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Zukunft des Krieges Kampfdrohnen - Eskalation dreckiger Waffeneinsätze droht

Gezielte Tötungen mit bewaffneten Drohnen: Ferngesteuerte Joystick-Operationen versprechen viel Sicherheit und wenig Blutzoll. Doch die revolutionäre Waffentechnik kann uns schon bald das Fürchten lehren.

Gezielte Tötungen mit bewaffneten Drohnen - Ökonomische Kriegsführung oder eine Eskalation dreckiger Waffeneinsätze? Quelle: AP

Die Zukunft des Krieges beginnt am 2. September 1898 in Omdurman. Der britische Oberbefehlshaber Herbert Kitchener beendet die Rebellion der Mahdisten am mittleren Nil, vernichtet das Kalifat der islamischen Sekte und stellt die anglo-ägyptische Herrschaft in den Sudan-Provinzen wieder her. Natürlich führt Kitchener seine Truppen damals noch auf klassische Weise ins Feld: 25.800 Soldaten, 3.524 Kamele, 2.469 Pferde und 896 Maultiere stehen bereit.

Die wichtigsten Drohnen und ihre Hersteller
Das unbemannte Kampfflugzeug "Northrop Grumman X-47 Pegasus" im Flug Quelle: gemeinfrei
MQ-9 Reaper (General Atomics, USA) Quelle: Gemeinfrei
MQ-1 Predator (General Atomics, USA) Quelle: Gemeinfrei
Soldaten betrachten die Aufklärungsdrohne IAI Heron Quelle: REUTERS
Ein Soldat schiebt eine RQ-7 Shadow 200 Quelle: gemeinfrei
US-Soldaten prüfen die Langstrecken-Aufklärungsdrohne "RQ-7 Global Hawk“ Quelle: gemeinfrei
Camcopter S-100 (Schiebel, Österreich) Quelle: GNU

Doch Epoche macht die Schlacht, weil die Mahdisten ihr Kriegsglück mit dem letzten großen Kavallerieangriff der Weltgeschichte versuchen - und im Feuer der britischen Maschinengewehre untergehen. Es ist das Ende der Welt der Kürassiere - des Zweikampfs, des Ehrentods und des soldatischen Stolzes. Das Zeitalter der Waffentechnologie zieht herauf, des militärischen Kalküls aus Macht und Überlegenheit - das Zeitalter der asymmetrischen Kriegsführung. 28 Tote zählen die Briten in Omdurman, 8.000 die Mahdisten. Winston Churchill, der spätere britische Premier, der den Feldzug als 23-jähriger Husar miterlebt, weiß sogleich um die historische Bedeutung des Geschehens: "Die Schlacht war noch nicht geschlagen, aber der Sieg bereits errungen."

Es sind solche Siege, von denen Militärs im Westen heute wieder träumen. Schnelle Siege. Siege mit geringen (eigenen) Verlusten. Siege der Effizienz und technologischen Dominanz. Es sind Kriege, an denen die eine Seite der Konfliktparteien praktisch nicht mehr teilnimmt, weil sie das Feindgebiet mit Satelliten überwacht und ihre Kombattanten nicht mehr an fernen Frontlinien, sondern in heimatnahen Leitzentralen in Stellung bringt. Und es sind Kriege, die über die andere Seite buchstäblich aus heiterem Himmel hereinbrechen, weil ihre Kalaschnikow-Kämpfer die nahende Bedrohung in unerreichbarer Höhe nicht sehen und hören können, bevor der sichere Tod sie erreicht.

US-Armee gelingt Drohnen-Landung auf Flugzeugträger

Als Avantgardist der neuen, ökonomischen Kriegsführung erweist sich ausgerechnet Friedensnobelpreisträger Barack Obama. Der US-Präsident will seine Truppen bis zum Ende seiner Amtszeit aus Afghanistan zurückziehen, aber keinesfalls auf Drohnenattacken gegen al-Qaida-Mitglieder verzichten. Seriösen Schätzungen zufolge haben die USA seit 2004 mehr als 300 Einsätze mit solchen unbemannten, ferngesteuerten Flugsystemen (Unmanned combat air vehicle, kurz: UCAV) im Irak und im Jemen, in Afghanistan, Pakistan und Somalia durchgeführt, bei denen 2.500 bis 3.300 Menschen getötet wurden, darunter 470 bis 880 Zivilisten.

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