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Wirtschaftsweise Beatrice Weder di Mauro Neue Regeln für den Euro

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Was heißt das für Griechenland?

Im Falle Griechenlands würde das bedeuten, dass eine längere Übergangsfrist mit weiteren Anpassungsprogrammen erforderlich ist. Das Land würde erst dann in das neue Regime eintreten, wenn es die daraus resultierenden Lasten tragen kann.

Brauchen wir einen Europäischen Währungsfonds, wie ihn Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble ins Spiel gebracht hat?

Ich würde es befürworten. Die jetzige Lösung, dass Anpassungsprogramme in Zusammenarbeit von Europäischer Kommission, Internationalem Währungsfonds, dem Euro-Rettungsfonds (ESFS) und der Europäischen Zentralbank erarbeitet werden, ist viel zu komplex. Das führt unweigerlich zu Kompetenzrangeleien.

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    Die Bundesregierung arbeitet an einem Konzept für einen Europäischen Stabilitäts- und Wachstumsfonds, kurz ESAGIF, der neben der EZB als eigenständige und politisch unabhängige Institution den Euro absichert. Eine gute Idee?

    Ja. Damit hätte man ein technokratisches Gremium, das ähnlich wie der Internationale Währungsfonds funktioniert und politisch unabhängig Anpassungsprogramme, so sie denn nötig werden, lenkt und Krisen managt.

    In Deutschland besteht eine massive Angst, dass wir mit all diesen Krisen- und Rettungsmechanismen zum Zahlmeister Europas werden, da wir für immer neue Kredite und Transfers geradestehen müssen. Ist diese Furcht berechtigt?

    Diese Furcht ist überzogen. Die öffentliche Wahrnehmung ist sehr stark vom Fall Griechenland geprägt, der fast karikaturhaft alle Befürchtungen bestätigt hat, die man nur haben konnte: Ein Staat, der sich überschuldet, der das lange nicht eingesteht und auch nicht entdeckt wird. Irland und Spanien passen hingegen nicht in dieses Bild und zeigen, dass Finanzierungsprobleme auch ohne krasses Fehlverhalten entstehen können. Zudem haben die meisten Kritiker eine falsche Vorstellung davon, wie wenig auf europäischer Ebene tatsächlich umverteilt wird. Das ist gerade mal ein Prozent vom Bruttoinlandsprodukt, auf nationaler Ebene ist es etwa die Hälfte.

    Wie weit muss denn die Solidarität der Deutschen mit den Euro-Ländern gehen – bis hin zur Ausgabe von Euro-Bonds?

    Das kommt darauf an, was man darunter versteht. Einen unbeschränkten Haftungsverbund durch Tausch von nationalen Schulden in europäische Schulden lehne ich ab. Wenn man darunter allerdings eine beschränkte gemeinsame Haftung für Länder, die temporär in Not geraten sind, versteht, dann bin ich dafür. Auch auf der internationalen Ebene stellt die Gemeinschaft der Länder in Krisenfällen die Finanzierung über IWF-Kredite bereit.

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