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Zukunft des Krieges Wie sich die Nato auf Cyber-Angriffe vorbereitet

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Deutsche Unternehmen unterschätzen die Gefahr von Hacker-Attacken

In einem echten „Cyber-Krieg“ kämpfen die Unternehmen an vorderster Front – so sie kämpfen können. Denn zumeist werden sie von Hacker-Attacken aus dem Netz überrascht, wie Dirk Loomans weiß, Chef des IT-Beratungsunternehmens Loomans & Matz in Mainz. „Deutsche Unternehmen haben nicht auf dem Radar, dass sie massiven Bedrohungen aus dem Netz ausgesetzt sind und ihr operatives Geschäft über Nacht völlig lahmgelegt werden kann“, moniert er. Wachsende Vernetzung ohne ausreichenden IT-Schutz führe dazu, dass die Wirtschaft immer verletzbarer für Attacken von außen werde, so Loomans. Zumal gerade die Europäer etwa bei Telekom-Hardware abhängig sind von Zulieferungen aus Fernost: Wenn der Gegner einmal China heißen sollte, könnte er „aufs Knöpfchen drücken und die IT-Infrastruktur lahmlegen“. Es sei denn, die Wirtschaft beginne jetzt, mit der Digitalisierung auch die IT-Sicherheit mitzugestalten.

Tatsächlich ist der Staat hier sensibler als die zumeist mittelständischen deutschen Unternehmen. Bundesregierung und Bundeswehr etwa schützen ihre internen Netze mit enormem Aufwand, auch den Digitalfunk schirmen Bundesbehörden teuer ab. Attacken in der Wirtschaft registrieren die Behörden aber nur lückenhaft; ein neues, aber im ersten Entwurf kräftig geschliffenes IT-Sicherheitsgesetz, berät im Moment der Bundestag.

Sandro Gaycken von der European School of Management and Technology in Berlin sieht die zunehmend vernetzte Wirtschaft dennoch nicht gerüstet für den Krieg der Zukunft – weil man zu naiv mit den Bedrohungen aus dem Netz umgehe: „Die Cyber-Unfähigkeit der Unternehmen könnte ein Sargnagel der globalisierten deutschen Wirtschaft werden“, malt der Sicherheitsexperte den Teufel an der Wand – einfach, weil sie sich ihre Patente klauen lassen oder der Störfall im Chemiewerk das Image verhagelt. Gaycken hofft in diesem Sinne auf neue Lösungen rund um den Trend „Industrie 4.0“: „Große Kunden setzen immer mehr voraus, dass sie Anlagen mit ordentlicher IT-Sicherheit einkaufen“, sagt er, „da werden sich die Unternehmen endlich Gedanken machen müssen.“

Nebenbei ist auch politisch einiges im Argen: Ein Cyberangriff auf ein Atomkraftwerk mag einen solchen Schaden hervorrufen, dass von einem kriegerischen Akt die Rede sein könnte. Aber lässt sich so etwa ein Nato-Bündnisfall ausrufen? Dazu müsste man erst einmal klären, woher der Angriff stammt. „Eine saubere Beweisführung ist bei Cyberangriffen praktisch nicht möglich“, sagt, der Münchner Sicherheitsexperte Tom Köhler. Schließlich könne man ihn über Server in aller Welt und sogar im Zielland selbst laufen lassen. „Deutschland benötigt ein nationales Forschungsprogramm“, das strategische, sicherheitspolitische und auch rechtliche Aspekte interdisziplinär verhandelt.

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