WiWo App Jetzt gratis testen!
Anzeigen

Wirtschaftsnobelpreisträger "Public-Choice"-Pionier James Buchanan ist tot

Mit seiner "Public-Choice"-Theorie veränderte er die Ökonomik und erhielt 1986 den Nobelpreis für Wirtschaft: James Buchanan ist am Mittwoch im Alter von 93 Jahren gestorben.

James Buchanan Quelle: dapd

Wirtschaftsnobelpreisträger James Buchanan ist im Alter von 93 Jahren gestorben. Der Pionier der „Public-Choice“-Theorie starb einem Vertreter der George Mason Universität in Fairfax (Virginia) zufolge am Mittwoch. Buchanan wurde am 2. Oktober 1919 in Tennessee geboren. Er bekam den Nobelpreis 1986 für seine Beiträge zur ökonomischen Theorie politischer Beschlüsse. In der Begründung der Schwedischen Akademie der Wissenschaften war das fast 40-jährige Wirken des Preisträgers hervorgehoben worden, der „die Grundlagen der ökonomischen und politischen Beschlussfassung entwickelt hat und damit der führende Forscher auf dem häufig sogenannten Public-Choice-Gebiet geworden ist“.

In der herkömmlichen Wirtschaftstheorie habe bis dahin im Wesentlichen eine selbstständige Theorie für den Staat und für die politischen Entscheidungsprozesse gefehlt. Die stabilitätspolitische Theorie, unabhängig davon, ob diese keynesianische oder monetäre Vorzeichen hatte, sei weitgehend davon ausgegangen, dass die politischen Instanzen sich darauf ausrichteten, bestimmte gegebene makro-ökonomische oder sozialökonomische Ziele in Bezug auf Beschäftigung, Inflation oder Wachstumstempo zu erreichen suchten.

Die größten Ökonomen
Adam Smith, Karl Marx, John Maynard Keynes und Milton Friedman: Die größten Wirtschafts-Denker der Neuzeit im Überblick.
Gustav Stolper war Gründer und Herausgeber der Zeitschrift "Der deutsche Volkswirt", dem publizistischen Vorläufer der WirtschaftsWoche. Er schrieb gege die große Depression, kurzsichtige Wirtschaftspolitik, den Versailler Vertrag, gegen die Unheil bringende Sparpolitik des Reichskanzlers Brüning und die Inflationspolitik des John Maynard Keynes, vor allem aber gegen die Nationalsozialisten. Quelle: Bundesarchiv, Bild 146-2006-0113 / CC-BY-SA
Der österreichische Ökonom Ludwig von Mises hat in seinen Arbeiten zur Geld- und Konjunkturtheorie bereits in den Zwanzigerjahren gezeigt, wie eine übermäßige Geld- und Kreditexpansion eine mit Fehlinvestitionen verbundene Blase auslöst, deren Platzen in einen Teufelskreislauf führt. Mises wies nach, dass Änderungen des Geldumlaufs nicht nur – wie die Klassiker behaupteten – die Preise, sondern auch die Umlaufgeschwindigkeit sowie das reale Produktionsvolumen beeinflussen. Zudem reagieren die Preise nicht synchron, sondern in unterschiedlichem Tempo und Ausmaß auf Änderungen der Geldmenge. Das verschiebt die Preisrelationen, beeinträchtigt die Signalfunktion der Preise und führt zu Fehlallokationen. Quelle: Mises Institute, Auburn, Alabama, USA
Gary Becker hat die mikroökonomische Theorie revolutioniert, indem er ihre Grenzen niederriss. In seinen Arbeiten schafft er einen unkonventionellen Brückenschlag zwischen Ökonomie, Psychologie und Soziologie und gilt als einer der wichtigsten Vertreter der „Rational-Choice-Theorie“. Entgegen dem aktuellen volkswirtschaftlichen Mainstream, der den Homo oeconomicus für tot erklärt, glaubt Becker unverdrossen an die Rationalität des Menschen. Seine Grundthese gleicht der von Adam Smith, dem Urvater der Nationalökonomie: Jeder Mensch strebt danach, seinen individuellen Nutzen zu maximieren. Dazu wägt er – oft unbewusst – in jeder Lebens- und Entscheidungssituation ab, welche Alternativen es gibt und welche Nutzen und Kosten diese verursachen. Für Becker gilt dies nicht nur bei wirtschaftlichen Fragen wie einem Jobwechsel oder Hauskauf, sondern gerade auch im zwischenmenschlichen Bereich – Heirat, Scheidung, Ausbildung, Kinderzahl – sowie bei sozialen und gesellschaftlichen Phänomenen wie Diskriminierung, Drogensucht oder Kriminalität. Quelle: dpa
Jeder Student der Volkswirtschaft kommt an Robert Mundell nicht vorbei: Der 79-jährige gehört zu den bedeutendsten Makroökonomen des vergangenen Jahrhunderts. Der Kanadier entwickelte zahlreiche Standardmodelle – unter anderem die Theorie der optimalen Währungsräume -, entwarf für die USA das Wirtschaftsmodell der Reaganomics und gilt als Vordenker der europäischen Währungsunion. 1999 bekam für seine Grundlagenforschung zu Wechselkurssystemen den Nobelpreis. Der exzentrische Ökonom lebt heute in einem abgelegenen Schloss in Italien. Quelle: dpa
Der Ökonom, Historiker und Soziologe Werner Sombart (1863-1941) stand in der Tradition der Historischen Schule (Gustav Schmoller, Karl Bücher) und stellte geschichtliche Erfahrungen, kollektive Bewusstheiten und institutionelle Konstellationen, die den Handlungsspielraum des Menschen bedingen in den Mittelpunkt seiner Überlegungen. In seinen Schriften versuchte er zu erklären, wie das kapitalistische System  entstanden ist. Mit seinen Gedanken eckte er durchaus an: Seine Verehrung und gleichzeitige Verachtung für Marx, seine widersprüchliche Haltung zum Judentum. Eine seiner großen Stärken war seine erzählerische Kraft. Quelle: dpa
Amartya Sen Quelle: dpa

Buchanan und andere mit ihm aus der „Public-Choice“-Schule hätten diese Vorgehensweise als zu vereinfachend kritisiert und stattdessen versucht, Erklärungen des politischen Entscheidungsprozesses zu finden, die denen ähnlich seien, die bei der Analyse ökonomischer Verhaltensweisen verwendet würden. „Dieselben Leute, die auf den Märkten eigennützig auftreten, können im politischen Leben kaum uneigennützig handeln“, lautete die Maxime.

Dies führe zu Analysen, die darauf deuteten, dass politische Parteien oder Verwaltungen, die im Eigeninteresse handeln, in erster Linie danach strebten, so viele Stimmen wie möglich zu gewinnen, um dadurch Machtpositionen zu erlangen oder eine möglichst große Zuteilung aus dem Staatshaushalt zu bekommen. Oder auf den Punkt gebracht: Politikern geht es um die Maximierung der Wählerstimmen oder des Steueraufkommens.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%