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Weltwirtschaft Neue Weltwährung Yuan

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Allerdings: Ein Selbstläufer wird das nicht. Denn je stärker China seine Kapitalverkehrskontrollen lockert, desto mehr spekulatives Kapital fließt über die Grenzen. Das setzt den Yuan unter Aufwertungsdruck. Hält China am festen Wechselkurs zum Dollar fest, muss die Notenbank in großem Stil Dollar an und Yuan verkaufen. Das bläht die Geldmenge auf und treibt die Preise in die Höhe. China wird daher nicht umhinkommen, den Wechselkurs des Yuan freizugeben. Das aber setzt voraus, dass sich das Land zuvor aus seiner Abhängigkeit von den Exporten befreit und die Binnennachfrage stärkt. Der neue Fünfjahresplan der Pekinger Machthabern zielt genau darauf ab.

Auch in puncto Rechtssicherheit und Eigentumsgarantie muss China noch gewaltig nachlegen. Wer will schon in eine Währung investieren, wenn er sich nicht sicher ist, ob er seine Rechtsansprüche vor unabhängigen Gerichten durchsetzen kann?

Hinzu kommt, dass der chinesische Markt für Anleihen – die wichtigste Anlage für ausländische Währungsreserven – im Vergleich zu den USA noch Zwergenformat hat. Die Marktkapitalisierung beläuft sich auf umgerechnet 2,5 Billionen Dollar. Zum Vergleich: Am US-Markt werden Unternehmens-, Banken- und Staatsanleihen für 25 Billionen Dollar gehandelt.

Weltwirtschaft profitiert

Dennoch: China wird alles daransetzen, die Hindernisse aus dem Weg zu räumen, um den Yuan bis 2020 als Leitwährung zu etablieren. Dann soll Shanghai nach dem Willen Pekings internationales Finanzzentrum sein. Und das geht nicht ohne eine frei handelbare Währung. „Der Westen hat China bisher immer unterschätzt, den Fehler sollten wir nicht wiederholen“, warnt Eichengreen.

Schafft es der Yuan, sich in den nächsten Jahren als große Leitwährung neben Dollar und Euro zu etablieren, hätte das für die Weltwirtschaft große Vorteile:

Das Weltwährungssystem würde auf mehreren Stützpfeilern ruhen. Das mindert das Ausmaß von Wechselkursschwankungen. Strömen Anleger in Krisenzeiten bisher in den Dollar, dürften sich die Kapitalströme in Zukunft auf mehrere Währungen verteilen. „Keine Währung wird dann mehr so extrem aufwerten wie der Dollar nach der Lehman-Pleite“, sagt Eichengreen.

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