Währungspolitik Das irre Comeback des US-Dollars

Der Euro sinkt, der Dollar steigt: Die Parität der beiden Währungen ist nur noch eine Frage der Zeit. Das wirkt derzeit wie Doping für Anleger und Konjunktur. Mit schwer zu kontrollierenden Spätfolgen.

Comeback des Dollars Quelle: Getty Images

Es war eine illustre Herrenrunde, die sich im feinen New Yorker Plaza Hotel traf. Die Stimmung war angespannt. Stundenlang diskutierten die Finanzminister und Notenbankchefs von Deutschland, Frankreich, Japan, Großbritannien und den USA über ein einziges Thema – den starken Dollar.

Weltweit hatte der gestiegene Greenback, wie die US-Währung wegen der grünen Rückseite ihrer Dollar-Noten genannt wird, für Verwerfungen zwischen den Volkswirtschaften gesorgt. In den USA forderte die Industrie lautstark protektionistische Maßnahmen der Regierung. Die Minister schritten zur Tat. Im sogenannten Plaza-Abkommen beschlossen sie eine konzertierte Aktion zur Dollar-Abwertung; eine Reihe von Notenbanken warf einen Teil ihrer Dollar-Reserven auf den Markt.

Das war im September 1985.

Das sind die Gewinner und Verlierer der Währungsschwäche

30 Jahre später könnte sich die Geschichte wiederholen, wenn auch unter gänzlich anderen Vorzeichen. Nicht, dass die USA derzeit eine Hochzinspolitik wie Anfang der Achtzigerjahre betrieben, als sie versuchten, die Inflation einzudämmen. Im Gegenteil. Seit der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers vor gut sieben Jahre kleben die Leitzinsen in den USA an der Null-Prozent-Marke. Die Finanzbranche hat sich an das Billiggeld der US-Notenbank Fed gewöhnt. Daher hat schon die vage Aussicht auf eine geldpolitische Kehrtwende die Devisenmärkte in den vergangenen Monaten in Bewegung versetzt – und den Dollar in luftige Höhen katapultiert.

Weiter steigender Dollar?

Binnen eines Jahres hat sich die US-Devise gegenüber den wichtigsten Handelspartnerwährungen um acht Prozent verteuert. Gegenüber dem Euro legte sie mehr als 20 Prozent zu. Musste man vor einem Jahr noch 1,39 Dollar für einen Euro bezahlen, sind es derzeit nur noch rund 1,06 Dollar. „Spätestens bis Ende des Jahres dürfte die Parität erreicht sein“, sagt Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank. Es wäre die stärkste Aufwertung des Dollar seit 1982. Ende 2017 könnten sogar 80 US-Cent reichen, um einen Euro zu kaufen, erwarten die Ökonomen der Investmentbank Goldman Sachs.

Am Mittwochabend vergangener Woche gab die Fed den Spekulationen auf einen weiter steigenden Dollar neue Nahrung. In ihrem Statement zur Geldpolitik verzichtete Notenbankchefin Janet Yellen auf den Hinweis, die Fed werde sich bei der avisierten Straffung der Geldpolitik „geduldig“ zeigen. Damit signalisierte sie den Finanzmärkten, dass mit einer Zinserhöhung immer noch zu rechnen sei, auch wenn sie mit dem Hinweis auf die konjunkturdämpfenden Wirkungen des starken Dollar die Aussicht auf eine schnelle Zinswende gedämpft hat.

Dollar-Schulden der Schwellenländer, Anstieg des Dollar-Kurses gegenüber wichtigen Schwellenländer-Währungen in den vergangenen zwölf Monaten

Niedrigere Zinsen

Während sich die Fed anschickt, den Fuß vom geldpolitischen Gaspedal zu nehmen, treten es die Währungshüter in anderen Ländern weiter durch. Seit Dezember vergangenen Jahres haben weltweit mehr als 20 Zentralbanken ihre Geldpolitik gelockert, darunter auch die von China, Indien, einer Reihe europäischer Nicht-Euro-Länder sowie Australien und Kanada. Durch niedrigere Zinsen versuchen sie, ihre Währungen abzuwerten, um die Konjunktur oder auch die Inflation anzukurbeln.

Letzteres gilt vor allem für die Europäische Zentralbank (EZB), die derzeit mit Anleihekäufen eine neue Geldschwemme lostritt und den Euro auf Talfahrt schickt. Mitte vergangener Woche drückte auch die schwedische Zentralbank ihren Leitzins weiter in den negativen Bereich. Der Wechselkurs der Krone gegenüber dem Dollar fiel daraufhin auf den tiefsten Stand seit sechs Jahren. Auch die Wechselkurse der Schwellenländer sind gegenüber dem Dollar unter Druck (siehe Grafik). Selbst der wackere Schweizer Franken hat in den vergangenen zwölf Monaten gegenüber der globalen Leitwährung Dollar knapp 15 Prozent an Wert verloren.

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