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Wertverfall Das Ende des Petro-Dollar

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Kontrollverlust im Nahen Osten beschleunigt den Wertverfall des Dollar

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Die Ablösung des Pfund als Ölwährung wurde 1945 beim Treffen des amerikanischen Präsidenten Franklin D. Roosevelt mit dem saudischen König Abd al-Aziz ibn Saud auf der USS Quincy im Roten Meer eingeleitet. Die USA garantierten den Saudis militärischen Schutz, während die Saudis versprachen, von nun an Öl nur noch gegen Dollar zu verkaufen. Die steigende Nachfrage nach Öl sorgte so für eine beständig steigende Nachfrage nach Dollar. Saudi-Arabien recycelte seine Petro-Dollar durch den Kauf von Schuldpapieren der US-Regierung. Welthandel und internationale Finanzgeschäfte wurden immer mehr in Dollar abgewickelt. Die Nachfrage nach Dollaranlagen, etwa nach US-Staatsanleihen, hielt das Zinsniveau in den USA tief und erleichterte der US-Regierung die Schuldenaufnahme. Investitionen wurden angeschoben, aber auch der Konsum. Mit der Zeit wandelten sich die USA von einer prosperierenden Industrienation zu einer hochverschuldeten Konsumnation. Neue Ausgaben wurden mit immer größeren Mengen an geliehenen Dollar finanziert. Mit dem zunehmenden Dollarangebot verlor der Greenback immer mehr an Wert.

Mit jeder Krise im Nahen Osten verlieren die USA an Glaubwürdigkeit und Einfluss. Das Machtvakuum ermöglicht neue Allianzen. Die Rolle des Dollar als Öl- und Leitwährung steht auf dem Spiel. Quelle: AP

Verlieren die USA jetzt die Kontrolle über den Nahen Osten, dann wird sich der Wertverfall des Dollar beschleunigen. Die zahlreichen Kooperationen und Arrangements zwischen den Golfstaaten sowie mit China und Russland haben die Bedeutung der OPEC als Stütze bei der Durchsetzung des Petro-Dollar bereits stark reduziert. China arbeitet schon seit Jahren auf die Ablösung des Dollar als Leitwährung hin, indem es bilaterale Handelsabkommen in Yuan abschließt. Die hohe Verschuldung macht die USA zudem anfällig für Währungskrisen. Unter Berücksichtigung aller zukünftigen Verpflichtungen belaufen sich die Schulden der USA auf gigantische 86,8 Billionen Dollar. Allein die Chinesen halten amerikanische Staatsschuldpapiere im Volumen von zuletzt 1,276 Billionen Dollar. China könnte versucht sein, die Schwäche der USA zur Sicherung der eigenen Energieversorgung zu nutzen. Russland hat 138 Milliarden Dollar in US-Schulden investiert.

Das Machtvakuum im Nahen Osten schafft Raum für neue Allianzen und Machtpositionen, etwa für Russland. Durch die Unterstützung von Assad kontrolliert Russland die geplanten Pipelines, die Öl und Gas aus den Golfstaaten über syrischen Boden nach Europa leiten sollen. Diesen Trumpf wird der russische Präsident Wladimir Putin nicht kampflos den Amerikanern überlassen. Nach dem ergebnislosen G20-Treffen in Sankt Petersburg ist nun eine direkte Konfrontation zwischen den USA und Russland wie in Zeiten der Kuba-Krise nicht mehr auszuschließen.

Seine kompromisslose Haltung in Sachen Syrien hatte Putin bereits bei einem Geheimtreffen mit dem saudischen Geheimdienstchef Prinz Bandar bin Sultan Ende Juli unter Beweis gestellt. Bandar bin Sultan, der als wichtiger Strippenzieher im syrischen Bürgerkrieg gilt, hatte mit großen Rüstungsaufträgen und der gemeinsamen Kontrolle der Energiepreise auf dem Weltmarkt gelockt. Saudi-Arabien und Russland kontrollieren zusammen ein Viertel der weltweiten Ölproduktion. Laut Berichten der libanesischen Zeitung „As-Safir“ und des britischen „Telegraph“ aber habe Putin dankend abgelehnt, woraufhin der Prinz mit Terroranschlägen auf die Olympischen Winterspiele in Sotschi im Februar 2014 durch von Saudi-Arabien finanzierte tschetschenische Gruppen gedroht haben soll. Das wäre politisch nicht unproblematisch. Der Anschlag beim Boston Marathon am 15. April dieses Jahres wurde von zwei aus Tschetschenien stammenden Terroristen ausgeübt. In den USA ebenfalls nicht vergessen: 15 der 19 Flugzeugentführer bei den Terroranschlägen vom 11. September 2001 waren Saudis.

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