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Währungsunion Der verzweifelte Kampf um den Euro

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Grafik: Daumen gesenkt (Bonität der Euro-Länder)

Jetzt tritt das ein, wovor Euro-Skeptiker schon vor Beginn der Währungsunion gewarnt haben. „Eine Gemeinschaftswährung kann langfristig nur in einem optimalen Währungsraum gedeihen“, sagt Renate Ohr, Währungsexpertin an der Universität Göttingen. Das aber erfordert möglichst flexible Löhne und Preise sowie mobile Arbeitskräfte, hat der Wirtschaftsnobelpreisträger Robert Mundell herausgefunden. Nur dann ist die Wirtschaft in der Lage, Rezessionen und andere Schocks abzufedern. Zudem kennzeichnen einen optimalen Währungsraum ein reger Außenhandel zwischen den Ländern, eine diversifizierte Branchenstruktur, integrierte Finanzmärkte und eine gleichgerichtete Wirtschaftspolitik der Regierungen.

Dinge, die die Euro-Zone nur zum Teil erfüllt. Zwar existieren auch in den USA Unterschiede zwischen den Bundesstaaten. „Die USA verfügen aber über eine einheitliche Finanzpolitik und die Arbeitskräfte sind mobil“, urteilt Paul Krugman, Wirtschaftsnobelpreisträger von der US-Eliteuniversität Princeton. „In Europa fehlt es an beidem“, so Krugman. Die Einführung des Euro sei daher ein Fehler gewesen. Jetzt müsse Europa einen Weg finden, mit den Problemen fertig zu werden.

Griechenland und Portugal in der Abwärtsspirale

Die aber sind gewaltig. „Wegen der mangelnden Wettbewerbsfähigkeit drohen Länder wie Griechenland und Portugal wirtschaftlich auszubluten, was die Staatsfinanzen weiter belastet“, warnen die Ökonomen von Moody’s. Eine Abwärtsspirale, bei der die Regierungen zur Finanzierung ihres Schuldendienstes die Steuerschraube immer weiter anziehen müssen, sei nicht mehr auszuschließen.

Höhere Steuern aber bremsen das Wachstum und treiben hoch qualifizierte Arbeitskräfte ins Ausland. Schon heute leben rund drei Millionen Griechen außerhalb der eigenen Staatsgrenzen, das sind etwa 25 Prozent der Bevölkerung. Bei den Portugiesen ist die Staatsflucht noch ausgeprägter: Vier Millionen von ihnen leben im Ausland, das entspricht mehr als einem Drittel der Bevölkerung. Der Verlust an hoch qualifizierten Arbeitskräften schwächt das Wachstum, die Länder erleiden wirtschaftlich einen langsamen Tod.

Irischer Sparplan wird zum Vorbild

Um das zu verhindern, müssten sich die PIGS-Länder einer Rosskur unterziehen, ihre Wettbewerbsfähigkeit wieder herstellen und die öffentlichen Haushalte sanieren. Wie das geht, zeigt Irland. Auf der Grünen Insel ist die Lage alles andere als rosig, das BIP wird in diesem Jahr um 1,3 Prozent schrumpfen, das Haushaltsdefizit nach optimistischen Schätzungen der irischen Regierung bei 11,6 Prozent liegen. Doch die Regierung steuert mit einem drastischen Sparhaushalt entschieden gegen. „Das ist der Weg, der gegangen werden muss“, lobt der scheidende EU-Kommissar für Wirtschaft und Währung, Joaquín Almunia.

Schmerzhafte Einschnitte kann die irische Regierung deshalb wagen, weil sie die Mehrheit der Menschen hinter sich weiß. Die Reformbereitschaft der Iren ist erheblich größer als in anderen Ländern der Euro-Zone, ergab eine Umfrage der EU-Kommission. So befürworten 90 Prozent der Iren Strukturreformen, 51 Prozent akzeptieren niedrigere öffentliche Ausgaben. Dagegen können sich in Italien nur elf Prozent der Bürger und in Portugal gar nur sieben Prozent mit Ausgabenkürzungen anfreunden.

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