Zwei Tote in Bangkok Demonstranten wollen Machtzentrale stürmen

Tausende Demonstranten marschieren in Bangkok, um die Machtzentrale der Regierung zu stürmen. Die Polizei will das Gelände verteidigen. Am Samstagabend gab es erste Todesopfer.

Das Jahr der Proteste
Arabischer Frühling Quelle: dpa
Occupy Wall Street Quelle: REUTERS
Stuttgart 21 Quelle: REUTERS
Euro (gegen Sparmaßnahmen) Quelle: dpa
Euro (gegen Euro-Rettung) Quelle: dapd
Tottenham Quelle: Reuters
Camila Vallejo Quelle: REUTERS
Anti-Putin-DemonstrationenIn Russland gilt das ungeschriebene Gesetz: Es darf nur demonstrieren, wer das Regime Putin unterstützt. Allein die Furcht vor den Schlagstöcken der Polizei dürften folglich viele Moskauer von der Teilnahme an einer Demonstration gegen die Führung Anfang Dezember abgeschreckt haben. Umso bemerkenswerter, dass dennoch Zehntausende Moskauer am 10. Dezember gegen die Kreml-Partei auf die Straße gehen. Sie schimpfen über angeblichen Betrug bei der Duma-Wahl und fordern den Rücktritt Putins. 52.000 Polizisten sind in der Hauptstadt aufmarschiert, in weiten Teilen halten sie sich zurück. Quelle: dpa
Hunderttausende gegen Atomkraft“Fukushima mahnt: Alle AKWs abschalten.” Gut zwei Wochen nach der Kernschmelze in dem havarierten Meiler Fukushima-Daiichi protestieren am 26. März mehr als 250.000 Menschen in Deutschland gegen die Atompolitik der Bundesregierung. Allein in der Hauptstadt ziehen rund 100.000 Kernkraft-Gegner mit Trillerpfeifen und Transparenten vom Potsdamer Platz zu einer Kundgebung vor dem Brandenburger Tor. Auch in Hamburg, Köln und München gibt es Groß-Demonstrationen. Der GAU in Japan - oder die Stimmung im Volk!? - verändert schließlich auch die Risiko-Bewertung der Kernkraft von Physikerin und Bundeskanzlerin Angela Merkel. Hatte sie noch ein halbes Jahr vor der Katastrophe von Fukushima eine Laufzeitverlängerung deutscher Meiler durchgesetzt, vollzog Merkel im Frühjahr und Sommer 2011 eine Kehrtwende. Ihr Kabinett beschließt: 2022 soll in Deutschland das letzte Kernkraftwerk abgeschaltet werden. Quelle: dapd
Blockade des Castor-TransportsDer Atom-Ausstieg Deutschlands ist seit einem halben Jahr beschlossene Sache. Der Castor-Transport im November wird dennoch der längste und teuerste Atommüll-Transport der deutschen Geschichte. 125 Stunden braucht der hoch gesicherte Konvoi von der französischen Wiederaufbereitungsanlage La Hague bis zu seiner Ankunft im Zwischenlager Gorleben. Alleine in Deutschland schützen ihn 20.415 Polizisten, 400 Beamte mehr als beim letzten Castor-Transport. Bei Zusammenstößen mit Linksautonomen werden 133 Beamte verletzt, die Beamten setzen zum Teil Wasserwerfer und Schlagstöcke ein. Quelle: REUTERS
Rosenmarsch gegen Gewalt Quelle: dapd

Die Massenproteste gegen die Regierung in Thailand haben bereits zwei Menschenleben gefordert. Bei Zusammenstößen zwischen rivalisierenden Demonstranten kamen am Samstagabend in Bangkok zwei Menschen ums Leben, berichtete die Polizei am Sonntag. Mehrere Menschen wurden verletzt. Die Kraftprobe mit der Regierung ging am Sonntag weiter. Tausende Regierungsgegner setzten zum Sturm auf die Machtzentrale an. Sie wollten unter anderem das Regierungsgelände „Government House“ besetzen, wo das Büro von Ministerpräsidentin Yingluck Shinawatra liegt und das Kabinett normalerweise tagt. Während die Polizei Ministerienbesetzungen bislang geduldet hat, wollte sie „Government House“ verteidigen. Dort wurden mehrere tausend zusätzliche Polizisten stationiert.
Die seit einer Woche wachsenden Proteste verliefen zunächst friedlich. Bei einem Zwischenfall attackierten am Samstagabend aber Regierungsgegner vermeintliche Anhänger der Regierung. Es kam in der Nähe eines Stadions zu Zusammenstößen, wo rund 60 000 sogenannte Rothemden ihre Loyalität mit der Regierung bekunden wollten. Studenten griffen einen Bus und ein Taxi an, in dem sie Rothemden vermuteten. Zwei Menschen kamen nach Polizeiangaben ums Leben und mehrere wurden verletzt.

Der stellvertretende Handelsminister rief die Regierungsanhänger auf, in die Provinzen zurückzukehren. „Wir wollen die Probleme der Regierung nicht noch verschärfen, wenn wir zusammenhalten müssen, um Regierungseinrichtungen zu verteidigen“, sagte Nattawut Saikua. Die Regierung mobilisierte auch die Armee, um die mehr als 20.000 Polizisten in der Stadt zu unterstützen. Die Soldaten seien unbewaffnet, betonte sie. Die Demonstranten werfen der Regierung Korruption und Verschleuderung von Steuergeldern vor. Sie lege es darauf an, den 2006 gestürzten und wegen Amtsmissbrauchs verurteilten Ex-Regierungschef Thaksin Shinawatra aus dem Exil zurückzubringen. Thaksins Schwester ist Ministerpräsidentin. Der Milliardär ist wegen populistischer Politik und fragwürdigen Geschäften seit Jahren ein rotes Tuch für Anhänger des alten Establishments.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%