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Wikileaks Der den Staatsfeind verteidigt

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Die Internetseite von Quelle: dapd

Nächster Finger, nächste Absonderlichkeit: „Normalerweise dauert es Wochen, bis ein Europäischer Haftbefehl zugestellt wird. Nicht in unserem Fall. Der erste Haftbefehl brauchte zwölf Tage. Der zweite 48 Stunden.“ Stephens holt tief Luft: „Das ist nicht bloß schnell, das ist Überschallgeschwindigkeit!“ Schließlich kommt Stephens beim kleinen Finger an: „Irgendjemand hat die Entscheidung, Julian auf Kaution freizulassen, hier in London vor Gericht angefochten. Aber niemand weiß, wer. Die Briten sagen, es waren die Schweden. Die Schweden sagen, es waren die Briten. Das ist sehr merkwürdig. Und widerspricht allen Regeln.“ Beweise für eine Verschwörung sind das alles nicht. Es könnte auch sein, dass unter dem wahnwitzigen Druck der Öffentlichkeit einige der Beteiligten angefangen haben, Fehler zu machen. Dass sie hektisch geworden sind, dass Korrekturen kaum mehr möglich sind, weil niemand sein Gesicht verlieren will. Auch das wäre ein „Assange-Faktor“.

Warum also nimmt Assange nicht einfach das nächste Flugzeug nach Stockholm, um mit den Behörden zu sprechen? Na ja, sagt Stephens, wenn man überzeugt sei, der Flug ende wirklich in Stockholm, könne man darüber nachdenken. „Aber wenn ich glaube, dass die Endstation ein Hochsicherheitsgefängnis in den USA sein könnte, ist es vielleicht keine so gute Idee.“

Stephans hält schwedisches Verfahren für einen "holding case"

Die Vergewaltigungsvorwürfe gegen Assange in Schweden nennt Stephens einen holding case, ein Verfahren, um Zeit zu gewinnen. Zeit, bis die Amerikaner selbst eine Anklage gegen den WikiLeaks-Chef zustande bekommen haben. Dass sie daran arbeiten, steht fest. Gerade erst haben US-Ermittler die Herausgabe von WikiLeaks-Passwörtern von dem Kurznachrichtendienst Twitter verlangt.

„Wir hören“, sagt Stephens, „dass die Schweden darauf vorbereitet sind, die Vergewaltigungsermittlungen gegen Julian einzustellen, sobald die Amerikaner seine Auslieferung verlangen.“ Das schwedische Recht lasse eine solche Entscheidung zu. Belege für diese Behauptung hat Stephens nicht. Vage spricht er von Quellen in Washington und Stockholm: „Es wäre töricht, nicht auf sie zu hören.“ Stephens’ Ziel ist deshalb sehr einfach: Er will, dass Assange in Großbritannien bleibt. Er misstraut der schwedischen Justiz und hetzt gegen das Land. „Viele Leute glauben ja, dass Schweden einfach ein nettes, liberales Land ist. Aber das stimmt nicht. Es ist noch gar nicht lange her, da wurden in Schweden Roma und geistig Behinderte zwangssterilisiert.“

Britische Gerichte hingegen hätten immer wieder bewiesen, dass sie mit Auslieferungsgesuchen fremder Mächte „sehr robust“ umgingen. „Julian glaubt an die Integrität der britischen Justiz.“ Mit einer ersten Entscheidung über die Auslieferung rechnet Stephens Anfang Februar. Aber das wird noch nicht das Ende sein. Beide Seiten werden durch alle Instanzen gehen. Bis dahin wird es noch viele Überraschungen geben, allerlei juristische Fingerhakeleien. Und jede Menge Kameras. Mark Stephens, keine Frage, liebt diesen Fall

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