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Weltwirtschaftsforum Davos Wie die Wirtschaftselite sich nützlich machen könnte

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Drei Gründe für das Weltwirtschaftsforum

1. Es trifft, wer sich sonst eher nicht trifft

Der am meisten umgarnte Mann in Davos wird in diesem Jahr vermutlich Anthony Scaramucci. Der Amerikaner mit dem italienischen Namen gehört als Gründer und Gesellschafter von SkyBridge-Capital schon länger zum Inventar der Davos-Teilnehmer. Er sitzt auf Podien, pflegt sein Netzwerk, gibt Auskunft zum Zustand des Kapitalismus.

In diesem Jahr aber wird er nicht nur von geschäftstüchtigen Davos-Gästen umschwärmt werden, sondern wohl auch von den politischen Gästen. Denn Scaramucci gilt als inoffizieller Botschafter des gewählten US-Präsidenten Donald Trump, der am letzten Tag von Davos in Washington auch offiziell sein Amt antreten wird. Die beiden verbindet nicht nur Scaramuccis Einsatz als Spendensammler im Trump-Wahlkampf, der President-Elect berief Scaramucci auch als Wirtschaftsberater für sein White-House-Team. In Davos soll er nun vor allem den weithin verschreckten Europäern die Distanz zu Trump etwas nehmen.

Und nicht nur die Europäer sollen etwas beruhigt werden. Scaramucci soll, heißt es im Vorfeld, ebenfalls an einem Treffen Trump nahe stehender Amerikaner mit der chinesischen Delegation, die in Davos von Präsident Xi Jinping angeführt wird, teilnehmen. Zwischen beiden Großmächten kriselt es, seitdem Trump China wegen der deutlichen Exportorientierung seiner Wirtschaftspolitik attackiert hat. Für Gespräch dieser Art, auf halboffizieller Ebene, jenseits des Protokolls, ist das Treffen in den Schweizer Bergen noch immer unübertroffen.

2. Wer den Herausforderungen begegnen will, sollte seinen Standpunkt überarbeiten

Es kann nicht im Interesse der Liberalen auf dieser Welt sein, die sich andeutenden Mehrheitsverhältnisse gegen wirtschaftliche Freiheit und politischen Liberalismus einfach hinzunehmen. Wer den Trumps, Petrys und Le Pens dieser Welt aber etwas entgegensetzen will, sollte sich nicht auf Ursachenanalyse für deren Erfolg konzentrieren, sondern auch an einem gemeinsamen Standpunkt, der wieder mehrheitsfähig werden könnte, arbeiten. Hausaufgaben gäbe es da genug.

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    Es darf keine einfachen Antworten auf die Probleme der Welt geben. Natürlich provoziert der Populismus mit seinen einfachen Antworten eben solche, um die gleichen Wähler abzufangen. Nur: Einfache Antworten werden an einer komplexen Welt scheitern. Die Enttäuschung wird danach noch größer sein. Die Reaktion auf schlechten Protest kann nicht schlechtes Gestalten sein – sondern gutes Gestalten. Davon sind die Eliten in Politik und Wirtschaft in den vergangenen Jahren abgekommen. Wo, wenn nicht im geschützten Davoser Raum unter ihresgleichen könnte ein kraftvoller Ansatz, sich aus der Falle zu befreien, diskutiert werden?

    Um das zu verstehen, lohnt es sich, in der Zeit nochmal ein Jahr zurückzugehen. Da stand an beim Weltwirtschaftsforum 2016 ausgerechnet der amerikanische Vize-Präsident, Joe Biden, in Davos an einem Pult und redete sich so richtig in Rage. Biden, das muss man wissen, wird unter seinen demokratischen Parteifreunden in Washington gerne als „Mittelschichts-Joe“ verspottet, weil er zu sehr auf den „kleinen Mann“ achte. An diesem Abend aber lief Mittelschichts-Joe zu großer Form auf. Biden forderte von der versammelten Elite, die „Aushöhlung der Mittelschicht“ zu bekämpfen.

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