Wahlkampf in den USA Die seltsamen Geschäfte des Donald Trump

Milliardär Donald Trump will ins Weiße Haus einziehen. Bei den republikanischen Wählern liegt er derzeit sensationell an der Spitze, weil er sich als Super-Geschäftsmann verkauft. Doch ist er das wirklich?

Donald Trump Quelle: AP

Nichts überlegen sich US-Präsidentschaftskandidaten so genau wie den Ort und die Worte jener ersten Rede, die erklären soll, warum ausgerechnet sie das großartigste Land der Welt führen wollen. Auch Donald Trump, besonders exzentrischer Kandidat im an Exzentrik reichen US-Politzirkus, hatte beides genau durchdacht. Er sprach, natürlich, in jenem Einkaufszentrum direkt an New Yorks Fifth Avenue, auf dem in Goldbuchstaben TRUMP steht und in dessen obersten drei Stockwerken er wohnt, in 53 Zimmern. Und Trump versicherte nicht nur, gewohnt bescheiden, der großartigste US-Präsident zu werden, den Gott je gesehen habe. Nein, er hatte auch eine Wahlkampfbotschaft mitgebracht, genau vier Worte lang: „I am really rich.“

Richtig, aber so richtig reich zu sein, das genügt Trump als politische Botschaft. Und reich fällt bislang auch die Resonanz aus: Unter den republikanischen Bewerbern für das Weiße Haus liegt Trump vorne.

Diese Kandidaten wollen 2016 ins Weiße Haus
Donald Trump Quelle: REUTERS
Jeb Bush Quelle: AP
Ben Carson Quelle: AP
Mike Huckabee Quelle: REUTERS
Marco Rubio Quelle: AP
Ted Cruz Quelle: REUTERS
Rand Paul Quelle: AP
Chris Christie Quelle: AP
John KasichOhio, der Heimatstaat des 63-Jährigen, gilt als entscheidend für die US-Wahlen. Kein Republikaner ist je  US-Präsident geworden, ohne  den Staat zu gewinnen. Kasich gehört zur Fraktion der gemäßigten Republikaner und holte in New Hampshire überraschend den zweiten Platz hinter Donald Trump. Quelle: REUTERS
Rick Santorum Quelle: AP
Hillary Clinton Quelle: AP
Bernie Sanders Quelle: REUTERS
Martin O'Malley Quelle: AP
Michael BloombergDer frühere Bürgermeister von New York City spielt mit dem Gedanken als unabhängiger Kandidat bei der Präsidentschaftswahl anzutreten. Falls die Republikaner den Exzentriker Trump und die Demokraten den Linken Sanders ins Rennen schicken würden, räumt sich der 73-Jährige gute Chancen ein. Quelle: AP

Reich sein, das ist in den USA, die immer noch den amerikanischen Traum zelebrieren, keine schlechte politische Empfehlung. Die Kennedys waren reich, die Bushs sowieso, die Clintons sind es mittlerweile auch. Doch Trump, 69, dreimal verheiratet, sieht sich in einer anderen Geldliga, in der Plutokratenklasse. Märchenhafter Reichtum ist seine wichtigste politische Währung, vielleicht seine einzige, und sie hilft politische Naivität zu übertünchen. Trump hat, seit er Kandidat ist, Mexikaner pauschal als „Vergewaltiger“ beschimpft und Kriegslegende (und Parteifreund) John McCain Feigheit unterstellt. Er hat mal gesagt, mit seiner eigenen Tochter ausgehen zu wollen, wenn er nicht leider ihr Vater wäre. Aber all diese Fehltritte schadeten Trumps Popularität nicht, im Gegenteil. Schließlich ist er ja wirklich, wirklich reich.

Trumps genaues Vermögen ist unklar

Doch was, wenn das gar nicht stimmt? Eine Antwort darauf zu finden ist kompliziert, schon weil Trumps PR-Nebelmaschine besonders in Gang kommt, wenn es um den Erfolg von „The Trump Organization“ geht. Als der Autor dieser Zeilen ihn traf, brauchte Trump nur Sekunden, um daran zu erinnern, wie milliardenschwer er sei. Andere Superreiche beschweren sich bei den Machern der „Forbes“-Reichenliste, ihr Vermögen sei zu hoch veranlagt. Trump ruft an, um zu sagen, seines sei zu niedrig veranlagt.

Natürlich erklärt so einer als Kandidat triumphal, er habe ein Vermögen von rund zehn Milliarden Dollar. In den 92 Seiten Vermögensunterlagen, die Trump als Beleg einreichte, findet sich viel Kleinkram, etwa eine Pension der US-Schauspielergewerkschaft in Höhe von 110.000 Dollar (schließlich war Trumps TV-Inszenierung als eine Art Dieter Bohlen für Jungunternehmer lange die meistgesehene Show im US-Fernsehen) oder rund 200 Dollar Tantieme für sein Buch „Think Big and Kick Ass in Business and Life“.

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