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Westerwelles Südamerika-Reise Maroder Riese, solider Zwerg: Die Chancen deutscher Unternehmen

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Außenminister Guido Quelle: REUTERS

Welcher Kontrast dagegen im kleinen Uruguay. Das gesamte „produktive Kabinett“ - das hätten die Deutschen in ihrer Regierung auch gern - ist versammelt, als Westerwelles Wirtschaftsdelegation zum Gespräch erscheint. Das produktive Kabinett versammelt all jene Ressortschefs, die für Industrie, Dienstleistung und Arbeitsmarkt verantwortlich sind. Einer nach dem anderen trägt vor, welche Projekte sein Amt plant, wo die Deutschen überall investieren könnten: „Uruguay ist ein sicheres Land für Investoren“, preist der Finanzminister seine Heimat an, als wollte er eigens den Unterschied zur vorigen Besuchsstation der Deutschen herausstreichen. „Hier gibt es Stabilität - institutionell, sozial, wirtschaftlich, finanziell.“ Seit sieben Jahren wachse die Wirtschaft des Landes schneller als der Durchschnitt der Region. Bei der Bekämpfung der Korruption liege es an erster Stelle, beim Wachstum an zweiter und bei den Kosten an dritter Stelle des Subkontinents.

Alles klingt wie aus der Wunschfibel der Wirtschaft: Eine staatliche Stelle betreut den Investor vom Start bis zur Abwicklung seines Vorhabens. Ausländische Geldgeber werden steuerlich genauso behandelt wie Inländer. Die Fachminister breiten dann ihre Vorhaben aus: moderne Häfen, neue Schienenstränge, bessere Straßen. Dazu die grüne Welle in der Energieversorgung, insbesondere durch die Nutzung von Wind und Biomasse. Alles Felder, auf denen die Deutschen technologisch führend sind.

Bislang sind aber nur wenige hier aktiv. Es ist das Dilemma eines kleinen Landes: Alle schauen auf den maroden Riesen Argentinien, der solide Zwerg Uruguay dagegen kommt kaum ins Blickfeld. Kapital sucht eine sichere Anlage und eine akzeptable Verzinsung. „Das alles gibt es hier“, fasst Bodo Liesenfeld zusammen, Vorstandsvorsitzender des Lateinamerika Vereins. „Das ist aber in den Schichten der deutschen Wirtschaft, die hierfür in Frage kämen, viel zu wenig bekannt.“ Viele neigten dazu, sich erstmal auf die großen Märkte zu stürzen, doch die seien hart umkämpft. „Der Marktzugang ist da viel schwieriger als bei einem überschaubaren Land. Und man verdient schneller Geld.“

„Über so ein kleines Land wird nie berichtet, dabei ist hier alles viel besser“, beschwert sich Paul Riezler. Der Direktor von elero Latinoamérica vertritt die elero GmbH aus dem baden-württembergischen Beuren. Von Montevideo aus beliefert er den gesamten Markt des Subkontinents mit Antrieben und Steuerungen und Bildschirm für die Haushaltsautomation wie Rollladenmotoren. Der große Vorteil des kleinen Staates: Er gilt als neutral, hat keine Konflikte mit den großen Nachbarn. „Wenn Sie ihren Sitz in Brasilien haben, wird es schon schwierig, nach Argentinien zu exportieren.“

Westerwelle möchte mit seinem Besuch den Blick auch auf Uruguay lenken. Gerade für Mittelständler sei das ein lohnendes Pflaster, aber auch für die deutschen Infrastruktur-Spezialisten. Zwar blieb für einen echten Dialog keine Zeit; Fragen konnten die Deutschen gar nicht loswerden. Immerhin, interessant finden sie es. „Wir beteiligen uns hier an einer Ausschreibung zur Windenergie“, konnte Stephan Reimelt, Vorstandsmitglied der Ferrostaal AG, den zuständigen Ministern in Montevideo in Erinnerung rufen. „Und ich will mich umgucken, wie weit wir unser Engagement vielleicht verstärken können.“

Sein Reisegefährte Ulrich Gräber ist ganz überrascht über die Chancen, die Uruguay bieten könnte. „Da kümmere ich mich drum und schicke auch meine Leute her“, sagt der Sprecher der Geschäftsführung der Areva NP GmbH. Sein Haus baut nicht nur Kernkraftwerke, sondern ist auch bei Wind- und Bioenergie aktiv. „Das klingt interessant, da wäre ich ohne diese Reise nicht drauf gekommen.“

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