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Weltwirtschaft "In Brasilien braut sich ein Sturm zusammen"

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Petrobras wird zu Problem

Hilfe vom Export ist ebenfalls nicht zu erwarten: Die Nachfrage nach Brasiliens Rohstoffen wie Erz, Zucker oder Soja sinkt ebenso wie deren Weltmarktpreis. Erstmals seit Jahren verzeichnet Brasilien derzeit ein Minus in der Handelsbilanz. Und das in einem Land, das nach Jim O’Neill, dem ehemaligen Chefökonomen von Goldman Sachs, der Ernährer und Rohstofflieferant der Welt sein sollte und im Kreise von Russland, China und Indien, den BRIC-Staaten, die globale Konjunktur ankurbeln sollte. „Es ist gut vorstellbar, dass von BRIC bald nur noch ein IC übrig bleibt“, unkt O’Neill jetzt.

Die BRIC-Staaten schwächeln

Das größte Problem Rousseffs heißt Petrobras: Die Zugmaschine der brasilianischen Wirtschaft steht still und bekommt keinen Kredit im Ausland mehr. Die neue Führung des Energiekonzerns muss streichen, schließen und verkaufen, damit Petrobras überhaupt überleben kann. Der Grund für die Misere: In knapp einer Dekade haben Rousseff und ihr Vorgänger Luís Inácio Lula da Silva den Staatskonzern an die Wand gefahren. Sie benutzten ihn, um Benzin billiger zu verkaufen und Jobs zu schaffen, sie ließen Raffinerien aus politischen Gründen an Standorten errichten, wo sie nie rentabel arbeiten können.

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Petrobras ist so ein gewaltiger Selbstbedienungsladen für Politiker und Unternehmer geworden: Bei Aufträgen im Wert von 23 Milliarden Dollar sollen Preise abgesprochen und Schmiergelder in Höhe von rund vier Milliarden Dollar bezahlt worden sein. Neben Petrobras ist davon etwa ein Dutzend der größten Baukonzerne Brasiliens betroffen. Nun stehen viele große Infrastrukturprojekte still. In der Bauwirtschaft, einem der wichtigsten Arbeitgeber des Landes, drohen Massenentlassungen.

Kein Wunder, dass Rousseffs Popularität abgestürzt ist – nur noch rund 20 Prozent der Brasilianer attestieren ihr eine gute Amtsführung. Das Vertrauen der Konsumenten und Unternehmer ist auf den niedrigsten Wert seit der Weltwirtschaftskrise 2009 gesunken. Dass „kleine Korrekturen“ (Rousseff) reichen, das zu ändern, glauben in Brasilien nicht viele.

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