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Zukunft des Krieges Wie sich die Nato auf Cyber-Angriffe vorbereitet

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Ein Meinungsbildung á la carte aus dem Internet

In Tallinn machen sie mit dem Cyber-Abwehrzentrum erste Schritte in diese Richtung. Als „Think Tank“ sieht sich die Einrichtung, die der Nato nicht direkt unterstellt ist – sondern deren Mitgliedsländern und einigen weiteren Staaten wie Finnland oder Österreich zuarbeitet. Aber ausreichen dürfte das im Ernstfall kaum sein, denn die Cyber-Bedrohung ist eben nur ein Gewandt, in dem der Krieg der Zukunft daherkommt.

Allein schon wegen der großen russischen Minderheiten sind gerade Estland und Lettland für Angriffe von russischen Propagandisten anfällig – zumal in beiden Ländern die Integration der Minderheiten mehr schlecht als recht gelaufen ist. Es wäre Russland ein Leichtes, die Bevölkerungen beider Länder gegen die Regierungen aufzubringen und so Unruhe in EU-Mitgliedstaaten zu schaffen. Nichts anderes geschieht seit Frühjahr 2014 in der Ost-Ukraine.

Es zählt eben zu den offensichtlicheren Folgen der digitalen Revolution, dass die Informationsbeschaffung via Internet permanent komplexer wird. Im Wust der frei im Netz verfügbaren Nachrichten fällt es dem Bürger im 21. Jahrhundert schwer, Wahrheiten von der Lüge zu unterscheiden. Klassische Leitmedien stecken überall in der Krise, während sich die Masse der Internetnutzer eine Meinungsbildung á la carte gewöhnt hat: Wer immer schon an das intrinsisch böse Wesen der USA glaubte, deren CIA die Welt regiert – im Netz findet er Bestätigung finden, egal ob dies der Wahrheit dient oder nicht.

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In der Folge sind schiere Informationen als Schwert in der Kriegsführung so scharf wie nie zuvor in der Geschichte. Russlands Propaganda erschuf mit Hilfe der staatlich gelenkten Medien das Bild einer „faschistischen Junta“ in Kiew, die im Sinne der Amerikaner die Ukraine regiert. Heute weiß man, welch ein Unsinn es war. Provokateure aus dem Ausland bringen lokale Minderheiten gegen eine Regierung auf, die sich um deren Belange zu wenig kümmert.

Vorbauen lässt sich solchen Konflikten nur durch eine inklusive und vorausschauende Politik. Eine, die Probleme mit Minderheiten frühzeitig erkennt und die Ursachen behebt. Hierbei hilft freilich, wenn personell gut ausgestattete Inlandsgeheimdienste die gesellschaftlichen Spannungslagen im Blick behalten. Und auf Proteste sollte die Polizei gut vorbereitet sein, sowohl von der Ausbildung her wie auch von der technischen Ausrüstung. Moderne nicht-tödliche Waffen, die beispielsweise Brechreiz verursachen, ließe sich manche Infiltration von außen womöglich leichter abwehren als mit Gummiknüppel und Wasserwerfer. Wichtiger indes ist es, eine gesellschaftliche Stärke zu entwickeln, die den von Selbstzweifeln geplagten EU-Europäern im Moment fehlt. Da kann auch das Cyber-Zentrum in Tallinn nicht helfen.

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