstum im Welthandel.

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