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Währungspolitik Das irre Comeback des US-Dollars

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Renaissance des Dollar?

An den Devisenmärkten brauen sich nun heftige Turbulenzen zusammen. „Wir stehen am Anfang eines globalen Währungskriegs, der die Weltwirtschaft ins Chaos stürzen könnte“, warnt Stefan Kooths, Konjunkturchef des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel. Noch stemmt sich die Fed gegen den Abwertungswettlauf und nimmt den Höhenflug des Dollar hin. Doch die Frage ist: Wie lange kann sie ihren Kurs durchhalten?

Dass der Dollar eine solche Renaissance erlebt, hatte noch vor einem Jahr niemand erwartet. Zwar zeichnete sich schon damals ab, dass die US-Notenbank ab Herbst mit dem Ankauf von Staatsanleihen Schluss machen würde. Doch kaum jemand hatte im Blick, dass auf der anderen Seite des Atlantiks die EZB kurze Zeit später ein gigantisches Aufkaufprogramm für Staatsanleihen starten würde.

Entwicklung des Euro-Kurses in Dollar

Mit der Ankündigung, monatlich für 60 Milliarden Euro Wertpapiere zu kaufen und im Gegenzug Zentralbankgeld in die Bilanzen der Banken zu pumpen, hat EZB-Chef Mario Draghi im Januar die Talfahrt des Euro gegenüber dem Dollar enorm beschleunigt. Bis September 2016 will Draghi die europäischen Finanzmärkte mit 1,14 Billionen Euro fluten. So will er die Inflation in der Euro-Zone von derzeit minus 0,3 Prozent wieder in die Nähe des EZB-Ziels von knapp unter zwei Prozent bringen. Die Euro-Abwertung hilft dabei.

Investoren richten die Blicke nach Amerika

Weil die Anleihekäufe der EZB aber auch die Renditen der Euro-Staatsanleihen in den Keller drücken, gleicht die Suche nach rentablen Anlagen der Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen. Immer mehr Investoren richten ihre Blicke daher nach Amerika, wo beim Kauf von Anleihen oder Aktien nicht nur deutlich höhere Renditen, sondern auch Kursgewinne locken. Dies treibt die Nachfrage nach Dollar und damit dessen Wechselkurs in die Höhe.

Verstärkt wird die Attraktivität des Greenback durch das Konjunkturgefälle zwischen Amerika und Europa. 2014 wuchs die US-Wirtschaft um 2,4 Prozent – fast drei Mal so stark wie die Wirtschaft in der Euro-Zone (0,9 Prozent). Und an dem Wachstumsvorsprung Amerikas dürfte sich so schnell nichts ändern. Experten rechnen damit, dass das amerikanische Bruttoinlandsprodukt (BIP) in diesem und dem nächsten Jahr um rund drei Prozent steigt. Für Europa ist allenfalls die Hälfte drin.

Konjunkturvorsprung

Ausschlaggebend für Amerikas Konjunkturvorsprung ist, dass die Bürger dort ihre Schulden zu einem großen Teil abgebaut haben. Aktuell belaufen sich ihre Außenstände auf 107 Prozent der verfügbaren Einkommen. Ende 2007 lag die Relation noch bei 135 Prozent.

Deutscher Leistungsbilanzüberschuss

„Der Schuldenabbau gibt den US-Bürgern Spielraum, mehr zu konsumieren“, sagt Harm Bandholz, US-Chefökonom von UniCredit in New York. Zudem habe der Aktienboom die Nettovermögen der Haushalte deutlich erhöht. Die Ausgaben der Verbraucher sind wichtigster Treiber der US-Wirtschaft. Bandholz rechnet damit, dass die Fed noch im Laufe dieses Jahres den Leitzins anhebt.

Höhere Zinsen würden den Dollar weiter verteuern und die US-Exporte bremsen. Zwar erwirtschaften die USA nur rund 14 Prozent ihres BIPs durch Ausfuhren. Doch die Dollar-Stärke hinterlässt bereits hässliche Bremsspuren in den Bilanzen der Firmen. Im vierten Quartal 2014 mussten sie Umsatzeinbußen von knapp 19 Milliarden Dollar hinnehmen – mehr als doppelt so viel wie in den vorangegangenen drei Quartalen zusammen. Setzt der Dollar seinen Höhenflug fort, dürften – wie in den Achtzigerjahren – die Stimmen in den USA lauter werden, die staatliche Schutzmaßnahmen gegen ausländische Konkurrenz fordern. Für die laufenden Verhandlungen über das transatlantische Freihandelsabkommen TTIP wäre das alles andere als förderlich. Ein Scheitern des Abkommens würde vor allem den deutschen Mittelstand treffen, der sich davon leichteren Zugang zum US-Markt erhofft.

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