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Wirtschaft Fahndung nach liberalen Märkten

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Der neue Liberalismus lehnte zwar den interventionistischen Wohlfahrtsstaat der Keynesianer ab, er machte sich aber  genauso wenig mit dem Marktfundamentalismus des Laissez-faire gemein. Ein dritter Weg des "Neo-Liberalismus" entstand, der das Verhältnis von Markt und Staat neu auszubalancieren suchte und für einen sozial verantworteten Liberalismus eintrat.  In Deutschland prägte die Freiburger Schule mit Walter Eucken (1891-1950) mit dem Ordoliberalismus diesen Weg, der der Bundesrepublik mit der Sozialen Marktwirtschaft  nach dem 2. Weltkrieg einen rasanten wirtschaftlichen Aufstieg bescherte. Wo heute der Ausdruck "neoliberal" oft abwertend mit verengter Marktradikalität gleichgesetzt wird, bezeichnete er damals die bessere Alternative hierzu.

Neuordnung des Wirtschaftsliberalismus

Doch der Wirtschaftsliberalismus wandelte sich weiter. Nach der gescheiterten keynesianschen Wirtschaftspolitik der Sechziger und Siebziger Jahre wurde das Verhältnis von Markt und Staat wieder neu austariert. Die Chicagoer Schule um den US-Ökonomen Milton Friedman gewann massiv an Einfluss. Sie setzte auf eine neue Marktfreiheit, die den Staat zurückdrängen sollte: Staatliche Aufgaben sollten privatisiert, die Staatsquote reduziert und der Waren- und Kapitalverkehr dereguliert werden. Privatisierung, Liberalisierung und Deregulierung wurden zu den Schlüsselbegriffen des Wirtschaftsliberalismus der Achtziger und Neunziger Jahre. Seine kleinste Einheit bildete der Homo oeconomicus - der rational handelnde, von Eigeninteresse getriebene, nutzenmaximierende Akteur des Marktes, der allzeit klare Präferenzen besitzt und seine wirtschaftlichen Entscheidungen unter vollständiger Information trifft.

Die aktuelle Weltwirtschafts- und Finanzkrise hat diesen marktnahen Liberalismus erneut in Misskredit gebracht. Forderungen nach einem neuen Verhältns von Markt und Staat werden laut. Die Deregulierung und Liberalisierung der Finanzmärkte sei zu weit gegangen, heißt es nun, das Versagen der Märkte offenkundig. Auch der Homo oeconomicus steht auf dem Prüfstand - Rationalität und Informiertheit werden ihm nur noch eingeschränkt zugestanden. Der Wirtschaftsliberalismus steht nun einmal mehr vor der Aufgabe, sich neu zu denken.

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