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Zentralasien Ein Toter bei versuchter Festnahme von kirgisischem Ex-Präsidenten Atambajew

Das zentralasiatische Land galt lange als Insel der Demokratie im post-sowjetischen Asien. Nun werden Zweifel an der politischen Stabilität Kirgistans laut.

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Kirgistan: Ein Toter bei versuchter Festnahme von Almasbek Atambajew Quelle: dpa

Moskau Bei der versuchten Festnahme des früheren Präsidenten von Kirgistan, Almasbek Atambajew, ist am Mittwoch ein Soldat einer Spezialeinheit erschossen worden. Mehr als 40 weitere Personen seien verletzt worden, als Anhänger des Ex-Staatschefs bei der Razzia in dessen Anwesen Widerstand leisteten, teilte das Gesundheitsministerium mit. Berichten zufolge zogen sich die kirgisischen Kräfte am frühen Donnerstagmorgen ohne Erfolg zurück.

Atambajew werden Korruption, Amtsmissbrauch und Vermögensenteignung vorgeworfen. Das Parlament Kirgistans hatte im Juni die Immunität Atambajews aufgehoben, wodurch eine Anklage gegen den Ex-Präsidenten möglich wurde. Seitdem hatten seine Anhänger sein Anwesen in Koi-Tasch außerhalb der Hauptstadt Bischkek bewacht, um seine Festnahme zu verhindern.

Atambajew, der von 2011 bis 2017 Präsident Kirgistans war, warf seinem Nachfolger und früheren Schützling Sooronbaj Dscheenbekow vor, die Anschuldigungen gegen ihn initiiert zu haben. Die Razzia begann am Mittwochabend und dauerte bis kurz vor Morgengrauen am Donnerstag an. Eine Menschenmenge widersetzte sich den Kräften, einige verbarrikadierten sich und nahmen sechs Bedienstete als Geiseln. Laut der russischen Nachrichtenagentur Interfax sagte Vizeinnenminister Kursan Asanow, die Entscheidung zum Rückzug sei nach Verhandlungen mit den Unterstützern Atambajews getroffen worden. Diese hätten zugestimmt, im Gegenzug die sechs Geiseln freizulassen. Laut dem Gesundheitsministerium wurden 45 Menschen ins Krankenhaus gebracht, darunter der Soldat der Spezialeinheit, der von einer Kugel getroffen wurde und starb.

Die Razzia lässt Zweifel an der politischen Stabilität Kirgistans laut werden. Lokalen Medienberichten zufolge wurden einige durch die Waffen der Spezialkräfte verletzt, darunter ein Journalist. Das kirgisische Sicherheitskomitee teilte mit, es seien nur Plastikkugeln zum Einsatz gekommen.

Das zentralasiatische Kirgistan, unter anderem Nachbar von China und Kasachstan, galt im post-sowjetischen Asien lange als Insel der Demokratie. Doch gab es immer wieder auch politische Umwälzungen. Die ersten beiden Präsidenten des unabhängigen Kirgistan wurden durch Proteste aus dem Amt geworfen.

Mehr: Kassym-Schomart Tokajew gewinnt die Präsidentenwahl in Kasachstan. Nach Einschätzung internationaler Wahlbeobachter ist diese nicht fair verlaufen.

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