Weltwirtschaftsforum: Für Angela Merkel wird's in Davos frostig
Das 43. Weltwirtschaftsforum findet in diesem Jahr unter dem Motto "Resilient Dynamism" (Widerstandsfähige Dynamik) in Davos statt. Beim wichtigsten Wirtschaftstreffen der Welt wird es an großen Namen nicht mangeln.
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Angela Merkel sollte sich warm anziehen. Die Bundeskanzlerin nimmt wie in den Vorjahren am Weltwirtschaftsforum in Davos (Schweiz) teil, das am Dienstagabend eröffnet wird und bis Samstag dauert. Beim wichtigsten Wirtschaftstreffen der Welt, das 43. seiner Art, wird Merkel nicht nur mit Temperaturen von bis zu Minus elf Grad bei heftigem Schneefall konfrontiert. Die CDU-Politikerin wird sich aller Voraussicht nach auch heftige Kritik für ihren Umgang mit der Schuldenkrise erwehren müssen.
Mittlerweile zum 43. Mal lädt Klaus Schwab, der Gründer und Präsident des Weltwirtschaftsforums, zum Treffen in Davos. Das Thema diesen Jahres lautet "Resilient Dynamism" (zu deutsch: "Widerstandsfähige Dynamik"). Der Schweizer Nobelort hat 11.131 Einwohner - und wird im Tagungszeitraum von...
Foto: WirtschaftsWoche... von 4712 Soldaten der Schweizer Armee belagert. 866 Soldaten sollen im Durchschnitt täglich im Einsatz sein.
Foto: dapd156.000 US-Dollar kostet der Eintritt für die Teilnahme an privaten Sitzungen, ein Ticket ohne VIP-Status kostet mindestens 71.000 US-Dollar. Wer nicht alleine kommen möchte, zahlt nicht etwa den dopppelten Preis, sondern braucht ein Upgrade. Das gibt es für schlappe 263.000 US-Dollar.
Foto: APViele Wirtschaftsbosse laden am Essen gerne Geschäftspartner zu einem Essen ein. Das Posthotel berechnet dabei nach NY-Times-Angaben pro Person mindestens 210 US-Dollar. Eine Cocktail-Party für 60 bis 80 Leute kostet pro Stunde 8000 US-Dollar.
Foto: WirtschaftsWocheDie meisten Gäste des Weltwirtschaftsforums reisen über den Flughafen in Zürich an. Die Schweizer Metropole liegt rund 150 Kilometer von Davos entfernt. Von Zürich-Kloten geht es mit einer Limousine nach Davos - oder per Helikopter. Eine Strecke kostet 3.400 US-Dollar.
Foto: WirtschaftsWoche157 Millionen US-Dollar: So hoch war der Gewinn des Weltwirtschaftsforums 2010. Ähnlich hoch sind in diesem Jahr die Kosten. Sie werden nach Schätzungen 156 Millionen US-Dollar betragen.
Foto: dpa15.973 US-Dollar: Dieser Betrag wird schätzungsweise auf einer Feier beim Weltwirtschaftsforum vertrunken.
Foto: FotoliaFrauenquote: 1 zu 5 ist das Verhältnis von Frauen zu Männern, welches das Weltwirtschaftsforum vorschreibt.
Foto: dpaSeit dem ersten Weltwirtschaftsforum 1971 in Davos erlebte die Menschheit vier globale Rezessionen und sechs Rezessionen in den USA.
Foto: APFünf Minuten benötigte Sharon Stone beim Weltwirtschaftsforum im Jahr 2005, um eine Million US-Dollar zu sammeln. Mit den Spenden wurde der Kampf gegen Malaria in Afrika unterstützt.
Foto: dpaIm Jahr 1924 schrieb Thomas Mann den „Zauberberg“. Ihm diente das Waldsanatorium in Davos als Vorlage. Seine Ehefrau Katia kurierte hier ihren Lungenspitzenkatarrh. 1957 wurde daraus das Waldhotel Davos.
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Am Donnerstag steht der Gipfeltag ganz im Zeichen der Euro-Krise. Die Regierungschefs von Italien und den Niederlanden, Mario Monti und Mark Rutte, EZB-Präsident Mario Draghi und IWF-Chefin Christine Lagarde – aber auch Deutschland-Kritiker wie Ökonom Joseph Stiglitz und Börsen-Guru George Soros (am Samstag) werden neben der Bundeskanzlerin über Ursachen und Lösungsoptionen der Schuldenkrise streiten.
Kritik am Sparkurs der Deutschen ist dabei programmiert. Bereits im Vorjahr moserte Soros, die Bundesregierung diktiere eine Politik, "die in eine Schuldenspirale mit deflationären Folgen" führe. Deutschland setze Euro-Krisenstaaten unerreichbare Sparziele, verweigere ihnen gleichzeitig Schutz vor den Finanzmärkten und bringe sie damit gegen sich auf.
Den Schutz vor den Finanzmärkten, von deren Würgegriff Investor Soros im Übrigen sehr gut profitiert, liefert inzwischen die Europäische Zentralbank, die im Zweifelsfall im großen Stil Staatsanleihen der Pleitekandidaten aufkaufen will. Es wird spannend zu beobachten sein, ob die gefährliche Geldpolitik der Frankfurter Währungshüter in Davos einhellig gelobt wird – oder ob die Gefahren, Stichworte: Gefährdung der Unabhängigkeit der EZB, Inflation, diskutiert werden.
Neben der europäischen Schuldenkrise möchte Weltwirtschaftsforum-Gründer Klaus Schwab mit den 2.600 Vertretern aus Politik und Wirtschaft vor allem über Russland, die Globalisierung und Protektionismus sprechen. Das offizielle Motto des 43. Weltwirtschaftsforums heißt sehr offen formuliert "Resilient Dynamism" (Widerstandsfähige Dynamik).
Platz 10: Großbritannien
Für die Insel ging es im Vergleich zum Vorjahr zwei Ränge abwärts. Großbritannien offenbart in mehreren Kategorien Schwächen, besonders was das gesamtwirtschaftliche Umfeld und die Finanzmärkte angeht. Das Land profitiert aber von seiner starken Arbeitsmarkteffizienz.
Quelle: "Global Competitiveness Index" des World Economic Forum
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Japan steigt im Vergleich zum Vorjahresranking um einen Platz auf. Die Punkte in den einzelnen Bewertungspositionen des Index blieben nahezu unverändert. Besonders in Sachen Innovationen ist das Land gut dabei: Japan hat die weltweit vierthöchste Anzahl von Patentanträgen pro Kopf.
Foto: REUTERSPlatz 8: Niederlande
Noch im Vorjahr konnten sich die Niederlande um zwei Plätze auf Position fünf verbessern - nun ging es wieder um drei Plätze nach unten. Geschuldet ist der Abwärtstrend geschwächten Finanzmärkten und Sorgen um die Stabilität des Bankensystems. Nichtsdestotrotz haben die Niederlande eine sehr produktive Volkswirtschaft mit gut entwickelten und innovativen Unternehmen.
Foto: APPlatz 7: Hongkong
Für Hong Kong ging es im Vorjahresvergleich um zwei Plätze nach oben, dank einer anhaltend starken Leistung. Die Wettbewerbsfähigkeit der Sonderverwaltungszone Hongkong zeugt vor allem von einem guten Abschneiden in vielen Kategorien, hervorzuheben ist die gute Infrastruktur und die hohe Effizienz, Stabilität und Vertrauenswürdigkeit der dortigen Finanzmärkte. In Sachen Bildung und Innovationen hat Hong Kong jedoch noch deutlichen Nachholbedarf (aktuell belegt es die Plätze 22 und 23), wenn es sich weiter verbessern will.
Foto: REUTERSPlatz 6: Schweden
Schweden gehört zwar weiter zur Spitzengruppe, fiel im Vergleich zum Vorjahr aber um zwei Plätze im Ranking. Wie die Schweiz legt Schweden viel Kraft in Innovationen. Obwohl die WEF-Bewertung leicht fiel - Schuld ist ein etwas schwächeres gesamtwirtschaftliches Umfeld - zählen Schwedens öffentliche Einrichtungen nach wie vor zur Spitzenklasse, mit einem hohen Maß an Effizienz, Vertrauenswürdigkeit und Transparenz.
Foto: dpaPlatz 5: USA
Die Wirtschaft der USA gehört laut WEF nach einem vierjährigen Abwärtstrend wieder zu den effektivsten der Welt und ist führend bei der Entwicklung innovativer Produkte und Dienstleistungen bis zur Marktreife. Im Wettbewerbsindex verbesserten sich die USA gegenüber 2012 um zwei Plätze auf Rang 5.
Platz 4: Deutschland
Deutschland ist überraschend um zwei Plätze nach oben geklettert. Im Vorjahr noch auf Rang sechs, hat sich die Bundesrepublik nun auf den vierten Platz vorgearbeitet. Die WEF-Experten bescheinigen Deutschland eine hohe Flexibilität und Innovationskraft seiner Wirtschaft sowie eine ausgezeichnete Infrastruktur. Gelobt wird in der Studie, dass deutsche Unternehmen im internationalen Vergleich viel für Forschung und Entwicklung ausgeben. Probleme habe Deutschland hingegen durch einen vergleichsweise unflexiblen Arbeitsmarkt.
Platz 3: Finnland
Wie im Vorjahr bekleidet Finnland den dritten Platz. Wie alle skandinavischen Nationen punktet auch Finnland mit außerordentlich transparenten Institutionen (hier ist es auf dem Spitzenplatz) und guter Schulbildung. Seine privaten Kreditanstalten zählen zu den am besten geführten und ethisch verantwortungsvollsten in der Welt. Finnland ist damit die wettbewerbsfähigste Volkswirtschaft der Eurozone.
Foto: APPlatz 2: Singapur
Ähnlich wie der Sieger des Rankings kann auch Singapur durch die Bank überzeugen. Das Land behauptet den zweiten Rang schon das dritte Jahr in Folge. Die Volkswirtschaft rangiert als einzige in sieben der zwölf Kategorien des Index unter den Top 3. Singapur dominiert bei der Konsumgütermarkteffizienz und der Arbeitsmarkteffizienz.
Foto: dpaPlatz 1: Schweiz
Wie im Vorjahr und nunmehr im fünften Jahr in Folge konnte die Schweiz die Spitzenposition behaupten. Ihre Stärke: Eine sehr gute Punktzahl in fast allen zwölf Kategorien. Besonders gut schneiden die Eidgenossen bei den Innovationen und der Arbeitsmarkteffizienz ab.
Zur gesamten Landkarte der Wettbewerbsfähigkeit im "Global Competitiveness Report" geht es >>hier.
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Dem Gedanken der Globalisierung soll neuer Auftrieb verliehen werden, hofft Schwab. Denn: In den vergangenen Jahren hätten die einzelnen Staaten dazu tendiert, Probleme primär im eigenen Interesse zu lösen und den globalen Blick zu vernachlässigen. So seien die multilateralen Verhandlungen im Rahmen der Welthandelsorganisation (WTO) nicht vorangekommen, auch die Bemühungen, den Klimaschutz neu auszurichten, seien gescheitert.
Die Spitzen der US-amerikanischen und chinesischen Regierungen aber, die hier besonders gefordert wären, bleiben dem Gipfeltreffen in diesem Jahr aber fern. Präsident Barack Obama feiert seine Vereidigung in Washington und baut sein Kabinett um, die Chinesen schicken Politiker der zweiten Reihe.
An großen Namen fehlt es – zusätzlich zu den Euro-Krisenchefs – in Davos trotzdem nicht: US-Diplomat Henry Kissinger wird erwartet, dazu UN-Generalsekretär Ban Ki-moon, Friedensnobelpreisträger Kofi Annan, Weltbankchef Jim Yong Kim, Microsoft-Gründer Bill Gates sowie Oscar-Preisträgerin Charlize Theron, die für ihren sozialen Einsatz in Afrika ausgezeichnet wird. Alcoa-Chef und Ex-Siemens-CEO Klaus Kleinfeld wird zudem in die Schweiz reisen, Coca-Cola-Chef Muhtar Kent als Partner der Veranstaltung sowieso – und auch viele Dax-Konzerne (u.a. Deutsche Bank, DHL, Lufthansa) werden durch ihre Vorstandsvorsitzenden vertreten sein.
Neben spannenden Vorträgen und Gesprächen mit Geschäftspartnern locken auch die abendlichen Partys in dem Nobel-Ort – sowie das obligatorische Skifahren zum Abschluss des Gipfels am Sonntag.
Für die WirtschaftsWoche vor Ort sind Chefredakteur Roland Tichy, Technik-Ressortleiter Sebastian Matthes und Online-Politikredakteur Tim Rahmann. Über ihre Twitter-Accounts sowie auf WirtschaftsWoche Online berichten Sie in den kommenden Tagen von Ihren Eindrücken.