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Währungspolitik Das irre Comeback des US-Dollars

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Verbraucher spüren Einbußen

Die deutschen Verbraucher spüren die Einbußen schon jetzt. Für viele Importgüter müssen sie tiefer in die Tasche greifen. Apple etwa scheint bei seiner Apple Watch einen weiter sinkenden Euro-Kurs einzupreisen – sie kostet in Europa rund 20 Prozent mehr, als es dem aktuellen Wechselkurs entspricht. Zudem werden nahezu alle Rohstoffe in Dollar gehandelt. Der Preis für Baumwolle etwa ist seit Jahresbeginn in Euro um rund 15 Prozent gestiegen – weshalb die Textilbranche spätestens im Winter die Preise erhöhen will. Auch Mais, Kakao, Reis und Zucker kosten nun mehr. Besonders bitter für Autofahrer: Da Rohöl am Weltmarkt ebenfalls in Dollar bezahlt wird, kommt der Rückgang des Ölpreises nur zum Teil an den Zapfsäulen an. Zuletzt sind die Spritpreise allein wechselkursbedingt wieder gestiegen.

Auch für viele Touristen wirkt der starke Dollar eher nicht so gut. Immerhin 21 Prozent aller Fernreisen hierzulande gehen in die USA. Doch der Urlaub im Dollar-Raum entwickelt sich zu einem teuren Vergnügen. Das trifft Urlauber wie Andreas und Katharina, ein Akademikerpaar aus dem Stuttgarter Westen, das im Sommer nach New York und Florida reisen will. Flüge und Hotels kosten heute gut 30 Prozent mehr als vor einem Jahr, als die beiden mit der Reiseplanung begannen. „Wir sind auf einer Hochzeit eingeladen, da denkt man nicht ans Absagen – aber die Shoppingtour haben wir bereits aus dem Programm gestrichen“, sagt Andreas.

Schwellenländer unter Druck

Die Verschiebung des Währungsgefüges setzt auch die Schwellenländer unter Druck. Der US-Ökonom und Krisenprophet Nouriel Roubini sieht im starken Dollar daher eine Gefahr für die gesamte Weltwirtschaft. Der Grund: Sowohl Staaten als auch Unternehmen in den Emerging Markets haben sich massiv in Dollar verschuldet und leiden nun unter steigenden Zins- und Tilgungslasten. Das senkt ihre Kreditwürdigkeit und schränkt den Investitionsspielraum ein – was mittelfristig auch auf die Nachfrage nach deutschen und europäischen Gütern durchschlagen dürfte. „Der Anstieg des Dollar könnte, wenn er anhält, einen erheblichen Einfluss auf die Weltwirtschaft haben“, warnte die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) bereits im Herbst. Nach ihren Angaben haben Unternehmen aus Schwellenländern allein zwischen 2009 und 2013 Anleihen in Höhe von 554 Milliarden Dollar begeben. Bei brasilianischen Firmen etwa stehen Kredite von rund 450 Milliarden Dollar in den Büchern. Der Dollar-Anteil an den globalen Schulden liegt bei stolzen 63 Prozent.

Ausland



Spirale des Protektionismus?

Mehr noch: „Der steigende Dollar verstärkt einen Trend, der schon seit einigen Jahren zu beobachten ist. Das Schwellenländer-Universum spaltet sich in gute und schlechte Länder – je nachdem, wie stark dort Strukturreformen durchgeführt wurden“, sagt Ökonom Kater. Wo Reformen die Widerstandskraft der Volkswirtschaft gegenüber externen Schocks erhöht haben, sind die Folgen der Dollar-Hausse beherrschbar. Viele asiatische Staaten etwa kommen laut Kater mit dem steigenden Dollar besser zurecht als bei der Asienkrise in den Neunzigerjahren. Brasilien hingegen mache er große Schwierigkeiten und lege Strukturprobleme schonungslos offen.

Was aber geschieht, wenn die US-Notenbank die avisierte Normalisierung der Geldpolitik doch noch abbläst und stattdessen in den Abwertungswettlauf einsteigt? Pessimisten halten dann sogar einen globalen Währungskrieg wie Anfang der Dreißigerjahre für möglich. Damals passierte das, was Ökonomen „Beggar-my-neighbour“-Politik nennen: Länder werteten gezielt ihre Währungen ab, um zulasten der anderen ihre Exporte anzukurbeln und die Beschäftigung zu steigern.

Eine globale Spirale des Protektionismus war die Folge.

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