Weltverfolgungsindex 2015 Nordkorea verfolgt Christen am stärksten

Die Verfolgung von Christen nimmt weltweit zu, wie der Weltverfolgungsindex 2015 zeigt. Besonders schlimm steht es um Gläubige in Nordkorea. Auch die Terrormiliz Islamischer Staat setzt den Christen zu.

Nach Schätzungen von Open Doors sind weltweit rund 100 Millionen Christen wegen ihres Glaubens Repressalien ausgesetzt. Quelle: dpa

Unterdrückung, Arbeitslager, Misshandlungen: In keinem Staat werden Christen so stark verfolgt wie in Nordkorea. 70.000 von ihnen sind in dem abgeschotteten kommunistischen Land in Lagern interniert, wie aus dem vom christlichen Hilfswerk Open Doors veröffentlichten „Weltverfolgungsindex 2015“ hervorgeht. Dort seien sie schwerster Arbeit und Folter ausgesetzt. Zum 13. Mal in Folge setzte die in Organisation Nordkorea deshalb auf den ersten Platz ihres jährlich erscheinenden Indexes.

In diesen Ländern ist der Hass auf Christen am größten

Nach Schätzungen von Open Doors sind weltweit rund 100 Millionen Christen wegen ihres Glaubens Repressalien ausgesetzt. In dem Ranking folgt Somalia auf dem zweiten Platz. Im Irak (3.) und in Syrien (4.) litten Christen besonders unter der Herrschaft der Terrormiliz „Islamischer Staat“, hieß es. Islamischer Extremismus sei in den meisten der 50 aufgeführten Länder ein Grund der Verfolgung.

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414 Konflikte, 20 KriegeDas Heidelberger Institut für Internationale Konfliktforschung (HIIK) stellt "Conflict Barometer 2013" das weltweite Konfliktgeschehen im Jahr 2013 dar. Insgesamt gibt es global 414 Konflikte, davon gelten 45 als hochgewaltsam. Von diesen Konflikten, die sich durch den massiven Einsatz organisierter Gewalt auszeichnen, werden 20 als Kriege eingestuft. Sie ereignen sich in 15 Staaten auf fünf Kontinenten. Außer den Kriegen in Afghanistan und Syrien zählen dazu auch die Konflikte im Irak, in Mali sowie in der Zentralafrikanischen Republik. "Wir blicken mit großer Sorge auf diese stetig hohe Anzahl an kriegerischen Auseinandersetzungen" berichten die Vorstandsmitglieder des Heidelberger Instituts, Simon Ellerbrock und Peter Hachemer. Quelle: dpa
MaliAllein elf der 20 Kriege finden in Afrika statt. In Mali ist die Sicherheitslage nach wie vor angespannt. 2012 war das Land durch einen Militärputsch ins Chaos gestürzt. 2013 gelang es der Regierung unter Mithilfe französischer Streitkräfte, die größten Städte im Norden des Landes wieder weitgehend unter ihre Kontrolle zu bringen. Die Kämpfe mit den sich stetig neu formierenden islamistischen Gruppen dauern jedoch weiter an. Quelle: REUTERS
Somalia und NigeriaIn Somalia herrscht seit 21 Jahren Bürgerkrieg. Auch hier sind hunderttausende Menschen auf der Flucht vor der radikal-islamistischen al-Shabaab-Miliz, die gegen Regierung und Bevölkerung kämpft. Etwa zwei Millionen Somalier befinden sich derzeit auf der Flucht. Viele von ihnen fliehen nach Kenia und warten im größten Flüchtlingslager der Welt, Dadaab, auf ein Ende des Krieges. Auch in Nigeria lehnt sich eine Miliz, die islamistische Boko Haram, mit kriegerischen Mitteln gegen die Regierung auf. Außerdem verschärften sich 2013 die Auseinandersetzungen zwischen den christlichen Farmern des Berom-Stammes und den muslimischen Fulani-Nomaden. Allein in der zweiten Jahreshälfte 2013 forderten die Konflikte über 1200 Todesopfer. Quelle: REUTERS
Sudan und Süd-SudanSeit 2008 tobt zwischen dem Sudan und dem Süd-Sudan ein Krieg. Der Süd-Sudan erlangte am 9. Juli 2011 die Unabhängigkeit vom Sudan. Bis heute hat sich die Lage nicht entspannt. Insgesamt sind mehr als 400.000 Menschen auf der Flucht. Hinzu kommen innerstaatliche Kriege in beiden Ländern. Im sudanesischen Darfur gibt es seit rund zehn Jahren gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Stämmen, die Zahl der binnenvertriebenen liegt hier bei 2,7 Millionen. Auch im Süd-Sudan starben im vergangenen Jahr mindestens 1000 Menschen bei Kämpfen verschiedener Ethnien. Im Dezember 2013 brach ein neuer kriegerischer Konflikt zwischen Anhängern des südsudanesischen Machthabers Salva Kiir und seinem ehemaligen Vizepräsidenten Riek Machar aus, bei dem bis zum Jahresende tausende Menschen ums Leben kamen. Quelle: AP
KongoAuch die Demokratische Republik Kongo wird - mit kurzen Unterbrechungen - seit Jahrzehnten von Kriegen erschüttert. Seit 1994 gibt es einen andauernden bewaffneten Konflikt. Im vergangenen Jahr erreichte der Krieg zwischen Regierung und Rebellen laut dem Institut seinen Höhepunkt. Seitdem die Tutsi-geführte Rebellengruppe M23 die Stadt Goma in ihre Gewalt brachte, sind mehr als 750.000 Menschen auf der Flucht, im November setzte erneut eine Flüchtlingswelle ein. Quelle: dapd
Syrien„Syrien hat relativ eindeutig die meisten Opfer zu beklagen“, sagte Vorstandsmitglied Peter Hachemer. Allein im syrischen Bürgerkrieg ließen bis heute etwa 200.000 Menschen ihr Leben. 2013 nahm der Konflikt durch den Einsatz von Giftgas noch einmal dramatischere Formen an. Dabei kamen bis zu 1500 Menschen ums Leben. Mehr als sechs Millionen Syrer sind derzeit auf der Flucht. Neben dem Oppositionskonflikt zeigte sich in Syrien 2013 zunehmend eine Spaltung der Regimegegner. Im Norden des Landes eskalierten die Kämpfe um die Vorherrschaft in den Kurdengebieten zu einem Krieg. Desweiteren verschärft der zwischenstaatliche Konflikt zwischen Syrien und Israel die Situation. Auch die Kriegsandrohungen der USA gegenüber Syrien wurden als Krise eingestuft. Insbesondere zwischenstaatliche Krisen unterhalb der Gewaltschwelle hätten großes Eskalationspotential, so Peter Hachemer. Quelle: dapd
MexikoAber nicht nur in Afrika, auch in Südamerika tobt ein Krieg: In dem Drogenkrieg zwischen der Regierung Peña Nietos und verschiedenen bewaffneten Drogenmafias wurden 2013 mehr als 12.000 Menschen getötet. Nun konnte der mächtige Chef des Sinaloa-Drogenkartells in Mexiko nach 13-jähriger Flucht gefasst werden. Jetzt drohen interne Nachfolgekämpfe die Lage in der Region wieder zu verschärfen. Im Südwesten des Landes formierten sich zudem hunderte von bewaffneten Selbstverteidigungsgruppen, die den Kampf gegen Staat und Kartelle aufnahmen. Quelle: dpa
JemenIm Jemen finden immer noch gewalttätige Auseinandersetzungen statt. Der Krieg zwischen den Konfliktparteien im Jemen erfuhr im Dezember 2013 einen neuen Impuls durch den Angriff der Ansar al-Scharia Kämpfer auf das Verteidigungsministerium. Quelle: dapd
IndienUnd auch Indien findet keine Ruhe. Der Konflikt um die Region Kaschmir schwelt mittlerweile seit 1947. Dennoch gehört Indien nun "nur" noch zu den eingeschränkten Kriegen. 2013 versuchten die Konfliktparteien Pakistan und Indien erstmals eine gegenseitige Annäherung. Das Heidelberger Institut stufte den Konflikt daher aus der Kategorie "Krieg" zu einem "eingeschränkten Krieg" herunter. Quelle: dpa
PakistanAuch in Pakistan dauert der Krieg zwischen der Regierung und islamistischen Gruppierungen weiter an. Obwohl die Regierung durch die USA unterstützt wird, starben 2013 erneut hunderte Menschen bei Drohnenangriffen. 2013 kamen bis zum 25. Dezember 123 Talibankämpfer und 14 Zivilisten durch US-Luftschläge ums Leben. Quelle: dpa

„Die Verfolgung von Christen hat sich nach unseren Beobachtungen auch im Berichtszeitraum für den Weltverfolgungsindex 2015 weiter verstärkt“, sagte der Leiter von Open Doors, Markus Rode. Die Rangliste solle aber nicht in der Debatte um die Stellung des Islam in Deutschland instrumentalisiert werden, warnte er. Für den Index werden die Lebensumstände von Christen in Zusammenarbeit mit Menschenrechtsexperten, Wissenschaftlern und Betroffenen beurteilt.

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