WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Wahl am Sonntag Ukrainer stimmen für Reformkurs

Obwohl die Härten der Wirtschaftskrise spürbar werden, wählen die Ukrainer Reform-Parteien, die das Land näher an Europa führen wollen. Die EU sollte das unterstützen, indem sie dem Land eine Beitrittsperspektive bietet.

Die Ukrainer haben vor allem Parteien gewählt, die für Reformen stehen. Quelle: AP

Den Wahlsonntag verbrachten viele Ukrainer wieder einmal in dicken Klamotten – nicht nur, um darin ins Wahllokal zu spazieren. Vielmehr frieren die Menschen den ganzen Tag über in ihren Wohnungen: Der Winter ist schon da, Fernwärme in vielen Bezirken aber noch nicht angestellt. In diesem Jahr, so scheint es Manchem, zögern die staatlichen Versorger die Heizperiode so weit es geht hinaus. Ist das schon der Prolog des nächsten Gaskriegs mit Russland? Werden die Ukrainer diesen Winter frieren müssen?

Immer mehr bekommen die Menschen in der Ukraine die Härten der Wirtschaftskrise zu spüren. Die gefühlte Kälte ist für viele vorerst die kleinste Sorge. Wegen des Kriegs mit pro-russischen Separatisten im Osten des Landes, fehlenden Investitionen und einem desolaten Staatshaushalt bricht das Wirtschaftswachstum dieses Jahr laut Schätzungen um sieben Prozent ein. Schon jetzt steigt in der Ukraine die Arbeitslosigkeit – und wer noch Arbeit hat, der kann bei stagnierenden Gehältern die rasant steigenden Lebensmittelpreise kaum mehr bezahlen.

Krisenländer von Russland bis Nordafrika

Vor diesem Hintergrund überrascht es, dass die Ukrainer jene Parteien gewählt haben, die für Reformen stehen statt mit unbezahlbaren Geschenken oder nationalistischen Parolen die Wähler einzuseifen: Mit knapp 22 Prozent der Stimmen liegt die „Volksfront“ des Ministerpräsidenten Arseni Jazenjuk hauchdünn vor dem favorisierten Wahlblock des Präsidenten Petro Poroschenko.

Der Erfolg des Jazenjuk-Lagers überraschend, da dessen Regierung zu einem harten Spar- und Reformkurs verdonnert ist und vermeintlich schwer hätte punkten können bei den von Wahlkampf-Geschenken verwöhnten ukrainischen Wählern. Nun soll es Koalitionsverhandlungen zwischen den beiden pro-europäischen Blöcken geben, bei denen der Ex-Boxer und Kiewer Bürgermeister Vitali Klitschko als Spitzenkandidat des Poroschenko-Lagers mitreden wird.

Anspruch auf Mitsprache erheben wohl auch die pro-europäischen Parteien „Selbsthilfe“, hinter der der Bürgermeister von Lwiw steht, sowie „Vaterland“ der abgeschlagenen Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%