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Wenn mehrere Krisen zusammenkommen Mit Klimamaßnahmen gegen den Hunger in der Welt

Vor allem der Klimawandel verschärft den Hunger weltweit. Quelle: imago images

Das Coronavirus hat uns in einem Kampf gegen eine viel historischere, aber allgegenwärtige Krise zurückgeworfen: dem weltweiten Kampf gegen Hunger. Um uns dem Hunger entgegenzustellen, müssen wir den ländlichen Gemeinden in aller Welt dabei helfen, klimafreundliche Anbaumethoden umzusetzen. Ein Gastbeitrag.

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Die Autorin dieses Gastbeitrags, Ertharin Cousin, ist die ehemalige Leiterin des Welternährungsprogramms, Distinguished Fellow Chicago Council on Global Affairs, Stanford University Visiting Scholar Food Security & Environment und Mitglied des Aufsichtsrats der Bayer AG.

Wir stehen kurz vor dem denkwürdigen Meilenstein, bereits ein ganzes Jahr lang mit Covid-19 zu leben – eine Tragödie, deren Ausmaß nicht zu übersehen ist: Laut der Weltgesundheitsorganisation bewegen wir uns auf 1,5 Millionen coronabedingte Todesfälle weltweit zu.

Das Coronavirus hat uns in einem Kampf gegen eine viel historischere, aber allgegenwärtige Krise zurückgeworfen: dem weltweiten Kampf gegen Hunger. Und auch wenn es beängstigend erscheinen mag: Die USA müssen sich anstrengen, um der Welt zu zeigen, dass sie ein starker Partner in diesem Kampf sind. Im Oktober hat David Beasley, Exekutivdirektor des Welternährungsprogramms (WFP), darauf hingewiesen, dass in diesem Jahr 7 Millionen Menschen an Hunger gestorben sind. Und er hat gewarnt, dass die Coronapandemie diese Zahl verdoppeln könnte. Allein in den USA ist die Zahl der Menschen, die hungern, 2020 auf mehr als 50 Millionen von etwa 35 Millionen vor dem Covid-19-Ausbruch gestiegen.

David Beasley, Exekutivdirektor des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen (WFP) bei der Verleihung des Friedensnobelpreises. Quelle: dpa

Das Welternährungsprogramm leistet in der Bekämpfung des Hungers seit Jahren sehr wichtige Arbeit. Deswegen gratuliere ich allen engagierten Menschen und Partnern der Organisation mit großer Dankbarkeit zu dem Friedensnobelpreis für ihre Bemühungen, dass Hunger nicht als Waffe in Kriegen und Konflikten eingesetzt werden kann.

Wenn wir überlegen, mit welchen Methoden man gegen den Hunger vorgehen kann, müssen wir einen weiteren Faktor, der schon vor Covid-19 eine Rolle spielte, berücksichtigen. Nach Jahrzehnten des Fortschritts steigt der Hunger weltweit seit 2016 wieder stetig an. Der Klimawandel trägt dazu in erheblichem Maße bei, da er zur Verschlechterung der Böden, der Bildung von Wüsten, der Wasserknappheit und dem Anstieg der Meeresspiegel beiträgt. Die Anzahl extremer klimabedingter Katastrophen, einschließlich extremer Hitze, Dürren, Überschwemmungen und Stürmen, hat sich seit den frühen 1990er-Jahren verdoppelt. Unsere Anbauflächen verschwinden, während der Klimawandel die landwirtschaftliche Produktivität wichtiger Nutzpflanzen erheblich beeinträchtigt.

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    Um den Hunger zu bekämpfen, müssen wir den ländlichen Gemeinden in aller Welt dabei helfen, klimafreundliche Anbaumethoden umzusetzen, mit denen sie Nahrungsmittel produzieren und gleichzeitig die CO2-Emissionen senken, die Speicherung von Kohlenstoff aus der Atmosphäre unterstützen und unsere Widerstandsfähigkeit gegen die schädlichen Auswirkungen des Klimawandels stärken können.

    In Ländern mit geringem bis mittlerem Einkommensniveau wird der Großteil der Lebensmittelversorgung durch Kleinbauern gesichert. Die Frauen und Männer, die für ihren Lebensunterhalt darauf angewiesen sind, unter harten Bedingungen Erfolge zu erzielen, brauchen Zugang zu besserem Saatgut, modernem Pflanzenschutz und Düngemitteln. Sie müssen außerdem einen großen Sprung hin zu Agrartechnologien machen, die ihnen Zugang zu besseren Wetterdaten, modernen Anwendungsmethoden und Märkten ermöglichen.

    Das Welternährungsprogramm unterstützt seit langem Start-ups in diesem Bereich, und die Fortschritte sind ermutigend. Wir müssen aber gemeinsam noch stärker werden. Das UN High Level Meeting zu Lebensmittelsystemen 2021 wird ein wichtiges Treffen darstellen, um entlang der Wertschöpfungskette im Lebensmittelsektor neue Partnerschaften mit Regierungen und Vertretern der Zivilgesellschaft zu knüpfen. Die Bemühungen, den Hunger zu bekämpfen, waren in der Vergangenheit nicht koordiniert genug und haben so zu einem hartnäckigen und immer ernster werdenden Problem beigetragen.

    Ich hoffe, dass wir diesen Trend umkehren und das Ziel für nachhaltige Entwicklung Nr. 2 – den Hunger beenden – erreichen können, indem wir mutige, einzigartige Partnerschaften eingehen, die sich darauf konzentrieren, den Zugang zu Innovation zu erweitern, und die vielen dabei helfen können, für ausreichend Nahrungsmittel zu sorgen. Wir müssen an die Kraft der Innovation und an inklusives Wachstum glauben, um uns dem Hunger und dem Klimawandel entgegenzustellen – zu gleichen Teilen.


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    Das Jahr 2020 hat uns den Start der sogenannten „Decade of Delivery“ für Menschen in aller Welt deutlich erschwert. Lassen Sie uns gemeinsam dafür sorgen, dass 2021 ein besseres Jahr wird. Nichts könnte mehr motivieren, als die Tatsache, dass der Friedensnobelpreis an das Welternährungsprogramm geht.

    Mehr zum Thema: Coronakrise: Das Leid der Entwicklungs- und Schwellenländer

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