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Werner knallhart

Olympische Spiele: höher, schneller und unglaublich langweilig

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Kleiner und bescheidener

Das gilt im Nordwesten mittlerweile auch sonst oft. Statt in gigantischen Einkaufspalästen mit goldenen Springbrunnen shoppen wir in kleinen Popup-Stores, in denen sich Start-Ups mit witzigen Ideen und cleverem Design probieren.

Kommt jemand mit einem dröhnenden Ferrari durch die 30er-Zone gejuckelt, machen wir uns gleich Sorgen um das kümmerliche Selbstbewusstsein des Fahrers.

Unsere neuen ICE fahren nicht mehr 300 Spitze, sondern nun noch 250.

Welche Fähigkeiten bei Sport und Karriere wichtig sind

Statt Caramel Macchiato mit Schlagsahne und bunten Streuseln trinken wir wieder Cappuccino.

Wer was auf sich hält, trägt Kleidung ohne fette Marken-Embleme.

Apple hat eine Billig-Version vom iPhone auf den Markt gebracht.

Wir freuen uns über kostenloses WLAN und faire Wasserpreise am Flughafen. Champagner vorm Abflug wäre sowas von "Airport '80".

Statt großer Samstag-Abendshows wie früher sorgt heute das kleine Neomagazin für die Schlagzeilen.

An der Straßenecke stehen mit Freunden und mit einem Bier in der Hand ist das neue Ausgehen.

Der Eurovision Song Contest war früher von Jahr zu Jahr größer und spektakulärer. Heute zählt: Wie ist die Stimmung?

Was kann in diesen Zeiten das hundertste Feuerwerk vom Dach eines Olympia-Stadions in uns noch auslösen, wenn wir gigantischere Feuerwerke jederzeit googlen können?

Damals war es eine technische Sensation, dass sich die sportliche Jugend der Welt an einem Ort trifft und dass die ganze Welt dabei zugucken kann. In Farbe! Heute fliegt Familie Meier in den Urlaub und überträgt die Mahlzeit an Bord per WLAN live auf Facebook. Normal.

Und so bestimmen die Fehlschläge die Schlagzeilen, weil das immerhin noch etwas Besonderes ist. Tolles Feuerwerk? Möh. Falsch bedruckte chinesische Flaggen mit verdrehten Sternen? OHO! Eigentlich können die Organisatoren doch nur verlieren.

Dazu kommt beim durchschnittlichen Zuschauer der fehlende Überblick: Wer hat gedopt und ist nicht dabei und wer hat gedopt und darf mitmachen? Olympia - da ist irgendwie der Lack ab. Wie schon bei der Tour de France, die ihren Glanz verloren hat. Anders als bei Fußball-Großereignissen kenne ich keinen, der sagt: "Komm, wir gucken zusammen Olympia."

Haben die Verantwortlichen die olympische Idee ruiniert? Weil sie vergessen haben, worauf es heute ankommt?

Einige Olympia-Fans fordern jetzt mit Herzblut: Die Spiele müssen wieder zeitgemäß werden. Sympathischer und bescheidener eben. Was soll heute, da die Weltpolitik in nationale Egoismen zurückfällt, noch das nationale Medaillen-Sammeln? Das fördert bloß das staatlich organisierte Doping in Ländern, die zumindest noch eine sportliche Weltmacht sein wollen. Warum stattdessen nicht in internationalen Teams antreten und so nationale Sportverbände weltweit Brücken schlagen lassen? Ein weltweites Erasmus-Austauschprogramm für die Sportlichsten der Sportlichen.

Warum alle Wettkämpfe in einer einzigen Stadt, die sich dann mit neuen U-Bahnen und Autobahnen überhebt? Warum nicht mehrere Städte gemeinsam, die dann nicht komplett umgebaut werden, wo dann keine Menschen zwangsumgesiedelt werden? Basel-Freiburg-Straßburg statt immer nur die Metropolen.

Die Menschheit wird demnächst zum Mars fliegen. Wir müssen uns nicht mehr daran erregen, welche Nation das größte Feuerwerk und welches die meisten Medaillen hat. Schon gar nicht mitten in der Nacht.

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