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Währungsunion Der verzweifelte Kampf um den Euro

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Giorgos Papandreou: Der Quelle: dpa

Ebenso schwierig wie die Haushaltssanierung dürfte den PIGS-Ländern die Verbesserung ihrer Wettbewerbsfähigkeit fallen. Denn das setzt voraus, dass sie bei den Lohnsteigerungen zurückschalten. Die meisten dieser Länder haben aber eine andere historische Tradition: Stiegen die Löhne in der Vergangenheit zu stark, werteten sie ihre Währung ab. Mit dem Euro ist das nicht mehr möglich.

Noch gibt man sich in Europas Hauptstädten der Hoffnung hin, dass die Problemländer die Kurve kriegen und ihre Hausaufgaben machen. Beamte der EU-Kommission, die in der vorvergangenen Woche nach Athen reisten, hatten den Eindruck, die Griechen hätten den Ernst der Lage erkannt. Allerdings nicht, weil die EU-Kommission Druck machen würde – sondern weil den Kapitalmärkten die Geduld ausgeht. Derzeit muss die griechische Regierung für zehnjährige Staatsanleihen 5,8 Prozent Zinsen zahlen – 2,5 Punkte mehr als die Bundesregierung in Berlin.

Griechenland kündigt "Schock-Sparplan" an

Das schmerzt – vor allem dann, wenn die Schulden weiter steigen. Griechenlands Ministerpräsident Giorgos Papandreou hat deshalb lautstark einen „Schock-Sparplan“ angekündigt. Doch was, wenn den hehren Versprechungen – wie so oft – wieder keine Taten folgen?

In der EU-Kommission gibt man sich nach außen hin hart. Der Finne Olli Rehn, designierter Nachfolger von Almunia auf dem Posten des Währungskommissars, drohte den Griechen mit Bußgeldern oder dem Entzug von EU-Hilfen für den Fall, dass sie mit dem Sparen nicht Ernst machen. Jürgen Stark, Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB), warnte, es sei eine Illusion, zu glauben, die EU-Staaten würden für Griechenland in die Taschen greifen.

In der Tat wäre ein Bail-out eine problematische Sache. „Wenn die EU Griechenland mit dem Geldkoffer zur Hilfe eilt, gibt sie anderen Ländern den Anreiz, sich genauso zu verhalten – dann gehen die Probleme richtig los“, warnt Währungsexpertin Ohr. Auch Robert Barro, Ökonom an der US-Eliteuniversität Harvard, fürchtet Schlimmes, sollte es zu einem Bail-out kommen. Das wäre „ein Desaster, fast noch schlimmer als die Finanzkrise“, sagt Barro. Ein Bail-out verschlechtere nachhaltig das Standing der Länder, die bisher noch über eine hohe Bonität verfügen.

Austritt aus der Eurozone mit hohem Preis verbunden

Ökonomin Ohr plädiert deshalb dafür, hart zu bleiben und einen Austritt Griechenlands aus der Währungsunion hinzunehmen. „Griechenland blieben durch einen Austritt harte Reformen erspart, und in der Währungsunion nähmen die Spannungen ab“, sagt die Professorin.

Ein solcher Austritt hätte jedoch einen hohen Preis. Die Investoren würden vermuten, das Land suche sein Heil in mehr Inflation und einer schwachen Währung. Die griechische Regierung müsste dann noch höhere Zinsen für ihre Schulden zahlen. „Kehrten die Renditen auf das Niveau von Mitte der Neunzigerjahre zurück, würde sich der Schuldendienst Griechenlands um etwa zehn Prozent vom BIP erhöhen“, sagt Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank.

Hinzu kommt, dass der Vorteil einer schwachen Währung für die Exportwirtschaft rasch wieder aufgezehrt wäre. Denn eine schwache Währung in Verbindung mit einer laxen Geldpolitik verteuert die Importe und treibt die Inflation in die Höhe. Schon nach kurzer Zeit wäre der Preisvorteil wieder perdu.

Ein Austritt aus der Währungsunion stieße auch auf juristische Hürden. Einem aktuellen Arbeitspapier der EZB zufolge wäre das nur möglich, wenn dem alle Länder der Euro-Zone zustimmten.

Den Verantwortlichen in Brüssel ist daher klar, dass sie nicht untätig zusehen können, wenn ein Euro-Mitglied auf den Bankrott zusteuert. „Die Probleme eines Landes der Euro-Zone sind ein Problem für alle Länder der Euro-Zone“, betont Almunia.

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