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Währungskrise Schwellenländer im freien Fall

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Kapitalstrom droht zu versickern

In der Türkei erschüttert die autokratische Politik der Regierung das politische Fundament. In Südafrika reißt die Streikwelle nicht ab, in Brasilien und Indien lähmen die Bürokratie und die marode Infrastruktur die Wirtschaft. „Die Länder haben es verpasst, ihre Institutionen zu reformieren“, sagt Rolf Langhammer, Ökonom am Kieler Institut für Weltwirtschaft.

Doch das allein kann die Probleme nicht erklären. „Die Schwellenländer wurden beschädigt durch das billige Geld, das zu ihnen strömte. Es machte es leicht, die Notwendigkeit von Reformen zu übersehen“, wehrt sich Notenbanker Rajan. In der Tat: Die Geldschwemme, mit der die großen Notenbanken der Industrieländer im Gefolge der Lehman-Pleite einen Absturz der Weltwirtschaft zu verhindern suchten, löste einen tsunamiartigen Kapitalstrom in die Schwellenländer aus.

Spekulanten nahmen zu Niedrigzinsen Kredite in Amerika, Japan und Europa auf und legten das Geld höher verzinst in den Schwellenländern an. Die gedrückten Renditen für Staatsanleihen der Industrieländer lösten bei Versicherungen eine hektische Suche nach rentableren Anlagen in aufstrebenden Märkten aus. Berechnungen des Internationalen Währungsfonds zufolge flossen den Schwellenländern seit 2009 rund 4000 Milliarden Dollar zu. 470 Milliarden davon gingen auf das Konto der expansiven Geldpolitik der amerikanischen Notenbank, die die Welt mit Geld überschwemmte.

Der Kapitalzufluss ließ die Währungen der Schwellenländer aufwerten. Um ihre Exportindustrie zu schützen, stemmten sich die Zentralbanken mit niedrigen Zinsen und Interventionen an den Devisenmärkten gegen den Aufwertungsdruck. Das billige Geld, das sie so in die Wirtschaft pumpten, kurbelte die Binnenkonjunktur an und ließ die Preise steigen. Die Importe zogen an, während die verschlechterte Wettbewerbsfähigkeit die Exporte ausbremste. Die Handelsbilanzen rutschten ins Defizit. Um ihren Importüberschuss zu finanzieren, sind die Schwellenländer auf ausländische Kredite angewiesen.

Die aber drohen nun auszubleiben. Denn je stärker die US-Wirtschaft wächst, desto rascher dürfte die Fed die geldpolitischen Zügel anziehen – und damit die Rentabilität von Geldanlagen in den USA steigern. Seit Jahresbeginn sind bereits zwölf Milliarden Dollar aus Schwellenländerfonds abgeflossen, fast so viel wie im gesamten Jahr 2013 (15 Milliarden). „Die Schwellenländer sind das Opfer der Geldpolitik der Fed“, urteilt Ulrich Leuchtmann, Devisenexperte der Commerzbank.

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