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World Economic Forum Davos Die fünf Probleme der Wirtschaftswelt

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Digitalisierung und Wachstum

2. Digitalisierung

Nichts elektrisiert den Macher und Marktbeherrscher von heute so wie die digitale Revolution. Nichts aber macht ihn auch, es sei denn, er ist Gründer eines großen Silicon-Valley-Konzerns, so ratlos. Man sieht das schon an der Zahl der Krawatten. Je konventioneller eine Industrie ist, desto unwahrscheinlicher, dass einer ihrer Vertreter in Davos eine Krawatte trug. Leider war es das dann aber auch oft schon mit digitaler Adaption.

„Keiner will Industrie sein, alle wollen Hightech sein“, spottet ein Beobachter. Das Problem: Kaum einer weiß etwas genaues mit diesem Digitalisierungsding anzufangen. „Das Tempo ist nochmal schneller geworden 2016 als 2011“, sagt Meg Whitman, Chefin von Hewlett Packard. Auch sie sieht die Schwierigkeiten vieler Kollegen, die digitale Welt zwar irgendwie vielversprechend zu finden, aber nichts konkretes damit anfangen zu können: „Vieles ist nicht Problem der Technik sondern der Kultur bei Transformation“, sagt Whitman.

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Um das zu kaschieren, gibt sich die Führungskraft von heute möglichst aufgeschlossen. Wer den Hemdkragen offen trägt und immer ruft, dass sich alles ändert, alles digitalisiert wird, und künstliche Intelligenz schon alle Probleme dieser Welt lösen werde, fühlt sich immerhin auf der richtigen Seite der Geschichte.
Leider kamen dann doch ab und an einige wesentliche Fragen auf, die nur spärlich bis gar nicht beantwortet wurden: Wie sehen Arbeitsmärkte aus, wenn Roboter die Arbeit erledigen? Wie finanzieren sich Staaten, wenn mit Arbeit womöglich auch Einkommenssteuern wegfallen? Wieviel europäisch geprägte soziale Marktwirtschaft wollen wir eigentlich ins neue Zeitalter retten?

Da ist es dem ansonsten blassen Deutsche Bank-Chef John Cryan schon hoch anzurechnen, dass er die Digitalisierungseuphorie in seiner Branche immerhin in geordnete Bahnen zu lenken versuchte. Ja, die Finanzbranche hätten technisch viele verschlafen. Aber nein, nicht jeder 20-Jährige mit einem Fintech gefährde gleich die ganze Branche. „Schon wegen der Sicherheitsprobleme“. Was eine so schlichte wie richtige Erkenntnis ist.

3. Wachstum

„Die Welt normalisiert sich“, sagt Axel Weber. Was leider heißt: Die Rekordwachstum-Zahlen der Weltwirtschaft scheinen zunächst vorbei. Vor allem weil sich in China die Wirtschaft wandelt, aber auch, weil Europa und in Teilen auch die USA strukturell kaum noch zu Wachstum fähig sind. Weswegen die große Frage über allem schwebt: Wo soll künftig Wachstum herkommen? Und wenn es nirgendwo herkommt, was dann?

Dabei scheinen Politiker wie Ökonomen und klassische Industrievertreter immer stärker die High-Tech-Branche im Blick zu haben. Sie fragen sich angesichts von Milliarden-Renditen, die die Erfinder der großen Netzkonzerne für sich einheimsen, wo eigentlich der Wohlstands- und Wachstumsbeitrag der Tech-Branche bleibt. Immer wieder in Davos raunen die Herren (und wenigen Damen), dass das wahre Weltwirtschaftsproblem der vergangenen Jahre sei, dass die Digitalisierung keine volkswirtschaftlich messbare Wohlstandssteigerung gebracht hat. Der indische Notenbankpräsident Raghuram Rajan sagt: „Wir haben technischen Fortschritt noch nicht monetarisiert. Technik ist noch kein Wohlstandsmehrer.“

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