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Währungsunion Der verzweifelte Kampf um den Euro

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Jean-Claude Trichet, Präsident der Europäischen Zentralbank Quelle: rtr

Auch wenn niemand bisher öffentlich von einem Bail-out spricht, wäre das die wahrscheinlichste Variante im – bisher noch unwahrscheinlichen – Fall eines Staatsbankrotts. Finanziell wäre eine solche Aktion durchaus zu schultern. Im Durchschnitt würde sich der Schuldenstand der anderen Euro-Länder um drei Prozentpunkte erhöhen, wenn Griechenland gerettet werden müsste, hat der Ökonom Paul De Grauwe von der Katholischen Universität Leuven errechnet.

Der Vertrag von Lissabon verbietet zwar, dass Länder gezwungen werden, für ein anderes Mitgliedsland geradezustehen. Aber die Union könnte „außergewöhnliche Umstände“ geltend machen und sich mehrheitlich für die Rettung entscheiden. Die Frage wäre dann nur noch, wie der Bail-out organisiert würde.

Die Ausgabe einer Euro-Anleihe, für die mehrere Länder der Währungsunion geradestünden, ist unwahrscheinlich, weil die Staaten mit hoher Bonität wie Deutschland wohl nicht mitspielen würden. Zudem zerstörte dies die disziplinierende Wirkung höherer Zinsen für die Problemländer.

Direkte Kredite einzelner Staaten?

Ein Kredit des Internationalen Währungsfonds (IWF) ist ebenfalls keine realistische Option. Denn der IWF würde Konditionen für die Geldpolitik festlegen und somit die EZB unter Kuratel stellen, was politisch inakzeptabel wäre.

Realistischer erscheinen direkte Kredite einzelner Staaten. Das hätte zumindest den Vorteil, dass die Gläubiger im Gegenzug mehr Reformdruck auf Griechenland ausüben könnten. „Geldgeber haben Einfluss“, sagt De Grauwe. Doch das Risiko ist hoch, dass die Wähler in Ländern wie Deutschland oder den Niederlanden nur wenig Verständnis dafür aufbringen, nach den Banken nun auch noch unsolide wirtschaftende Staaten der Euro-Zone zu retten.

Eleganter wäre es für die Politiker daher, der EZB den Job des Bail-out zu überlassen. Im Zuge der Finanzkrise haben die Währungshüter ohnehin die Bonitätsanforderungen an Wertpapiere gelockert, die sie als Sicherheiten für Zentralbankgeld akzeptieren. Vorgesehen ist, die Anforderungen Ende des Jahres wieder zu verschärfen. Sollten die Ratingagenturen in der Zwischenzeit den Daumen für Griechenland erneut senken, könnten griechische Banken die Anleihen ihres Staates dann nicht mehr bei der EZB einreichen. Der Zugang Griechenlands zum Kapitalmarkt wäre verstopft.

EZB will keine Bad Bank sein

Für die Moody’s-Ökonomen ist es „schlicht unvorstellbar, dass die EZB bei einer systemischen Krise keinen Weg fände, einem Mitgliedsland indirekt unter die Arme zu greifen“. So könnten die Euro-Hüter an den gelockerten Bonitätsanforderungen festhalten – und die Griechen damit weiter ihre Schrottpapiere bei der EZB abladen.

Noch weisen die Währungshüter solche Überlegungen weit von sich. „Wir werden unsere Bedingungen bei den Repogeschäften nicht zugunsten irgendeines Landes ändern, das ist glasklar“, erklärte EZB-Chef Jean-Claude Trichet Donnerstag vergangener Woche. Glasklar ist aber auch, dass die EZB alles tun wird, um ein Auseinanderbrechen der Währungsunion zu verhindern – auch wenn sie dafür einen etwas weicheren Euro in Kauf nehmen müsste.

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