Wahlsieg Wladimir Putin zieht wieder in den Kreml

Sechs weitere Kremljahre: Wladimir Putin kehrt in das Zentrum der Macht zurück. Am Abend feiert der 59-Jährige sich selbst.

Putins beste Sprüche
Putins beste Sprüche„Ich weiß nicht, womit sie heizen wollen. Atom wollen sie nicht, Gas wollen sie nicht. Wollen sie wieder mit Holz heizen?“ Putin über die Energiedebatte in Deutschland, November 2010
„Wir werden unser Volk nicht vergiften.“   Zum Importverbot für EU-Gemüse wegen Ehec, 11.6.2011
„Wo man nicht zusammen kommen kann, bekommt man den Knüppel auf die Rübe“    Zum Vorgehen der Polizei gegen Demonstranten, 6.9.2010.
„Wer das getan hat, wird den Preis dafür bezahlen und im Suff oder Drogenkonsum enden“ Über den Verrat russischer Spione in den USA, 2.8.2010.
„Ich habe vielleicht in der Universität nicht das allermeiste gelernt, weil ich in der Freizeit viel Bier getrunken habe. Aber einiges habe ich doch behalten, weil wir sehr gute Dozenten hatten.“ Über sein Studium, Mai 2005.
„Die Russen kommen hier nicht mit Kalaschnikow und mit Panzern her, sondern Russland bringt das Geld mit.“ Zu Investitionen russischer Unternehmen in Deutschland, Oktober 2006.
„Niemand will, dass die G8 zu einer Ansammlung fetter Kater wird.“ Über die Rolle Russlands in der Gruppe der führenden Industrienationen, Januar 2006.
„Wenn Sie aber islamische Radikale werden wollen und deshalb bereit sind, eine Beschneidung vorzunehmen, dann lade ich Sie nach Moskau ein. Wir sind ein Land mit vielen Konfessionen, und wir haben gute Ärzte. Wir empfehlen diese Operation so durchzuführen, dass Ihnen nichts mehr nachwächst.“ Putin während des EU-Russland-Gipfels auf die Frage eines Journalisten nach dem Vorgehen der russischen Armee gegen die Zivilbevölkerung in Tschetschenien, November 2002.
„Unsere russischen Frauen sind die begabtesten und die schönsten“. April 2008 bei einem Besuch in Rom auf die Frage nach seinem Privatleben.
„Schießen können sie, aber keine Ordnung schaffen.“ Zur US-Militärpolitik im Irak, Oktober 2007.
„Ich werde (Georgiens Präsidenten Michail) Saakaschwili an den Eiern aufhängen.“ Putin auf die Frage von Frankreichs Präsident Nicholas Sarkozy nach Russlands Plänen im Krieg gegen Georgien, November 2008.
„Die ganzen acht Jahre habe ich wie ein Sklave von morgens bis abends geschuftet.“ Über seine Zeit als Präsident im Kreml, Februar 2008.

Wladimir Putin kehrt in den Kreml zurück: Bei der von Fälschungsvorwürfen überschatteten Präsidentenwahl in Russland hat der Favorit Wladimir Putin nach ersten Ergebnissen klar gewonnen. Der Regierungschef lag am Sonntagabend in den ersten Stunden nach Schließung der Wahllokale bei knapp 63 Prozent der Stimmen.

Damit übernimmt der 59-Jährige nach vierjähriger Zwangsunterbrechung wieder das höchste Staatsamt. Putin erklärte sich noch am Abend vor über 100.000 jubelnden Anhängern in Moskau zum Sieger. Die Opposition will am Montag aus Protest gegen die aus ihrer Sicht unfaire Wahl Zehntausende auf die Straße bringen.

Die „offene und ehrliche“ Wahl sei ein Test für die Unabhängigkeit und Reife des Landes gewesen, rief Putin den Menschen in der Nähe des Kremls zu. Der Ex-Geheimdienstchef betrat gemeinsam mit Noch-Präsident Dmitri Medwedew die Bühne. Medwedew sagte: „Diesen Sieg braucht das ganze Land.“

Wahlbeobachter aus den Reihen der Opposition registrierten dagegen mehr als 3200 Wahlrechtsverstöße. Die Beschwerden wurden aber von der offiziellen Wahlleitung zum allergrößten Teil nicht anerkannt.

Putin hatte nach zwei Amtszeiten als Präsident von 2000 bis 2008 abtreten müssen. Sein Nachfolger Medwedew hatte seinen Verzicht auf eine neue Kandidatur mit der hohen Popularität Putins begründet.
Medwedew soll in einem umstrittenen Ämtertausch unter Putin Regierungschef werden. Friedensnobelpreisträger Michail Gorbatschow sagte, das Ergebnis
entspreche nicht dem Wählerwunsch. „Es gibt große Zweifel, dass dies die wahre Stimmung in der Gesellschaft widerspiegelt“, sagte der Ex-Sowjetpräsident der Agentur Interfax. Der Zweitplatzierte Gennadi Sjuganow von der Kommunistischen Partei nannte die Abstimmung „weder sauber noch gerecht“. Auch der Kandidat Michail Prochorow sprach von „nicht ehrlichen“ Wahlen.

Sjuganow erhielt den Angaben zufolge rund 17 Prozent. Dahinter landeten der Ultranationalist Wladimir Schirinowski und der Multimilliardär Prochorow mit jeweils etwa acht Prozent vor dem Linkskonservativen Sergej Mironow mit knapp vier Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei etwa 63,37 Prozent.

Während unabhängige Wahlbeobachter und die Opposition massive Fälschungsvorwürfe erhoben, sprach Putins Wahlkampfchef von den „saubersten Wahlen in der russischen Geschichte“. Das Ergebnis sei ein Beweis, dass das Volk keinen Systemwechsel in Form eines Arabischen Frühlings in Russland wolle, sagte Sergej Goworuchin.

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