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Wikileaks-Informant vor US-Militärgericht Verräter, Spion, Held oder einfach völlig naiv?

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Geheimdokumente stünden für die nicht sichtbare Realität

Cyber-Attacken
Juli 2001: Angriff auf das Weiße Haus
September 2007: Luftabwehr manipuliert
September 2007: Behörden blockiert
Dezember 2009: Drohne angezapft
Im Auftrag chinesischer Regierungsstellen kapern Hacker 15 Prozent des weltweiten Internet-Verkehrs und leiten ihn für 18 Minuten nach China um. Darunter befinden sich riesige Datenpakete vom Pentagon, anderen amerikanischen Regierungs- und Militärstellen sowie vom US-Softwareriesen Microsoft und dem US-Computerbauer Dell. REUTERS
Virenattacke auf das iranische Atomkraftwerk Bushehr. Der mit hohem Aufwand entwickelte Cyber-Schädling Stuxnet sabotiert die Steuerung von Industrieanlagen. Das Virus ist so raffiniert, dass es sogar ein bereits desinfiziertes System erneut befallen und danach unentdeckt bleiben kann. dpa

Mannings Posten im Irak: Nachrichtenstation. Als Geheimdienstanalyst hatte der damals 22 Jahre alte Obergefreite Zugang zu Diplomatendepeschen, höchst vertraulichen Protokollen des US-Militärs. Was er da zu lesen bekam, hätte wahrscheinlich jedem halbwegs intelligenten jungen Menschen ziemliche Zweifel an Recht und Sinn dieses Krieges gegen den Irak gebracht. Was er etwa auch an die Internet-Plattform Wikileaks weiterleitete, war ein Video, das den tödlichen Beschuss von Zivilisten durch US-Kampfhubschrauber zeigt. Weltweit sorgte das Video, veröffentlicht im April 2010 von Wikileaks, für Empörung.

Aufgeflogen ist Manning selbst durch Verrat: Ein Hacker, mit dem er online über seine Zusammenarbeit mit Wikileaks geplaudert hatte, verriet ihn.

Anfang dieses Jahres äußerte er sich erstmals ausführlicher über seine Motive. Er habe geglaubt, eine Debatte über "Außenpolitik und den Krieg allgemein" auslösen zu können. Die Geheimdokumente stünden für „die nicht sichtbare  Realität der Konflikte im Irak und in Afghanistan“, sagte der Angeklagte. In zehn der 21 Punkte umfassenden Anklage erklärte sich Manning für schuldig. Ihm droht eine lebenslange Haft.

Der Prozess gegen Manning wird nach einer Entscheidung der Richterin Oberst Denise Lind teilweise unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden, um zu verhindern, dass weitere geheime Militärinformationen veröffentlicht werden. Bürgerrechtler haben der US-Militärjustiz Geheimniskrämerei vorgeworfen, was potenzielle Informanten abschrecken solle. Das sei eine Bedrohung für die Presse- und Meinungsfreiheit.
Das Gericht hat Termine bis Ende August angesetzt und wird möglicherweise bis zu 100 Zeugen hören. In den Zeugenstand dürfte neben mehreren US-Botschaftern auch einer der Elitesoldaten treten, die im Mai 2011 Al-Kaida-Chef Osama bin Laden in seinem pakistanischen Versteck töteten. Das Gericht will durch diese Aussage aufklären, ob die von Manning weitergereichten Informationen direkt vom Al-Kaida-Chef verwertet wurden. „Manning kannte die Folgen seines Handelns und hat sie missachtet“, sagte Staatsanwalt Joe Morrow.

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