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Weltbiodiversitätsrat UN-Experten: Risiko neuer Pandemien wegen Artensterben groß wie nie

Zu enge Kontakte zwischen Wildtieren und Menschen könnten zu neuen Seuchen führen, so der Weltbiodiversitätsrat. Die Experten bringen eine Fleischsteuer ins Gespräch.

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Der Weltbiodiversitätsrat warnt wegen Naturzerstörung und dem Artensterben vor einem rasant wachsenden Risiko neuer Pandemien. Diese würden ohne Gegensteuern künftig nicht nur häufiger auftreten, sondern sich auch noch schneller verbreiten und mehr Menschen töten als Covid-19, heißt es in einem am Freitag veröffentlichten Bericht von 22 Experten der UN-Organisation.

Als Hauptgrund für Pandemien durch neue Viren gelten zu enge Kontakte zwischen Wildtieren und Menschen, die Folge der Zerstörung und Verkleinerung des Lebensraumes von Tieren sind. Auch der Wildtierhandel gilt als eine Gefahr, da Arten in Kontakt kommen, die sonst weit entfernt voneinander leben.

Die Experten gehen von ungefähr 1,7 Millionen unbekannten Viren-Arten aus, die in Wildtieren leben. Bis zu der Hälfte davon könnte auf Haustiere oder Menschen überspringen. Als Ausbruchsort der Corona-Pandemie wird ein Wildtiermarkt in China vermutet.

„Das Risiko von Pandemien nimmt global rasant zu“, sagte Bundesumweltministerin Svenja Schulze, die den Anstoß zu dem Bericht gegeben hatte. Aber: „Wir sind nicht machtlos.“ Es sei weit billiger mit dem Schutz der Natur gegenzusteuern als neue Pandemien zu bekämpfen. „Die menschliche Gesundheit hängt direkt von einer intakten Natur ab“, wie auch diese Pandemie zeige.

Artensterben und Naturzerstörung haben laut den Experten aber ein nie dagewesenes Tempo erreicht. Kritisch sehen sie auch den Fleischkonsum. Für die Viehzucht würden große Naturflächen zerstört. Sie bringen daher unter anderem eine Fleischsteuer ins Gespräch.

Schulze zeigte sich hier zurückhaltend. Wichtig sei, was man damit bewirke, eine Abgabe allein reiche nicht. Enttäuscht zeigte sie sich aber von den Beschlüssen zum Bundeshaushalt, der weiter den weit überwiegende Teil zur Förderung der konventionellen Landwirtschaft vorsieht. „Das ist ein absoluter Minimalkonsens“, sagte sie. „Das reicht nicht.“

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