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Zerreißprobe möglich Die Zukunft von Saudi-Arabien steht auf Messers Schneide

Saudi-Arabien steht vor einem großen Wandel: Die Zukunft der Erdöleinnahmen ist ungewiss, und das Königshaus steht vor einer Zerreißprobe.

Woran die Scheichs beteiligt sind
Deutsche Bank Quelle: dpa
Autohaus von Porsche Quelle: AP
Autohaus von Mercedes-Benz Quelle: AP
James Hogan und Wolfgang Prock-Schauer Quelle: REUTERS
Helm mit der Aufschrift "Hochtief" Quelle: dpa
Windpark Quelle: dpa
Credit Suisse Quelle: REUTERS

Es war bezeichnend, womit die arabischen Ölmonarchien in den vergangenen Tagen für Schlagzeilen in Deutschland gesorgt haben. Das winzige Katar will mit acht Milliarden Euro als größter Anteilseigner bei der Deutschen Bank einsteigen – und das große Saudi-Arabien macht als bedeutendster nichtwestlicher Kunde deutscher Waffenexporte von sich reden. Der Unterschied: Katar mit seinen 280.000 Untertanen und seinen immensen Erdgas- und Ölvorkommen weiß kaum noch, wo es sein Geld investieren soll. Die saudische Königsfamilie verfügt über wesentlich mehr Erdöl als Katar, muss aber 21 Millionen Landeskinder in einem Land von der sechsfachen Größe Deutschlands ruhig halten.

Das kostet viel Geld, und das ist – seit der Erdölpreis stagniert – auch für die Saudis ein knappes Gut. Saudi-Arabien ist mit einer täglichen Erdölförderung von ungefähr zwölf Millionen Barrel nicht nur weltweit größter Erdölproduzent, sondern hat mit mehr als 60 Milliarden Dollar im Jahr den fünftgrößten Militärhaushalt der Welt. Ein Zeichen für Stabilität ist das nicht.

Dabei hat die hochgerüstete saudische Armee kaum gleichwertige Feinde jenseits ihrer Landesgrenzen. Ein Land- oder Seekrieg mit dem Iran ist schon aus geografischen Gründen schwer vorstellbar. Und Israel, mit dem sich die Saudis formal seit Jahrzehnten im Krieg befinden, ohne dass je ein Schuss gefallen ist? „Wir rechnen Saudi-Arabien nicht wirklich zu unseren Feinden“, hört man aus dem Außenministerium in Jerusalem. Warum also gibt das Königreich dann weit über zehn Prozent seines Bruttoinlandprodukts für Waffen und Soldaten aus?

Ganz eindeutig: Panzer und selbst Flugzeuge sind potenzielle Bürgerkriegswaffen, sollte es zum Aufstand im Land kommen. Im Satellitenstaat Bahrain war dergleichen schon vor drei Jahren zu besichtigen: Die Bürgerbewegung in der mit Saudi-Arabien eng verbündeten Minimonarchie wurde von Panzern niedergeworfen, die von den saudischen Herrschern über die 25 Kilometer lange Brücke in den kleinen Inselstaat befohlen wurden.

Die Unruhen in Bahrain waren aus dem Gegensatz zwischen den sunnitischen Herrschern und einer schiitischen Bevölkerungsmehrheit entstanden – aus Sicht der saudischen Herrscher extrem bedrohlich: Sie selber sind ebenfalls Sunniten und begründen ihren mittelalterlichen Absolutismus vor allem mit religiösen Argumenten. Etwa 15 Prozent ihrer Untertanen bekennen sich aber zur schiitischen Variante des Islam, und diese Schiiten leben vor allem im Nordosten um die Hafenstadt Dammam. Ausgerechnet hier sind die gewaltigen Ölvorkommen konzentriert, und ohne die Hafenanlagen von Dammam könnte das Land kaum noch Erdöl exportieren.

Ein bedrohliches Szenario ist das für alle Erdölverbraucher auf dem Globus. Nicht nur, weil die Saudis derzeit mehr als 13 Prozent des weltweit geförderten Rohöls produzieren. Nach den Zahlen der Energieagentur EIA, einer staatlichen Behörde in Washington, liegt auch nach den neuen Funden und Erschließungen in Nordamerika ein Fünftel aller bekannten und wirtschaftlich nutzbaren Erdölreserven der Welt unter saudischem Boden. „Allein das saudische Feld Ghawar mit etwa 70 Milliarden Barrel unter der Erde enthält mehr Erdöl als die bekannten Reserven in irgendeinem Land der Erde“, schreiben die amerikanischen Experten. Die ungeheure Ballung des saudischen Erdölschatzes wäre im Fall innerer Unruhen eine Schwäche: Über die Hälfte der saudischen Reserven liegen in nur acht Lagerstätten, allesamt im politisch potenziell unzuverlässigen Nordosten des großen Landes.

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