Wahl in Myanmar Jubelstimmung und hohe Wahlbeteiligung

Festtagsstimmung bei der Wahl in Myanmar: Millionen Menschen hoffen nun auf eine blühende Zukunft. Die Opposition mit ihrer Ikone Suu Kyi rechnet mit einem Sieg - wenn es keinen Wahlbetrug gibt.

Myanmar Quelle: dpa

Erstmals seit 25 Jahren haben Millionen Menschen in der einstigen Militärdiktatur Myanmar frei ein neues Parlament gewählt. Vor vielen der 40 000 Wahllokale bildeten sich am Sonntag lange Schlangen. Lokalmedien berichteten von einer hohen Wahlbeteiligung um 80 Prozent. Die Wahlkommission äußerte sich zunächst nicht. Erste offizielle Ergebnisse zur Sitzverteilung und Wahlbeteiligung werden in den kommenden Tagen erwartet.

Hauptgegner waren die militärnahe Regierungspartei USDP und die Nationalliga für Demokratie (NLD) von Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi (70). Die NLD wurde unter der Militärdiktatur bis 2011 jahrelang unterdrückt, Suu Kyi verbrachte fast 15 Jahre unter Hausarrest. Seit 2011 regieren ehemalige Junta-Generäle in Zivil.

Nach einem ersten Eindruck der EU-Wahlbeobachter lief die Stimmabgabe ordentlich ab. „Es gab Mängel, aber es sieht nicht so aus, als ob der Prozess der Stimmabgabe in Frage zu stellen ist“, sagte Delegationsleiter Alexander Graf Lambsdorff.

Lokale Medien veröffentlichten am Sonntagabend erste Ergebnisse aus einzelnen Wahlkreisen, die ihnen unabhängige Wahlbeobachter übermittelt hatten. „Einer berichtet uns, dass die NLD in mehreren Wahllokalen in Rangun um die 85 Prozent liegt“, schrieb das renommierte Online-Magazin „Irrawaddy“ auf seiner Webseite. „Wir betonen aber: alles sehr vorläufig.“ Erste offizielle Ergebnisse wurden erst in den kommenden Tagen erwartet.

Suu Kyi war vor der Wahl siegesgewiss. Weil ein Viertel der Parlamentssitze für das Militär reserviert sind, muss eine Partei zwei Drittel der Mandate gewinnen, um eine einfache Mehrheit zu haben. „Wir wollen viel mehr als 67 Prozent“, sagte Suu Kyi vor der Wahl. „Wenn alles fair läuft, müssten wir das schaffen.“

Bei freien Wahlen 1990 gewann Suu Kyis Partei 80 Prozent der Parlamentssitze, aber das Militär ignorierte den Wahlausgang und gab die Macht nicht ab. Die Militärjunta richtete 2010 die nächsten Wahlen aus. Dabei trat die NLD aber wegen unannehmbarer Auflagen nicht an. Die USDP gewann haushoch. Internationale Wahlexperten bezeichneten den Wahlgang als weder fair noch frei.

Der Wahlsieger steht vor immensen Herausforderungen. Myanmar, das frühere Burma, gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Korruption ist eines der größten Probleme. Ethnische Minderheiten und Dutzende Rebellenarmeen kämpfen seit Jahrzehnten um Autonomie. Ungelöst ist die Frage der gut eine Million Rohingya, einer muslimischen Minderheit. Die Regierung sieht sie als illegale Einwanderer, obwohl viele seit Generationen im Land leben.

USDP-Spitzenkandidat Präsident Thein Sein wählte in der Hauptstadt Naypyidaw. Er hat versprochen, das Ergebnis anzuerkennen. Wähler argwöhnten, dass die Partei bei einem NLD-Sieg das Ergebnis zu ihren Gunsten manipulieren oder dass das Militär sogar putschen könnte.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Hier steht ein Element, an dem derzeit noch gearbeitet wird. Wir kümmern uns darum, alle Elemente der WirtschaftsWoche zeitnah für Sie einzubauen.

Suu Kyi wurde in Rangun und von Hunderten jubelnden Anhängern zur Stimmabgabe begleitet. „Ich kann gar nicht beschreiben, wie glücklich ich bin, meine Stimme im selben Wahllokal wie sie abzugeben“, sagte Rentnerin Win Htein. „Ich hoffe, sie bekämpft die Korruption, wenn ihre Partei gewinnt.“ Wie alle Wähler zeigte sie anschließend stolz den mit lila Tinte gefärbten kleinen Finger, der signalisierte, dass sie ihre Stimme abgegeben hat.

Die USDP verspricht Stabilität in dem Vielvölkerstaat, in dem zahlreiche Rebellenarmeen seit Jahrzehnten gegen die Zentralregierung kämpfen. „Wir brauchen noch mindestens fünf Jahre, damit der Übergang (zur Demokratie) friedlich bleibt“, meinte der USDP-Abgeordnete und Ex-Offizier Hla Swe. Thein Sein hat politische Gefangene entlassen, die Pressezensur gelockert, Reformen vorangetrieben und das Land für ausländische Investitionen geöffnet.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%