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Whistleblower Snowden: "Russland hat keine Geheimdokumente von mir"

Der frühere US-Nachrichtendienstmitarbeiter Edward Snowden hat nach eigener Aussage keine Geheimdokumente mit nach Russland genommen. Alle Unterlagen seien an Journalisten gegangen, sagte er in einem Interview.

Edward Snowden Quelle: AP

Der Ex-US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden hat nach eigenen Angaben keine verschlüsselten Dokumente mit nach Russland gebracht. Vielmehr habe er sämtliches Material des amerikanischen Geheimdienstes NSA, das er an sich genommen habe, zuvor in Hongkong an Journalisten übergeben, sagte der 30-Jährige in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview der "New York Times". Weder die chinesischen noch die russischen Behörden hätten Zugang zu den Dokumenten erhalten. Er habe auch keine Kopien behalten.

Es wäre nicht im Interesse der Öffentlichkeit gewesen, wenn er die Unterlagen mit nach Russland genommen hätte, fügte er hinzu. Snowden sagte zudem, dass er die Dokumente nach eigener Einschätzung auch vor dem Zugriff der chinesischen Spionagebehörden schützen konnte, da er mit deren Geheimdienstfähigkeiten vertraut sei. Zum Ende seiner Zeit bei dem US-Abhördienst sei China sein Fachgebiet gewesen.

Er habe sich nur so lange nicht zum Verbleib der Dokumente geäußert, um nicht noch mehr Aufmerksamkeit der Behörden auf die Journalisten zu lenken, sagte Snowden. Der Enthüllungsjournalist Glenn Greenwald und die Filmemacherin Laura Poitras, die Snowden in Hongkong interviewt hatten, gelten als die einzigen, die vollen Zugang zu den gesamten Unterlagen haben.

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Snowden hatte über diverse Medien unter anderem ein umfangreiches Spähprogramm der NSA enthüllt und damit einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Er setzte sich über China nach Russland ab, wo ihm vorläufig Asyl gewährt wurde. In den USA soll ihm wegen Spionage der Prozess gemacht werden. Kritiker sehen in Snowden eine Verräter.

Er selbst vertrat in dem Interview die Auffassung, die nationale Sicherheit der USA gestärkt zu haben, indem er eine öffentliche Debatte über das Ausmaß der Datensammlung der US-Behörden losgetreten habe. „Die geheime Fortführung dieser Programme stellt eine viel größere Gefahr dar als ihre Aufdeckung“, erklärte der 30-Jährige.

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Das Interview mit Edward Snowden sei im Laufe mehrerer Tage in der vergangenen Woche über verschlüsselte online-Kommunikation geführt worden, schrieb die "New York Times". Snowden erklärte, er lebe nicht unter Kontrolle der russischen Behörden und könne sich frei bewegen. Er betonte, die Entscheidung NSA-Dokumente zu veröffentlichen, sei langsam gewachsen. Er habe sich zum Handeln entschieden, als er eine Kopie eines geheimen Berichts aus dem Jahr 2009 über ein unberechtigtes NSA-Abhörprogramm während der Präsidentschaft von George W. Bush entdeckt habe.

Eine Sprecherin der NSA habe am Donnerstag nicht auf die Kommentaranfrage zu Snowdens Behauptungen geantwortet, schreibt die „New York Times“.

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