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Zwischenstopp in Russland Whistleblower Snowden in Moskau gelandet

Der ehemalige US-Geheimdienstmitarbeiter und Whistleblower Edward Snowden soll in Moskau eingetroffen sein. Auf seiner Flucht von Hongkong wird er von der Enthüllungsplattform Wikileaks unterstützt. Am Montag will Snowden nach Venezuela weiterreisen.

Unterstützer des Whistleblowers Edward Snowden demonstrieren vor dem US-Konsulat in Hong Kong. Quelle: REUTERS

Der von den USA wegen Spionage gesuchte frühere Geheimdienst-Mitarbeiter Edward Snowden ist auf dem Weg in eine neue Heimat. Snowden verließ am Sonntag seinen Zufluchtsort Hongkong und flog nach offiziell zunächst nicht bestätigten Berichten nach Moskau. Nach Angaben von Informanten aus der russischen Fluggesellschaft Aeroflot will er am Montag über Havanna nach Venezuela weiterreisen. Die in Hongkong erscheinende "South China Morning Post" nannte als weitere Aufnahmeländer Ecuador oder Island. Die USA, deren Auslieferungsantrag die Hongkonger Regierung wegen eines Formfehler nicht nachkam, kündigten an, sich weiter um die Festnahme Snowdens zu bemühen. Der frühere Vertragsmitarbeiter des US-Geheimdienstes NSA hatte umfangreiche Spähaktionen amerikanischer und britischer Nachrichtendienste enthüllt.

Ein Flugzeug aus Hongkong, in dem Snowden vermutet wurde, traf am Sonntagnachmittag in Moskau ein. Unklar war, ob der US-Bürger an Bord war. Ein Informant bei Aeroflot sagte jedoch, Snowden habe einen Platz in der Maschine gebucht gehabt. Zuvor hatte es geheißen, der Ex-Geheimdienstmann werde die russische Hauptstadt innerhalb eines Tage verlassen. Die Enthüllungsplattform Wikileaks teilte mit, sie habe Snowden in einem nicht genannten "demokratischen Land" zu politischem Asyl verholfen. Er sei in Begleitung von Diplomaten und Juristen und reise auf einer sicheren Route in seine neue Heimat.

Die bekanntesten Whistleblower
James E. CartwrightDrei Jahre nach einem Hackerangriff auf das iranische Atomprogramm ermitteln die US-Behörden gegen den damaligen Vize-Generalstabschef wegen der Weitergabe von Informationen. Die Untersuchungen gegen den früheren General James Cartwright stünden im Zusammenhang mit Veröffentlichungen über das Computervirus Stuxnet, berichtete der Sender NBC unter Berufung auf Justizkreise. Das Virus Stuxnet, das von den USA und Israel entwickelt worden sein soll, hatte das iranische Atomprogramm angegriffen. Die Urananreicherung kam deswegen vorübergehend ins Stocken. Über die Attacke berichtete im vergangenen Jahr die "New York Times". Demnach beschloss Präsident Barack Obama, die unter seinem Vorgänger George W. Bush begonnenen Cyberangriffe auszudehnen. Quelle: AP
Edward SnowdenWhistleblower Edward Snowden soll die Daten-Spionage, die unter dem Schlagwort PRISM bekannt wurde, publik gemacht haben. Bei PRISM handelt es sich um ein bislang unbekanntes Überwachungsprogramm mit dem der Geheimdienst seit 2007 direkt auf die Server der führenden amerikanischen Internet-Firmen zugreifen könne, um Informationen abzugreifen: E-Mails, Dokumente, Chatprotokolle und Verbindungsdaten etwa. Was es mit dem Programm auf sich hat, lesen Sie hier. Quelle: AP
Bradley Manning (geb. 1987)Der US-Militär soll 2010 der Plattform Wikileaks ein Video zugespielt haben, das die Luftangriffe auf Bagdad am 12. Juli 2007 dokumentiert. Die Filmdateien belegen, dass aus einem amerikanischen Kampfhubschrauber Zivilisten erschossen wurden. Außerdem soll Manning Depschen amerikanischer Botschaften an Wikileaks weitergeleitet haben, die veröffentlicht wurden und weltweit für Furore sorgten. Quelle: U.S. Army
William Mark Felt (1913-2008)Der ehemalige amerikanische FBI-Agent ist vor allem unter seinem Pseudonym Deep Throat bekannt. Am 31. Mai 2005 fanden die Reporter Bob Woodward und Carl Bernstein nach 33 Jahren Geheimhaltung heraus, wer hinter dem wichtigsten Informationen der Watergate-Affäre steckt. Felts Informationen führten letztlich zum Rücktritt von Präsident Nixon. Quelle: dpa
Rudolf Schmenger und Frank WehrheimSchmenger (im Bild) und Wehrheim waren für die Aufdeckung von Steuerhinterziehungen der Commerzbank und Deutschen Bank in Höhe von 500 Millionen Euro verantwortlich. Sie wurden beim Kampf gegen die Steuerhinterzieher von ihrer Behörde ausgebremst - bis hin zur falschen Diagnose einer Berufsunfähigkeit. Beide kritisierten dieses Vorgehen stark und machten das Vorgehen öffentlich. Die komplette Geschichte dazu veröffentlichte 2008 das Magazin "Stern". Quelle: dpa
Christoph Meili (geb. 1968)Der ehemalige Wachmann einer privaten Sicherheitsfirma, die für die schweizerische Großbank UBS tätig war, schmuggelte 1997 vermeintliche Holocaust-Dokumente aus der Bank und rettete sie vor dem Schredder. Die Vernichtung von Akten über solche nachrichtenlosen Vermögenswerte wurde erst ein Jahr zuvor in seiner Heimat verboten. Um die Dokumente, die zerstört werden sollten, zu prüfen, nahm er sie mit nach Hause, um sie anschließend einer jüdischen Organisation zu überreichen. Diese gab die Papiere sofort an di e Kriminalpolizei weiter. Im Nachgang wurde klar, dass die Akten aus den Jahren 1897 bis 1927 stammten und somit gar keine Holocaust-Dokumente sein konnten. Daraufhin stellte die Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich Strafanzeige gegen Meili wegen Verstoßes des Bankgeheimnisses, das 1998 wieder eingestellt wurde. In der Zwischenzeit hatte Christoph Meili mit seiner Familie Asyl in den USA erhalten. Quelle: GNU
Roger Boisjoly (1938-2012)Der amerikanische Raumfahrtingenieur hatte seit Juli 1985 vergeblich vor einem Defekt an Dichtungsringen des Space Shuttle gewarnt. Er fand kein Gehör, mit dem fatalen Effekt, dass aufgrund eben dieses Fehlers am 28. Januar 1986 die Challenger abstürtzte. 73 Sekunden nach dem Start zerbrach die Raumfähre. Die gesamte Besatzung kam bei dem Unglück ums Leben. Quelle: dapd

Flucht in "anti-imperialistische" Aufnahmeländer

Kuba, Venezuela und Ecuador werden von sozialistischen Präsidenten regiert und bezeichnen sich als "anti-imperialistische" Staaten. Wikileaks-Gründer Julian Assange, der in Schweden wegen einer Sexualstraftat vernommen werden soll, hat sich in London in die ecuadorianische Botschaft geflüchtet. Der Australier fürchtet, seine Auslieferung in die USA, falls er sich den schwedischen Behörden stellt. Wikileaks hatte vor geraumer Zeit zahllose Dokumente über die Aktivitäten amerikanischer Geheimdienste und Diplomaten enthüllt.

Die USA werfen Snowden Geheimnisverrat und damit einen Verstoß gegen das Spionagegesetz vor. Sie hatten von Hongkong, das im chinesischen Staat den Status eines Sondergebiets hat, die Auslieferung des früheren NSA-Mitarbeiters verlangt. Da der Auslieferungsantrag der USA fehlerhaft gewesen sei, habe es keinen Grund gegeben, Snowden an der Ausreise zu hindern, erklärte die Regierung in Hongkong.

Ein Sprecher des russischen Präsidenten Wladimir Putin sagte, ihm seien weder Snowdens Aufenthaltsort noch dessen Reisepläne bekannt. Putins Sprecher Dmitri Peskow hatte Anfang des Monats erklärt, falls Snowden in Russland um Asyl nachsuchen sollte, würde das geprüft. Island hatte am Freitag eine Antwort auf die Frage abgelehnt, ob es dem Computer-Experten Asyl gewähren würde.

In den USA verlangte der Vorsitzende des Geheimdienst-Ausschusses im Repräsentantenhaus alle Anstrengungen zu unternehmen, Snowdens habhaft zu werden. Dazu müsse die Regierung von Präsident Barack Obama alle rechtlichen Mittel nutzen, sagte der republikanische Politiker Mike Rogers dem Fernsehsender NBC.

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