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Währungskrise Schwellenländer im freien Fall

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Importe reduzieren, Gürtel enger schnallen

Ihr Dilemma ist groß. Versuchen sie – wie zurzeit –, das Kapital durch höhere Zinsen im Inland zu halten, würgen sie die Binnenwirtschaft ab. Schauen sie dagegen dem Exodus der Investoren untätig zu, wertet ihre Währung weiter ab, was den Niedergang noch beschleunigt. Suchen sie ihr Heil in Kapitalverkehrskontrollen, machen Kreditgeber in Zukunft einen großen Bogen um sie. In allen drei Szenarien kommen sie nicht umhin, ihre Importe zu reduzieren und den Gürtel enger zu schnallen.

Als dynamischer Absatzmarkt für die Industrieländer fallen sie damit vorerst aus. Sollten sich die Turbulenzen zudem von den fragilen fünf auf andere Schwellenländer übertragen, hätte das angesichts der gewachsenen Bedeutung der Schwellenländer für die Weltwirtschaft dramatische Konsequenzen. Lag deren Anteil am globalen Bruttoinlandsprodukt 1997 noch bei 21 Prozent, so sind es mittlerweile 38 Prozent.

Schwellenländer

Für Europa sind die Schwellenländer ein wichtiger Absatzmarkt. Berechnungen der Citibank zufolge erwirtschaftet Deutschland rund elf Prozent seines Bruttoinlandsprodukts durch Ausfuhren in die Länder Lateinamerikas, Asiens, Osteuropas und des Nahen Ostens. Für die Niederlande und Belgien sind die Anteile noch höher (siehe Grafik). Auch die Peripherieländer erzielen einen erheblichen Teil ihres Bruttoinlandsprodukts durch Ausfuhren in die Schwellenländern. Werden diese ausgebremst, sinken die Chancen von Spanien und Co., sich aus der Krise herauszuexportieren. Das wiederum wäre ein schwerer Dämpfer für die gerade einsetzende Erholung in den Euro-Krisenländern.

Ausland



Es könnte sogar noch heftiger kommen. In der vergangenen Woche warnten die Analysten der Deutschen Bank vor den Folgen der Schwellenländerkrise für Europas Banken, die sich von den Nachwehen der Finanzkrise noch lange nicht erholt haben. So hänge der Gewinn der Commerzbank zu einem Drittel am Geschäft in den Schwellenländern. Bei der italienischen UniCredit seien es gar drei Viertel. Zudem entfielen 19 Prozent der ausstehenden Kredite von UniCredit auf die aufstrebenden Länder, bei der Commerzbank seien es zehn Prozent. Beide Banken sind vor allem in Osteuropa engagiert.

Sollten die Turbulenzen in den Schwellenländern die wirtschaftliche Erholung in der Euro-Zone gefährden, den Abwärtsdruck auf die Preise verstärken oder die Banken in Bedrängnis bringen, sähe die Europäische Zentralbank wohl weiteren Handlungsbedarf. Sie würde dann nicht zögern, ihre Geldschleusen noch weiter zu öffnen. Noch niedrigere Zinsen aber und noch mehr Geld würden einen neuen Boom-Bust-Zyklus mit gefährlichen Preisblasen auslösen. Die Krise wäre nicht gelöst, sondern sie begänne von vorn.

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